«Das J+S-Label zu verlieren, tut weh»

FREIKIRCHEN ⋅ Das Bundesamt für Sport kündigt die Zusammenarbeit mit zehn christlichen Jugendverbänden. Weil dort das Missionieren wichtiger sei als ganzheitliche Förderung. In der Zentralschweiz sind 500 Kinder betroffen, schweizweit wehren sich 25'000.
19. April 2017, 07:19

Dicke Post für zehn christliche Gruppierungen in der Schweiz: Per Brief wurde ihnen vom Bundesamt für Sport (Baspo) mit­geteilt, dass sie ab 2018 vom ­J+S-Programm ausgeschlossen werden. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, die betroffenen Verbände und Vereine von der Jugendsportförderung des Bundes auszuschliessen. Dies, weil sie mit ihren Lagern in erster Linie religiös-missionarische Ziele verfolgen würden. «Als wir vor zwei Wochen informiert wurden, war das im ersten Moment natürlich ein Frust», sagt Beat Hedinger, Jugendpastor bei der Markuskirche, Luzern. Diese ist Teil der Jugendorganisation Youth Plus von Bewegung Plus, einer evangelischen Freikirche. In Luzern seien 6, in der Zentralschweiz 16 Freikirchen von den Massnahmen betroffen. Hedinger rechnet vor: «An den zehn bis zwölf Jugendlagern in der Zentralschweiz nehmen gegen 500 junge Menschen teil. Etwa 200 davon dürften aus Luzern sein.» Nicht betroffen sind die grossen Jugendverbände wie Jubla und Cevi. Gestrichen werden Beiträge in der Höhe von 360'000 Franken, Geld, das rund 10000 Jugendlichen und Kindern in der Schweiz zugutekam.

Ausbildungen müssen neu organisiert werden

«Wir fühlen uns schon etwas vor den Kopf gestossen. Vor allem mit der Begründung sind wir nicht einverstanden. Es geht bei unseren Lagern nicht nur darum, Glauben zu vermitteln», betont er, sondern um eine «ganzheitliche Förderung». Besonders weh tue es, auf das Jugend+Sport-­Label verzichten zu müssen. «Als langjährige Partner von Jugend + Sport stehen wir nun plötzlich ohne dieses Gütesiegel da. Dabei haben wir viel in diese Ausbildungen investiert.» Zukünftig werde man nun auf andere Schulungen für die Leiter zurückgreifen müssen. «Wir wollen weiter gut ausgebildete Leiter in unseren Lagern», betont Hedinger.

Finanziell wurden die Lager bisher mit 5 bis 7 Franken pro Person und Tag unterstützt. «Die Beiträge machen also 10 bis 20 Prozent der Gesamtkosten aus.» Hinzu komme auch Materialbezug, der nun wegfallen würde.

Kampflos nehmen die Freikirchen den Entscheid nicht hin. Sie haben eine Onlinepetition lanciert, auf der bis heute rund 25'000 Menschen ihrem Unmut über den Entscheid Ausdruck geben. Vorstellen könnte sich Hedinger auch eine Teillösung. «Natürlich verzichten wir nicht gerne auf Geld, aber wichtiger wäre, wenigstens das J+S-Label behalten zu können.» Wenig Hoffnung macht jedoch Baspo-Sprecher Christoph Lauener: «Das J+S-­Label ist eine geschützte Markenbezeichnung, die für eine ganz bestimmte Grundhaltung in der Sportförderung steht. Wo J+S draufsteht, muss auch J+S drin sein.» Es handle sich um einen richterlich gestützten Grundsatzentscheid, Jugendförderung, bei der Glaubensvermittlung im Zentrum stehe, nicht zu unterstützen. «Da besteht kein Verhandlungsspielraum.»

 

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch


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