Das Amt ist für den Heinivater Adrenalin pur

FASNACHT ⋅ Als Heinivater der Zunft Heini von Uri regiert Roland Rüegg über die Surseer Fasnacht. Für das Amt musste er auf zwei Reisen verzichten.

04. Februar 2015, 05:01

Roland Rüegg schmunzelt. «Als Zuschauer dachte ich immer, die Inthronisation sei etwas Langweiliges», sagt er. Doch bereits die ersten Stunden in seinem Amt waren für den neuen Heinivater Adrenalin pur. Die ersten Momente – als er frisch gekürt vor der grossen Menschenmenge in der Altstadt stand – seien «eifach» genial gewesen. Doch dieser Auftakt bildete für den 48-jährigen in Knutwil lebenden Surseer nur einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden «rüüdigen» Tage. Unter seiner Regentschaft soll die Fasnacht in Sursee «eifach royal» werden. «Darauf freue ich mich», sagt der Heinivater.

Das Okay der Heinimamme

Apropos Regentschaft: Diese will er jedoch keineswegs im wahren Sinne des Wortes verstanden wissen. «Zwar bedankte ich mich bei Beat Leu dafür, dass er das Parkplatzreglement während der Fasnacht aussetzt», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Eine Antwort habe er vom Surseer Stapi aber bisher noch nicht erhalten. Das ist für den Heinivater allerdings kein Problem. «Ich sehe mich in meinem temporären Amt sowieso mehr als Repräsentant der Zunft Heini von Uri», sagt Roland Rüegg. Und deshalb ist logisch: Würde, Bürde und Demut stehen beim Geschäftsleitungsmitglied des Surseer Softwareberatungs- und Informatikdienstleistungs-Unternehmens Full Speed System (FSS) bei «seiner» Fasnacht im Zentrum.

Als er im vergangenen Herbst mit der Anfrage Heinivater 2015 konfrontiert wurde, sei die Zusage alles andere als ein Spontanentscheid gewesen. «Ich wusste zwar: Diese Möglichkeit bekommst du nur einmal in einem Leben als Zünfter.» Trotzdem war für ihn von vornherein klar: Ohne die volle Unterstützung der Heinimamme Barbara läuft nichts. Das Okay bei seiner Ehefrau geholt, stand der 48-Jährige vor einem nächsten Entscheid. So mussten die bereits gebuchten Skiferien storniert werden, dann hatten die Rüeggs das Jahr 2015 finanziell bereits anders verplant. Kurz bevor die ersten Kinder ausfliegen, stand als Abschluss eines weiteren Lebensabschnitts eine Amerikareise mit der ganzen Familie auf dem Programm. Das Ziel: Cedar Point, die Achterbahn-Hauptstadt der Welt im Sandusky im Bundesstaat Ohio, sollte zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Doch aufgeschoben sei nicht aufgehoben. Und deshalb wird jetzt erst einmal zünftig in heimischen Gefilden gefeiert.

Fasnachtsbeziehung überdauerte

Die Fasnacht steht bei Rüeggs seit jeher hoch im Kurs. Nicht nur, dass Roland bereits seit 20 Jahren Mitglied der Zunft Heini von Uri ist: Schon viel früher wurde er vom Virus infiziert. So flirtete er am 6. Februar 1986 beim Flohgugger-Ball in Nebikon erstmals mit seiner Barbara. Und ganz entgegen dem ungeschriebenen Gesetz, welches Fasnachtsbeziehungen gemeinhin keine lange Lebensdauer prognostiziert, sind aus der Ehe mit Timo (18), Siri (16), Fernanda (13) und Gregory (7) auch vier Kinder entsprungen.

Roland Rüegg verspricht: «Die Fasnacht 2015 soll ‹eifach royal› werden.» Mit dem Motto werden aber keine bestimmten Festivitäten vorgegeben. Ob königlich oder bescheiden: «Das spielt keine Rolle. Ich möchte, dass möglichst viele ‹Göiggus› mit Freude und Spass feiern›», sagt Rüegg. Mit Kette, Backel, Maske und Narr dekoriert, will er mit dem zündenden Beispiel vorangehen.

Rund 100 Termine werden im Jahr seiner «Regentschaft» zusammenkommen. Deren fünf sind es allein am Schmutzigen Donnerstag. Noch sei es für seinen Motor ein Warmlaufen, sagt Rüegg. Diese Situation dürfte sich allerdings sehr bald ändern. Dass er mit sechs bis sieben Stunden Schlaf auskommt, ist für ihn – speziell von Schmudo bis Güdiszischtig – sicherlich kein Nachteil. Ganz im Gegensatz zur Heinimamme: «Sie braucht normalerweise etwas mehr davon.» Er werde sich den Schlaf nehmen, wann er ihn eben bekomme.»

Ein besonderes Augenmerk wird der 48-Jährige während den «rüüdigen» Tagen vor allem auf seine Gesundheit richten. «Ich hoffe, dass ich kein Tamiflu brauche», sagt er und schmunzelt. Auf einem sehr reduzierten Pegel wird er den Alkoholkonsum halten – eigener Fahrer hin oder her. Der Heinivater ist jedes Jahr ein Unikat. Ein Back-up ist nicht vorhanden.

Dass ihm am Aschermittwoch ohne das «rüüdig» schöne Fasnachtstreiben etwas fehlen könnte, vermag er noch nicht schlüssig zu beantworten. «Ich werde zwar nicht mehr im Flow drinstecken. Die wie in Trance gelebte Zeit ist dann vorbei.» Doch daran will er (noch) nicht denken. Schliesslich soll in den nächsten beiden Wochen die Fasnachtspost zünftig abgehen.


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: