Der «Vetter aus Dingsda» trifft in Root ein

OPERETTE ⋅ Die Theatergesellschaft Root feiert heute Premiere. Sie hat ein Werk von Eduard Künneke aus dem Jahr 1921 neu interpretiert. Dieses vermag auch heute noch zu begeistern.

24. September 2016, 05:00

Nostalgie, Verwechslungen, Witz, Ironie, Herz, Schmerz – dies sind die Ingredienzen von Eduard Künnekes Operette «Der Vetter aus Dingsda», die 1921 in Berlin uraufgeführt wurde.

Nach 1980 wird das Stück in Root ab heute zum zweiten Mal aufgeführt. Mit der Wahl dieses Stücks, unter der bewährten musikalischen Leitung von Alois Rettig und der Regie von Manuela Felice, hat die Theatergesellschaft Root eines bereits vorgegeben: Es wird eine Inszenierung in gewohnten Bahnen geben – keine Experimente, sondern eine Operette, wie man sie liebt. Manuela Felice, die am Konservatorium in Zürich und später am Opernstudio der Wiener Staatsoper Musik studiert hat, führt seit 2008 in Root Regie und schlüpft zugleich in die Rolle von Tante Wilhelmine.

Es ist ihr gelungen, die Handlung in ständigem Fluss zu halten. Die Dialogszenen stehen in flottem Wechsel mit den eingängigen Solo- und Chornummern. Dirigent Alois Rettig sorgt dafür, dass die Musiker auch nach längeren Dialogpassagen sofort wieder in ihrem Element sind. Das elfköpfige Orchester bringt die vielfach bekannten Melodien schwungvoll zu Gehör.

Originalfassung ohne Chor

Erstmals auf der Rooter Bühne steht Chorsängerin Rosmarie Albisser (51) aus Ebikon. «Das Schöne daran ist, dass man für ­einige Stunden in eine andere Rolle schlüpfen kann», sagt die Pharmaassistentin. Die musikalischen Hits in der Operette sind zahlreich: «Ich bin nur ein armer Wandergesell ...», «Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten von hinten sieht ...», «Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia ...» und «Der Roderich, der Roderich ...». «Der Vetter aus Dingsda» ist eine der wenigen Operetten, die in der Urfassung ohne Chor auskommen. Alois Rettig hat für die Rooter Ausgabe das Werk für das Ensemble bearbeitet und mehrere Melodien mit einem Chorsatz ergänzt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Alles dreht sich um die junge Schlossherrin Julia de Weert, die es kaum erwarten kann, volljährig zu werden, um der Vormundschaft von Onkel Josse und Tante Wilhelmine zu entkommen. Ausserdem wartet sie sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Vetters Roderich, der vor sieben Jahren nach Dingsda (Java, Indonesien) abgereist ist. Plötzlich tauchen zwei Fremde auf, die beide vorgeben, Roderich zu sein. Die Verwirrung ist komplett.

Stimme und Schauspiel überzeugen

Hans Michael Sablotny spielt die Rolle als «falscher» Roderich glänzend. Hervorzuheben sind die verständliche Aussprache, das komödiantische Können sowie die ausdrucksstarke Tenorstimme. Überzeugend auch der Auftritt der Zürcherin Andrea Heller, die Julia de Weert verkörpert. Mit Manuela von Däniken als Hannchen steht ein viel versprechendes «Rooter Eigengewächs» in den Startlöchern. Sie wirkt unverkrampft, erfrischend und munter, versehen mit einer Portion Schalk. Umwerfend ist Raymondo Tiziano als Egon, der mit seinen Blumen immer wieder ins Fettnäpfchen steht. Ein echter Hingucker ist das Elektroauto Marke Eigenbau des echten Roderichs, Rolf Nussli. «Liebe ist hier in Perlen ziemlich kompliziert», stellt dieser bei seinem Auftritt fest. Karl (Giuseppe Pace) und Hans (Urs Degen) bewähren sich in der Rolle als Diener.

Die Operette in der Krise? Von wegen. «Die Operette ist Kultur und erzählt wunderbare Geschichten», sagt Manuela Felice. Es ginge vor allem darum, dass die Leute ihren Spass haben. Es sei eine Kultur, die unbedingt weiterleben muss.

Hinweis

Aufführungen: 24./30. September und 1., 2., 7., 8., 12., 14., 15. Oktober. Beginn 20 Uhr. Sonntag, 2. 10., Beginn um 15.30 Uhr. Theatersaal des Restaurants Die Perle, Dorfstrasse, Perlen-Root. Vorverkauf: www.theater-root.ch oder Telefon 041 420 29 11 (Do und Sa von 9 bis 13 Uhr). Preise: 48 bis 52 Franken.

Monika van de Giessenregion@luzernerzeitung.ch


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