Der Höhenrausch begann ganz harmlos

LOZÄRNER MÄÄS ⋅ Er sorgt für den Adrenalinkick: Jedes Jahr bringt Hanspeter Maier (61) eine rekordverdächtige Bahn nach Luzern. Auch für 2017 hat er grosse Pläne.

05. Oktober 2016, 05:00

Hugo Bischof

Immer höher, immer schneller, immer verrückter – so lautet das Motto in Lunaparks oder Chilbis. Da kommt der Kettenflieger Condor gerade recht, eines der Highlights an der diesjährigen Lozärner Määs auf dem Inseli.

Der Condor ist das höchste mobile Kettenkarussell der Welt. 80 Meter ragt der schlanke Metallturm in die Höhe. 16 Sessel für je zwei Personen sind daran befestigt. Sie werden langsam hochgezogen, um danach in rasender Geschwindigkeit mit bis zu 70 Stundenkilometern hoch oben über den Gipfeln der mächtigen Inseli-Bäume zu kreisen.

Besitzer des rekordträchtigen Fahrgeschäfts ist Hanspeter Maier, der in Bettenhausen bei Bern geboren ist und heute in Frauenfeld wohnt. «H.P.», wie ihn seine Freunde nennen, hat das Chilbi-Blut seit Kindheit in sich. Schon sein Urgrossvater aus Deutschland war Marktfahrer. Vor mehr als 30 Jahren kam Maier mit seinem eigenen Fahrgeschäft nach Luzern. Damals habe er klein angefangen. «Mein erstes Fahrgeschäft war ein Kraftautomat in Form eines Stiers», erzählt der 61-Jährige. «Da musste man 20 Rappen reinstecken und durfte dann die Hörner zusammendrücken.» Gleichzeitig verkaufte er Zuckerwatte. «Es begann also alles mit Zuckerwatte.»

Als Nächstes kamen eine Schifflischaukel, dann ein kleines Kinderkarussell. Erst später gings mit dem «immer schneller, immer höher» los. Maier ist inzwischen regelmässig an der Määs – und sorgt stets für viel Nervenkitzel. 2013 etwa mit der Drehschaukel «Super-Chaos», welche die Benutzer mit 90 Stundenkilometern in 30 Meter Höhe katapultiert und um die eigene Achse schleudert. 2015 mit dem 82 Meter hohen «Swiss Tower», von dem man mit rund 100 Stundenkilometern in die Tiefe stürzt. Und jetzt mit dem «Condor».

3,2 Millionen Franken für den «Condor»

Der Freifallturm «Swiss Tower» stammt von der österreichischen Herstellerfirma Funtime. Maier kaufte sie 2014 für 3 Millionen Franken. Schon zwei Jahre später, Ende 2015, verkaufte Maier das Gerät für 2 Millionen Franken an eine chinesische Firma. Diese kaufte ihm gleichzeitig die Schaukel «Super-Chaos» ab – für 1 Million Franken. «Das war ein Glücksfall, der Preis stimmte», sagt Maier. Nicht von allen seinen Bahnen trenne er sich aber schon nach so kurzer Zeit, «ausser es kommt ein Angebot, dem ich nicht widerstehen kann».

Den «Condor» produzierte auch die Firma Funtime. Der Kaufpreis betrug 3,2 Millionen Franken. Bis die Investition amortisiert ist und die Bahn zu rentieren beginnt, dauert es laut Maier zehn Jahre. Eine Schätzung, wie viel Geld er während der rund zweiwöchigen Määs verdient, will Maier nicht abgeben. Aufbau, Platzgeld, Löhne und Gebühren würden ihn rund 30 000 Franken kosten. So viel muss er also mindestens einnehmen. «Dafür muss aber auch das Wetter stimmen», betont Maier.

Um die Anschaffungskosten reinzuholen, muss Maier also fleissig von Messe zu Messe tingeln. Die St. Galler Olma, die Basler Herbstmesse und eben die Lozärner Määs steuert er regelmässig an. Mit Luzern scheint H.P. eine besondere Liebe zu verbinden. Die Fahrpreise hier sind jedenfalls meist tiefer als in anderen Städten. Eine «Condor»-Fahrt kostet an der Määs 8 Franken. In Zürich wars etwas teurer.

Mit welcher verrückten Bahn wird Hanspeter Maier 2017 an die Määs kommen? «Das darf ich noch nicht verraten, denn das entscheidet letztlich die Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern als Veranstalterin», erklärt Maier. Eine Wunschvorstellung habe er natürlich schon, sagt er mit einem Funkeln in den Augen. Ist es etwa der Drehtower, der zurzeit in Neuenburg für Aufsehen sorgt? Maiers Augen leuchten weiter. Der Drehtower ist 1,5 Meter höher als der «Condor» und dreht sich um die eigene Achse – ganz schön viel versprechend.

Bereits in der vierten Generation betreibt die Familie Doggwiler einen Wurststand an der Määs in Luzern. Urs Doggwiler war 47 Jahre lang jedes Mal dabei und erzählt, was ihn an der «Chilbi» fasziniert. (Lena Berger / Zentralschweiz am Sonntag, 01.10.2016)

Der höchste mobile Kettenflieger der Welt im Einsatz (Facebook Luzerner Herbstmesse, 23.09.2016)

Am Samstag hat in Luzern die Mäss gestartet. Besucher sind sich uneins, ob im Vergnügungspark die modernen Bahnen oder die Attraktionen mit altem Charme besser sind. (Tele 1, 01.10.2016)

Der grösste mobile Kettenflieger der Welt in Chur (Facebook Condor H.P. Maier, 23.09.2016)

Stadtpräsident Beat Züsli hat die Lozärner Määs 2016 mit dem Zünden der Konfettibombe eröffnet. (Claude Hagen, )

Die Määs Ausgabe 2016 dauert vom 1. bis 16. Oktober. Erwartet werden 350'000 Besucher.

Der höchste mobile Kettenflieger der Welt im Einsatz (Facebook Luzerner Herbstmesse, 23.09.2016)

Am Samstag hat in Luzern die Mäss gestartet. Besucher sind sich uneins, ob im Vergnügungspark die modernen Bahnen oder die Attraktionen mit altem Charme besser sind. (Tele 1, 01.10.2016)


Der grösste mobile Kettenflieger der Welt in Chur (Facebook Condor H.P. Maier, 23.09.2016)

Bereits in der vierten Generation betreibt die Familie Doggwiler einen Wurststand an der Määs in Luzern. Urs Doggwiler war 47 Jahre lang jedes Mal dabei und erzählt, was ihn an der «Chilbi» fasziniert. (Lena Berger / Zentralschweiz am Sonntag, 01.10.2016)




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