Der «Schmudo» ist Bäckermeister Kreyenbühls «Brot»

SAFRAN-ZUNFT ⋅ Josef Kreyenbühl ist Fritschivater 2016. Weshalb vor seiner Bäckerei ein Frosch der Wey-Zunft steht, verrät er hier.

02. Februar 2016, 05:00

Der Schmutzige Donnerstag (Schmudo), mit dem Luzerns Fasnacht in zwei Tagen mit dem Urknall um 5 Uhr startet, ist der grosse Tag der Zunft zu Safran. Um ihren Zunftmeister und Fritschivater 2016 wählen zu können, musste deren Zunftrat diesmal eine Extrasitzung abhalten. Denn der 52-jährige Josef (Seppi) Kreyenbühl ist seit sechs Jahren Mitglied eben dieses Zunftrats und durfte natürlich nichts von seiner Wahl wissen. «Im Oktober 2015 hatten wir unsere Sitzung, die ganz normal ablief und mit der Festlegung eines Dreier-Vorschlages endete», blickt Kreyenbühl zurück. Danach gabs ohne sein Wissen offenbar eine weitere, geheime Sitzung, bei welcher der erste Name auf der Liste mit dem von Kreyenbühl ersetzt wurde.

«Nie im Leben damit gerechnet»

Entsprechend gross war für Kreyenbühl die Überraschung am Jahresbot am 2. Januar 2016, als schliesslich sein Name ausgerufen wurde. «Nie im Leben habe ich damit gerechnet. Erst recht nicht in diesem Jahr, weil ich auch im Organisationskomitee des Sechseläuten-Besuchs bin», sagt Kreyenbühl. Zum ersten Mal wird die Luzerner Zunft zu Safran im April 2016 nämlich als Ehrengast am Zürcher Sechseläuten teilnehmen. «Dies ist sowieso ein Höhepunkt dieses Zunftjahres – und für mich nun eine doppelt grosse Ehre», sagt Kreyenbühl, der verheiratet und Vater von Lisa Maria (16) ist.

Zwei schlaflose Nächte

Die Freude über das höchste Amt der Safran-Zunft sei riesig, wenn auch Kreyenbühl im ersten Moment leer schlucken musste: «Meine Frau und ich hatten zwei schlaflose Nächte, denn in meiner Brust schlagen zwei Herzen, die des Geschäftsmannes und die des Zünftlers.» Kreyenbühl ist diplomierter Bäcker-/Konditormeister und betreibt mit seiner Gattin Pia (48) drei Bäckerei-Filialen in der Stadt Luzern und in Meggen. «Ich wusste sofort: Geschäftlich gesehen, wird dieses Jahr ein grosser Hosenlupf.»

Inzwischen konnte er glücklicherweise personell etwas aufstocken und windet seinen Mitarbeitern ein Kränzlein: «Sie sind grossartig, ich darf auf ihre volle Unterstützung zählen.» Weil die Vorfasnacht dieses Jahr sehr kurz ist, reichte es leider nicht, in der Backstube ein spezielles Zunftmeister-Brot zu kreieren. «Aber wir bieten den Fritschi-Weggen und zwei fasnächtliche Süssgebäcke an», verrät Kreyenbühl.

Den «falschen» Marsch gespielt

Wenn ein Bäcker Zunftmeister wird, wirft das Wellen – erst recht, wenn dieser auch noch Präsident des kantonalen Bäcker- und Confiseurmeisterverbandes ist. Am Bärteliessen, der offiziellen Inthronisation des neuen Zunftmeisters am 16. Januar, durfte Seppi Kreyenbühl eine grosse Überraschung erleben: «Rund die Hälfte aller Bäckermeister aus dem ganzen Kanton haben am Umzug teilgenommen. Sie führten einen Backofen mit und verteilten Königskuchen-Stücke an die Zuschauer. Es war überwältigend!»

Ebenso bewegt erzählt Kreyenbühl, dass seine Mitarbeiter auch eine Produktion einstudiert hatten: «Sie sangen den ‹Schacher Seppli› und änderten den Text auf mich ab. Das war ein sehr emotionaler Moment.» Auch er selbst sorgte an diesem Anlass für eine Überraschung: Traditionell wird beim Auszug am Bärteliessen von der Feldmusik «Alte Kameraden» gespielt. Da Kreyenbühl im OK des Sechseläuten-Besuchs ist, liess er die Feldmusik den Sechseläuten-Marsch einstudieren – offiziell erst für den grossen Tag im April. Nur der Dirigent wurde gebrieft, dass er die Feldmusik bereits am Bärteliessen quasi den «falschen» Marsch spielen liess.

«Es ist wie beim Verliebtsein»

Seppi Kreyenbühl ist seit 1996 Mitglied der Zunft zu Safran. Nun steht er an der Spitze der Zunft und damit plötzlich im Fokus des Interesses. «Nie hätte ich mit diesen Emotionen gerechnet», sagt er. «Es ist wie beim Verliebtsein: Erst wenn du es selber erlebst, weisst du, was es wirklich bedeutet. Ich erhielt unzählige Glückwünsche, die Wertschätzung ist enorm, das ist wirklich einschneidend.»

Auf dem frisch renovierten Brunnen

Den Vogel – pardon, den Frosch – schoss dabei wohl Hanspeter Schättin ab, alt Zunftmeister der Wey-Zunft und wie Kreyenbühl auch Geschäftsmann im Würzenbach-Quartier. «Plötzlich stand ein grosser Wey-Frosch vor dem Laden! Den lassen wir natürlich dort stehen, aber vielleicht bekommt er noch unsere Zunftfarben verpasst», lacht Kreyenbühl. Die Wey-Zunft ist an der Luzerner Fasnacht die zweite grosse Zunft – und steht somit in freundschaftlicher Konkurrenz zur Safran-Zunft.

Der Schmutzige Donnerstag steht bevor und ist ganz Kreyenbühls «Brot». Worauf freut er sich am meisten? «Nach dem Urknall wird der Empfang der Fritschifamilie sicher eindrücklich. Dann darf ich auf dem frisch renovierten Fritschi-Brunnen im Fötzeliregen stehen und Tausenden Fasnächtlern Orangen verteilen. Am Nachmittag folgt dann der Umzug. Es ist alles organisiert; ich darf wirklich in den Tag hineintauchen und ihn geniessen.»

Sehr dankbar ist Kreyenbühl für die Mitarbeit und Dienste seines Weibels Pascal Piffaretti. Dieser sei eine Mischung aus Butler und Bodygard, sagt Kreyenbühl: «Es ist schon speziell, wenn man von heute auf morgen so umsorgt, die korrekte Kleidung kontrolliert und chauffiert wird.»

Yvonne Imbach

Hinweis

Schmutziger Donnerstag, 4. Februar: ca. 5.20 Uhr, Fötzeliräge und Orangenverteilen auf dem Kapellplatz. Ab 14 Uhr grosser Fasnachtsumzug vom Luzernerhof über die Seebrücke.


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