Die grosse Lust auf die andere Haut

KOSTÜME ⋅ Damian Surber ist der neue Geschäftsführer des Fasnachtsbazars in Luzern. Trotz des Namens: Bei ihm kleiden sich die Kunden längst nicht mehr nur für die fünfte Jahreszeit ein.

24. November 2016, 05:00

Den grauen Herbsttag lässt man hinter sich beim Eintreten in diese farbige Welt, die dem Alltag ein anderes Gewand verleiht. Was darf es denn sein? Eine rassige Uniform mit steifer Mütze oder doch eher das Steampunk-Brokat-Mieder? Oder wie wärs mit dem knallroten Rennfahrer-Overall, Ölflecken inbegriffen? Kein Problem. Im Fasnachts­bazar an der Bireggstrasse 2 in Luzern ist praktisch alles zu haben, was das Herz begehrt.

In Reih und Glied, nach Sujet und Grösse geordnet hängen hier Kostüme an den Bügeln. Doch was wäre der feine Herr im Gehrock ohne den Gehstock, der Cowboy ohne seine Stiefel, ohne Revolvergürtel? So sind nebst den Kleidungsstücken auch die entsprechenden Accessoires in mannigfaltiger Zahl zu finden.

Nachfrage hat sich verändert

Peter Meyer hatte vor gut 30 Jahren eine Marktlücke entdeckt: Fasnachtskostüme zum Verkauf anbieten. Daraus ist die Fasnachtsbazar Luzern AG geworden. Das Fasnachtsgeschäft florierte von Beginn weg, das Sortiment wurde laufend grösser, und mehrmals hiess es umziehen – grössere Lokalitäten waren vonnöten. Seit 2011 ist das Geschäft ganzjährig geöffnet.

Die Nachfrage beschränkte sich in den letzten Jahren zunehmend nicht mehr nur auf die Fasnachtszeit. Hochzeitsfeiern, Geburtstagsanlässe, Polterabende oder Firmenevents unterstehen häufig einem bestimmten Motto – also braucht es die entsprechenden Kostüme. «Viele Leute haben einfach Lust, hie und da in eine andere Haut zu schlüpfen», sagt der heutige Geschäftsführer Damian Surber. Darauf hat sich der Fasnachtsbazar eingestellt. Ebenso auf den «Oktoberfest-Virus», der längst auf die Schweiz übergeschwappt ist. «Jetzt eben ist die Welle für dieses Jahr verebbt», sagt Surber.

Der 33-Jährige ist seit diesem Herbst Geschäftsführer der Fasnachtsbazar Luzern AG. Er hat die Nachfolge von Peter Meyer angetreten, der altershalber sein Geschäft verkauft hat. Als aktiver Fasnächtler kennt Damian Surber die Bedürfnisse der Klientel. Der Betrieb soll in der gleichen Weise weitergeführt werden wie bisher.

Beraten, bedienen, einkleiden

Zusammen mit der Mitarbeiterin Anja Innen steht Damian Surber an diesem Morgen in seinem Geschäft. Da wird es in den kommenden Wochen eng zwischen den Gestellen; dann, wenn sich die Fasnacht nähert. «Wir leben in erster Linie von den Stammkunden», sagt Surber. «Diese schätzen es, dass wir uns Zeit für jeden Einzelnen nehmen.» Viele Kunden kämen und sagten: Ich möchte irgendetwas, habe aber keine Ahnung, was. Dann gelte es zu beraten, Vorschläge zu machen, für die Kunden das Passende zu eruieren. «Bei uns geht eigentlich jeder Kunde mit einem vollen Sack hinaus.» Ob für die Fasnacht oder für einen anderen Anlass: Wer sich kostümieren wolle, sei nicht knauserig. Auf Wunsch könne man es aber auch günstig haben – ein passendes Accessoire könne bereits viel bewirken. Die Geschäftsdevise des Fasnachtsbazars: «Wir legen viel Wert auf Qualität. Wir suchen unsere Lieferanten vor Ort auf und überprüfen die Ware.» Surber erzählt von Kunden, die von Internetkäufen frustriert waren und nachher sein Geschäft aufsuchten. «Weil sie eben hier die Kleider probieren können.»

Spürt Damian Surber schon, was der Trend für die Fasnacht 2017 sein könnte? «Steampunk-Stil aus den 80er-Jahren», vermutet er. «Und vielleicht Kostüme aus der Gotic-Szene und Piraten-Sujets.» Aber manchmal entwickle sich eine überraschende Eigendynamik. «Ein Blockbuster kann plötzlich einen neuen Trend setzen.»

Hannes Bucherstadt@luzernerzeitung.ch


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