Die Tage des Golfclubs sind wohl gezählt

GOLF ⋅ Schon in den Gründungsjahren hatte der Golfclub Flühli-Sörenberg mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Nun steht der Verein erneut vor dem Aus. Selbst der Präsident ad interim hinterfragt den Standort.

26. November 2016, 11:10

«Inmitten einer fantastischen Bergwelt auf nebelfreien 950 Metern über Meer präsentiert sich Ihnen der Golfplatz Flühli-Sörenberg.» So wirbt der Golfclub Flühli-Sörenberg auf seiner Webseite. Doch jetzt ziehen Wolken über den Greens und Bunkern des Vereins auf. Für den 10. Dezember ist eine ausserordentliche Generalversammlung angesagt, wie der «Entlebucher Anzeiger» schreibt. Vizepräsident Silvio Knecht sagt gegenüber der Zeitung, dass im Vereinsjahr sehr viele Austritte zu verzeichnen waren. Dies bedeute «enorme Mindereinnahmen». Er spricht von 20 Austritten bei aktuell knapp 200 Mitgliedern. 2170 Franken Jahresbeitrag bezahlt jedes Mitglied.

Zu den Gründen sagt Knecht, der die Leitung des Vereins aufgrund des vakanten Präsidiums ad interim innehat, dass es immer mehr und verlockendere Angebote fürs Golfen gebe. So etwa Golfanlagen, bei denen man nicht Mitglied sein müsse. Dort falle auch kein Mitgliederbeitrag an. Gegenüber unserer Zeitung äussert er auch Bedenken zur Lage. «Die Tourismusregion Flühli- Sörenberg hat es in den letzten zwanzig Jahren nicht geschafft, in den Tourismus zu investieren.» Im Nachhinein wäre es bei der Gründung laut Knecht wohl besser gewesen, in Schüpfheim einen Golfplatz zu errichten, denn Flühli sei für einen Golfplatz zu abgelegen. «Braucht es in Flühli wirklich einen Golfplatz?», fragt sich Silvio Knecht selber. Eine Antwort lässt er offen. Sehr optimistisch für die Zukunft ist er aber nicht: «Es kann sein, dass auf dem Standort des Golfplatzes bald wieder Kühe und Geissen grasen.» Doch aufgeben will er noch nicht. «Es gibt einen Kern von Leuten, die mit aller Macht versuchen, den Platz zu erhalten.» Der Vorstand will dazu von den Mitgliedern an der GV die Berechtigung einholen, dass er bis zur ordentlichen Generalversammlung im März mit Banken und Verpächtern verhandeln kann.

Prominente Mitglieder im Golfclub

Es ist nicht das erste Mal, dass der Golfclub in Nöten ist. Bereits die Gründung gestaltete sich mühsam. 1986 gründeten einheimische Geschäftsleute eine Interessengemeinschaft. 1990, an einer denkwürdigen Gemeindeversammlung, besucht von 610 Stimmberechtigten, wurde die Schaffung einer Golfplatzzone klar abgelehnt. 1993 wurde ein neuer Anlauf unternommen. Im Jahr darauf stimmte eine Mehrheit der Gemeindeversammlung der Umzonung zu. Trotzdem dauerte es nochmals drei Jahre – wegen Einsprachen gegen den Gestaltungsplan –, bis die 35 Hektaren grosse 9-Loch-Anlage in Betrieb genommen werden konnte. 1997 war es so weit, der Golfplatz wurde eröffnet. 4,9 Millionen Franken waren in die Anlage investiert worden. Auch der Kanton Luzern unterstützte das Vorhaben. An der Eröffnung war auch damalige Politprominenz vor Ort: Die Luzerner Regierungsräte Ueli Fässler und Max Pfister sowie Bundesrat Adolf Ogi gaben sich die Ehre. Letzterer auch, weil er selber Mitglied im Club war. Der damalige Nationalrat Manfred Aregger war zu diesem Zeitpunkt Präsident des Clubs. Doch die Freude wurde bald danach wieder getrübt. 1999 hatte der Verein Schulden in der Höhe von 5,4 Millionen Franken. Der Luzerner Regierungsrat erliess dem Golfclub Schulden von 394000 Franken, um der Anlage «nochmals eine Chance» zu geben. Ein Sanierungskonzept half dem Verein schliesslich über die Runden.

Matthias Stadler


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