Die Motorsäge knattert beim Hirschpark

HOLZSCHLAG ⋅ Rund 25 alte Buchen werden derzeit in Luzern an exponierter Lage gefällt. Sie wurden zum Risiko – wegen Sonnenbrands und Pilzbefalls.
15. März 2017, 04:29

Behände und flink wie ein Wiesel klettert Forstwart Res Niederberger auf eine zirka 35 Meter hohe, majestätische Buche im Wald beim Hirschpark Luzern. Geübt hantiert er mit seiner Motorsäge, im Nu liegen die ersten Äste auf dem Waldboden. In gut 10 Metern Höhe macht er sich daran, den dicken Stamm anzusägen, bis schliesslich der obere Teil der Buche nachgibt und mit lautem Knall auf die Erde aufschlägt.

Bei der gefällten Buche handelt es sich um einen von rund 25 Bäumen, die beim Hirschpark gefällt werden. Wie Stadtoberförster Raphael Müller erklärt, ist dieser Wald, der eingeklemmt ist zwischen Spital, Hirschpark und Familiengärten, sehr schwer zu pflegen und zu bewirtschaften. Der Oberförster ist nicht unbedingt glücklich darüber, diese Bäume fällen zu müssen. «Gerne würden wir die grossen, teilweise über hundert Jahre alten Buchen und den parkartigen Charakter des Waldes erhalten», sagt Müller. Doch einige der Buchen weisen Pilzbefall, Sonnenbrand oder Vitalitätsverluste auf. Dies führe über kurz oder lang meist zum Absterben der Bäume. Einige davon würden bereits ein akutes Sicherheitsrisiko darstellen.

Gefahr für die Familiengärten

In der Vergangenheit sind die Bäume teilweise von alleine abgebrochen. «Mit jedem Baum, der fehlt, werden die anderen zusätzlich exponiert. Wir hatten auch schon grosses Glück, als ein Baum auf die benachbarten Familiengärten fiel, auf dem sich ein Trampolin befand. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich dort ein Kind aufgehalten hätte», erzählt Müller. Der Einsatz im Hirschparkwald sei für das Stadtforstamt speziell, weil es zahlreiche Absprachen brauche und Lampen und Bänke abmontiert werden mussten. Hinzu kommt der Weg, der vom Hirschgehege durch den Wald Richtung Spitalareal führt. Dieser wird stark frequentiert von Besuchern und Mitarbeitern des Spitals. Aus Sicherheitsgründen bleibt der Weg daher bis zum Abschluss des Holzschlags gesperrt. Auch nachts ist das Betreten verboten. «Leider gibt es immer wieder Leute, die sich nicht an das Verbot halten und einfach unter den Absperrbändern durchgehen. Ihnen ist nicht klar, in welche Gefahren sie sich begeben», warnt Raphael Müller.

Der Wald wird sich durch den Eingriff verändern. Für Raphael Müller ist jedoch klar, dass der benachbarte Jungwald davon profitieren und schon bald den Platz der gefällten Bäume einnehmen wird. Die entstehenden Lücken sollen mit Sträuchern und seltenen Baumarten wie Edelkastanien oder Nussbäumen ausgepflanzt werden.

«Auch wir Forstleute haben Ehrfurcht vor Bäumen»

Raphael Müller weiss, dass nicht alle Leute eine Baumfällaktion verstehen. Auch beim Hirschpark habe das Forstamt Reaktionen erhalten. So versuchten etwa Anwohner, die Korporation von der Baumfällaktion abzubringen. Sie kritisieren, dass der Eingriff sehr gross sei und das Erscheinungsbild des Waldes stark verändere. Der Oberförster hat sich daraufhin mit Anwohnern vor Ort getroffen und ihnen erklärt, weshalb die Massnahmen nötig sind. «Auch wir Forstleute lieben den Wald und haben Ehrfurcht vor alten Bäumen, sonst hätten wir ja nicht diesen Beruf gewählt. Wir versuchen stets, die Interessen aller unter einen Hut zu bringen. Doch letztlich müssen wir für die Sicherheit geradestehen», so Müller.

 

Astrid Longariello

astrid.longariello@luzernerzeitung.ch


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