Der Bauboom sorgt für dicke Luft

ST. ANNA ⋅ Rund um die Klinik wird kräftig gebaut. Alt Stadtrat Kurt Bieder vermittelt nun zwischen den Bauherren und verärgerten Anwohnern.

02. Februar 2016, 05:00

Im St.-Anna-Quartier in Luzern bleibt kein Stein auf dem anderen. Laufend werden neue Wohnungen im oberen Preissegment gebaut oder renoviert. In den nächsten Jahren stehen zudem drei Grossbaustellen im Gesundheitsbereich an: Die St.-Anna-Stiftung will an der Tivolistrasse ein neues Alterszentrum realisieren, die Hirslanden-Klinik St. Anna plant einen Um- und Neubau des Gebäudekomplexes zwischen der Rigi- und der St.-Anna-Strasse und die Orthopädische Klinik Luzern daneben einen Neubau (siehe Kasten).

Lebensqualität gesunken

«Die Bauerei im Quartier will kein Ende nehmen», beklagt Béatrice Kunz (70), die schon seit über 14 Jahren an der Tivolistrasse lebt. Auch viele ihrer Nachbarn klagten, dass wegen des ständigen Baulärms und des zunehmenden Verkehrs die Lebensqualität stark gesunken sei. Alberto Saviane, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Bellerive, Halde, Lützelmatt (Belhalue) bestätigt: «Lärm, Staub und der zunehmende Verkehr drücken auf die Stimmung im Quartier.» Um die Bauphase möglichst reibungslos zu bewältigen, haben die St.-Anna-Stiftung, die Hirslanden-Klinik und die Orthopädische Klinik letzten Sommer einen Nachbarschaftsbeirat einberufen. Im Beirat sitzen je ein Vertreter der Bauherrschaft sowie sieben Anwohner. Sie treffen sich mindestens viermal jährlich am runden Tisch. Leiter ist der frühere Stadtrat und Baudirektor Kurt Bieder (FDP), der heute als Mediator arbeitet. Diese Form der Zusammenarbeit verschiedener Bauherren und Anwohner sei seines Wissens in der Schweiz einmalig, so Bieder: «Wir betreten alle Neuland.»

Verkehr als Knackpunkt

Für den Auftrag werde er von den drei Bauherren bezahlt, erklärt Bieder. Aber: «Ich habe von Anfang an klargestellt, dass ich als unabhängige Instanz zwischen den Parteien vermitteln und das gegenseitige Verständnis fördern will.» Als Knackpunkt erweist sich der Verkehr in den engen und kurvigen Strassen. Das Quartier leidet auch unter fehlenden Parkplätzen. In der Folge gibt es viel Suchverkehr. Für einige Anwohner sind zudem die Lieferwagen, welche die Klinik St. Anna über die Rigistrasse bedienen, ein Ärgernis, da sie teils die Durchfahrt erschweren oder blockieren (Ausgabe vom 15. November 2013). Durch ein Logistikkonzept der Klinik St. Anna und den Einsatz eines Securitas-Mitarbeiters seien die Störungen jüngst gemildert worden, so Bieder. Schwere Baugeräte und Bauinstallationen dürften die Situation jedoch weiter verschärfen.

«Wir wollen während der Bauzeit dafür sorgen, dass die freie Zufahrt zu den Liegenschaften möglichst gewährleistet ist», sagt Bieder. Dabei habe die Sicherheit von Passanten, insbesondere von Kindern, oberste Priorität. Um diese Ziele zu erreichen, sei es entscheidend, Synergien zwischen den Baustellen zu nutzen, sodass beispielsweise Wendeplätze und Zwischenlager gemeinsam genutzt werden. «Es ist eine gewaltige logistische Herausforderung», betont Bieder. Auch über die Frage, wie der Verkehr nach Inbetriebnahme der Neubauten geregelt werden soll, werde im Beirat diskutiert.

Beirat löst nicht alle Probleme

Der Mediator betont, dass der Nachbarschaftsbeirat nicht alle Probleme lösen könne: «Wir gehen davon aus, dass alle Teilnehmer zu einer möglichst reibungslosen Realisierung der Bauprojekte beitragen wollen.» Wer einen Bau grundsätzlich verhindern wolle, dem bleibe der Rechtsweg offen.

Béatrice Kunz kann dem Nachbarschaftsbeirat nichts abgewinnen. Sie hat zwar keine Einsprache gemacht, sich aber an öffentlichen Informationsveranstaltungen bereits dezidiert gegen die Neubauten ausgesprochen. Auch andere Anwohner reagierten ablehnend, erklärt sie. Das Quartier sei für eine immer stärkere Verdichtung und Klinikbauten nicht geeignet. «Warum sollte ich im Beirat dazu beitragen, dass die Bauherren ihre Projekte möglichst reibungslos realisieren können?», fragt sie rhetorisch.

Wann genau die Bauarbeiten beginnen werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest. Im Fall der Hirslanden-Klinik St. Anna liegt die Planung für den Neu- und Umbau des Klinikgebäudes schon mehrere Jahre zurück. Ursprünglich gab es acht Einsprachen gegen das rund 100 Millionen Franken teure Projekt. Zurzeit seien noch drei Beschwerden beim Kantonsgericht hängig, erklärt die Klinikleitung auf Anfrage. Daher verzögere sich der Baustart auf noch unbestimmte Zeit. Das Projekt sei nötig, um auch in Zukunft Patienten mit modernster Medizin behandeln zu können, wird betont.

Im Fall des Alterszentrums der St.-Anna-Stiftung läuft momentan ein Architekturwettbewerb. Der Baustart ist gemäss heutigem Stand auf Frühling 2018 angesetzt. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich gut zwei Jahre dauern und 40 bis 50 Millionen Franken kosten. Der Neubau soll als Ersatz für das heutige Pflegeheim St. Raphael und das Schwesternwohnhaus Marienhaus dienen.

Simon Bordier


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