Der beste Frischkäse kommt vom Napf

HERGISWIL ⋅ Die Firma «Neue Napfmilch» blickt auf turbulente Zeiten zurück. Doch unterdessen ist das Unternehmen sehr gut auf Kurs: dank der Beschränkung auf ein kleines Sortiment, ausgezeichneter Qualität – und dank eines Lifestyle-Trends.

15. Oktober 2016, 05:00

Der Plastikbecher ist nicht besonders auffällig, wenn er in der Migros, im Coop oder bei Manor im Regal steht. Dafür ist sein Inhalt von erster Güte. Das ist nun quasi amtlich. Denn der Frischkäse «Bio Nature» der Neuen Napfmilch AG aus Hergiswil gewann dieser Tage zum zweiten Mal in Folge den ersten Preis in seiner Kategorie. Und dies nicht bei irgendeiner Veranstaltung, sondern beim relevantesten Branchenanlass der Schweiz, den Swiss Cheese Awards.

«Ich habe mich irrsinnig über den erneuten Sieg gefreut», sagt Daniel Erni (41), Geschäftsführer der Neuen Napfmilch AG. Weil nämlich der erneute Gewinn des ersten Preises für qualitative und geschmackliche Konstanz auf hohem Niveau stehe. Dass drei weitere Frischkäse-Produkte aus Hergiswiler Produktion von der internationalen Fachjury als preiswürdig eingestuft wurden, unterstreicht denn auch diese Wahrnehmung.

Die Molkerei am Napf hat also die Sympathien der Fachwelt auf ihrer Seite. Auch der kommerzielle Erfolg des Unternehmens hat sich heute eingestellt. Das war bekanntlich nicht immer so. 1999 als die Napfmilch AG im Sinne einer Art Selbsthilfevereinigung lokaler Bauern gegründet, erlitt das Projekt rund ein Jahrzehnt nach dem hoffnungsvollen Start Schiffbruch. Bitter: Beim Konkurs verloren die teilnehmenden Napfbauern und die vielen Sympathisanten des Projekts das von ihnen eingezahlte Kapital. Immerhin eilten ihnen die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und die Landwirtschaftliche Kreditkasse Luzern zur Hilfe. Sie gründeten die heutige Gesellschaft, ermöglichten einen Neustart und sicherten so den lokalen Bauern einen zuverlässigen Abnehmer der Milch.

Seit Jahren «pechschwarze Zahlen»

Vor einem Jahr geriet das Unternehmen noch einmal kurz in die Schlagzeilen, als die Kreditkasse (genauer: eine ihr angegliederte Stiftung) ihr Aktienpaket an die ZMP verkaufte und damit den Ärger von Gründervater Isidor Kunz auf sich zog. Kunz verabschiedete sich in der Folge ganz aus dem Projekt. Heute gehört die Aktiengesellschaft zu rund 95 Prozent der ZMP, Minderheitsaktionär ist Geschäftsführer Daniel Erni.

Selbst im Moment seines Rückzugs attestierte Kunz gegenüber dem «Willisauer Boten», dass die Neue Napfmilch mit «einem ausgezeichneten Team» erfolgreich am Markt tätig sei und «pechschwarze Zahlen» schreibe. Tatsächlich ist die Firma nun schon seit Jahren kommerziell erfolgreich und kann auch auf ein kontinuierliches Wachstum verweisen. Heute verarbeitet die Molkerei jährlich rund 4 Millionen Kilogramm Milch. Das ist im Vergleich zu grossen Anbietern immer noch sehr wenig – aber doppelt so viel wie beim Neustart von 2008. Wobei das Unternehmen laut Erni gar keine progressive Wachstumsstrategie hat. Nicht schiere Grösse, sondern die Nische ist hier Programm: «Wir setzen auf die Stichworte regional, Bio und laktosefrei», sagt Erni. Gerade im letztgenannten Bereich kommt der Molkerei ein aktueller Lifestyle-Trend sehr entgegen, wie der Geschäftsführer bestätigt: «Die Produktion von laktosefreiem Frischkäse, Joghurt und Quark hat in den letzten Jahren entsprechend der Nachfrage stark zugenommen.» Dass nicht nur laktoseintolerante Menschen laktosefreie Produkte konsumieren, ist für die Firma ein Glücksfall.

Produktion in neuen Hallen

Als weiterer Glücksfall erweist sich die von Daniel Erni eingeschlagene Strategie, zwar ein regionales Produkt herzustellen, aber nicht in erster Linie auf regionale Vermarkter zu setzen. Vielmehr stehen die Napfmilch-Produkte hauptsächlich bei den grossen Anbietern zum Verkauf. «Mit Coop, Migros und Manor machen wir 90 Prozent unseres Umsatzes», verrät Erni. Diese Grossverteiler und weitere Anbieter werden mit pasteurisierter Biomilch und so genannter Bergmilch, mit Frischkäse, Quark und Joghurt beliefert. Alles wird übers ganze Jahr hinweg frisch hergestellt und je nach Kunde individuell verpackt. Dies geschieht in brandneuen Produktionshallen, welche die Firma am bisherigen Standort im Weiler Opfersei bei Hergiswil bauen liess. Rund 3 Millionen Franken hat das Unternehmen laut Erni während der letzten Jahre investiert.

Es ist offensichtlich: Am Napf glaubt man an die Zukunft der kleinen Molkerei. Das wird nicht zuletzt die 19 Mitarbeiter freuen, die hier mit Milch ihr täglich Brot verdienen.

Christian Peter Meier


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