Die CVP im Hoch – SVP bleibt aussen vor

STADTRAT ⋅ Thomas Schärli (SVP) wird in einigen Quartieren gar vom parteilosen Rudolf Schweizer geschlagen und hat keine Chance gegen Franziska Bitzi (CVP). Die anderen Parteien applaudieren – und stellen bereits Ansprüche.

27. November 2016, 20:02

Kurz nach 13.30 Uhr betrat die neu gewählte Stadträtin Franziska Bitzi (CVP) am Sonntag das Luzerner Stadthaus. «Mit diesem deutlichen Resultat habe ich nicht gerechnet», sagte die 43-Jährige. Sie holte 13'336 Stimmen, das entspricht rund 70 Prozent. SVP-Kandidat Thomas Schärli erzielte 17 Prozent, der parteilose Rudolf Schweizer 13 Prozent. Die Stimmbeteiligung betrug 38,5 Prozent.

Entsprechend gut ist die Stimmung bei der CVP, die nach den Niederlagen bei den Grossstadtrats- und Stadtpräsidiumswahlen wieder Aufwind verspürt. «Wir sind hocherfreut», sagt Parteipräsidentin Andrea Gmür. «Innerhalb der Partei ist eine neue Dynamik entstanden. Das Nominationsverfahren für die Stadtrats-Ersatzwahl hat gezeigt, dass wir personell sehr gut aufgestellt sind.» Durch die Wahl Bitzis in den Stadtrat rückt Thomas Schärli, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen SVP-Kandidaten, für die CVP in den Grossstadtrat nach. Neue Fraktionschefin wird Mirjam Fries.

SVP: Echte Chance kommt erst, wenn Jost zurücktritt

Bei der SVP gibt man sich nüchtern. Er sei nicht enttäuscht, sagt Kandidat Thomas Schärli (37). Sein Ziel von 40 Prozent hat er zwar klar verfehlt. «Weil praktisch alle Parteien Franziska Bitzi unterstützt haben, musste man aber mit diesem Resultat rechnen.» Ob er sich für künftige Wahlen empfehlen konnte, werde sich zeigen, meint Schärli. «Ich bin noch jung, mein Name ist nun sicher bekannter.» Auch SVP-Fraktionschef Marcel Lingg, der sich im Vorfeld gegen eine SVP-Kandidatur ausgesprochen hat, spricht nicht von einer Niederlage. «Wir haben zumindest unseren Wähleranteil erreicht.» Eine realistische Chance auf einen Stadtratssitz werde die SVP erst haben, wenn Manuela Jost zurücktritt. Ob Thomas Schärli künftig wieder für die SVP antreten kann, sei derzeit noch offen.

Rudolf Schweizer (53) dagegen weiss, dass er künftig wieder bei Exekutivwahlen antritt. Er erzielte ein achtbares Resultat; in sechs Quartieren holte er gar mehr Stimmen als Schärli (siehe Tabelle). «Mich wählten Leute, die sich um das Kleingewerbe sorgen», sagt er. «Tut die Politik hier nicht mehr, werde ich das nächste Mal noch grössere Chancen haben.» Schweizers Abschneiden sorgt für Gesprächsstoff. «Das gibt mir etwas zu denken, seine Politik ist schwierig einzuschätzen», sagt FDP-Präsident Fabian Reinhard. Schweizer habe wohl in erster Linie «Protestwähler» mobilisiert: «Die Schwäche des SVP-Kandidaten spielte aber wohl auch eine Rolle.» GLP-Präsident Louis van Mandach dagegen freut sich für Schweizer. Die GLP ging bei den Grossstadtratswahlen im Mai eine Listenverbindung mit ihm ein.

Weniger überrascht sind die Parteien vom Sieg Bitzis. «Sie war eine gute und mehrheitsfähige Kandidatin», sagt Reinhard. Sie sei «umsichtig» und kenne sich in Luzern aus, lobt Martin Abele, Vizepräsident der Grünen. SP-Präsident Claudio Soldati findet es «erfreulich, dass nun die Frauen im Stadtrat wieder besser vertreten sind». Die Erwartungen an Bitzi gehen jedoch auseinander. Reinhard hofft, dass sie wie Stefan Roth vorsichtig budgetiert und in Verkehrsfragen sich für bürgerliche Anliegen wie die Erreichbarkeit von Gewerbebetrieben einsetzt. SP und Grüne dagegen erwarten, dass Bitzi «weniger auf Vorrat spart», wie Abele sagt. Ein Abbau bei Bildung und Sozialem sei tabu. Zudem soll sie sich für ÖV und Veloverkehr einsetzen.

Stadtpräsident Beat Züsli (SP) freut sich, «dass wir bald wieder komplett sein werden». Er geht davon aus, dass Bitzi die Finanzen übernehmen wird.

Stefan Dähler

Die Resultate im Detail

Quartiere Franziska Bitzi Staub Thomas Schärli Rudolf Schweizer
Seeburg 774 285 140
Würzenbach 579 181 77
Halde 573 175 89
Wesemlin 954 146 121
Maihof 352 90 74
Friedberg 477 76 96
Altstadt / St. Karli 815 141 158
Untergrund / Fluhmühle 158 60 67
Gütsch 368 73 70
Hirschmatt 345 57 73
Neustadt 284 91 92
Obergrund 381 58 79
Säli 509 112 77
Moosmatt 399 76 70
Sternmatt 421 115 74
Geissenstein 468 104 97
Tribschen 625 170 125
Schönbüel 445 163 88
Matthof 395 202 92
Reussbühl 212 76 50
Staffeln 363 128 72
Thorenberg 301 145 65
Littau Dorf / Rönnemoos 395 148 82
Total 13336 3380 2534

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