Die grosse Rückkehr der Älpler

SCHÜPFHEIM ⋅ Farbenfrohe, fröhliche Volksfeststimmung: 12 000 Besucher lockte die 13. Alpabfahrt an. Einige kamen gar aus dem Ausland ins Entlebuch.

25. September 2016, 05:00

«Ächt Äntlebuech» lautete das Fest­motto des Zentralschweizerischen Jodlerfestes, das im Juni in Schüpfheim stattgefunden hat. Dieses Motto war auch gestern Programm, als anlässlich der 13. Entlebucher Alpabfahrt die Älplerfamilien mit ihrem Vieh in ihre Tal­liegenschaften zurückkehrten. 250 Tiere von sieben Alpbetrieben, festlich geschmückt und mit schweren Trychle um den Hals, zogen unter grossem Applaus in Schüpfheim ein.

Die meisten, Vieh und Älpler, hatten bereits mehrere Stunden Marschzeit in den Beinen. Bereits eine Stunde vor dem Einzug ins Dorf Schüpfheim glich das Dorf einer einzigen Festhütte. Es war fast kein Durchkommen mehr. Keine Frage, die Entlebucher Alpabfahrt hat sich zu einem riesigen Event entwickelt. OK-Präsident Bruno Hafner erzählte, dass die erste Alpabfahrt vor 13 Jahren an einem Freitag stattfand und rund 100 Personen anlockte. Gestern waren es 12 000 Besucher aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland.

Feierlicher Einzug im Dorf. Mit Jodelgesang, Jagdhorngebläse und Alphörnern werden die Familien und ihr reich geschmücktes Vieh begrüsst, die von der Alp abgezogen sind.

Unter den vielen Besuchern auch Annie Lahuis aus Holland. Sie kam zusammen mit ihrem in Schaffhausen wohnhaften Sohn Ferdinand Hoekstra. «Das ist Swissness pur», sagte dieser und verriet, dass er in Schaffhausen von der Alpabfahrt in Schüpfheim gelesen habe. Er findet es gut, dass Traditionen wie diese weitergelebt werden. Die Begeisterung seiner Mutter indes kannte keine Grenzen. Dieser gefielen die farbenfrohen Trachten und die traditionelle Musik wie Jodelgesang und Alphornblasen, die Berge sowie der feine Alpkäse. Sie fühlte sich sichtlich wohl. «Ich komme nächstes Jahr wieder», versprach die Holländerin. Den 23. September 2017 habe sie sich bereits vorgemerkt.

Eine Pause von der anstrengenden Session in Bern gönnte sich FDP-Nationalrat Albert Vitali aus Oberkirch. Als aktiver Jodler des Jodlerklubs Oberkirch und Präsident der IG Volkskultur Schweiz erfreute er sich am gelebten Brauchtum. Es sei wunderbar, wie viele junge Leute hier seien und diese Traditionen pflegten. Man spüre, dass die Bauernfamilien das Ganze mit grosser Freude machen.

Käse ist nicht gleich Käse

Für Bruno Hafner war gestern Premiere. Er stand erstmals der Alpabfahrt als OK-Präsident vor. Er zog am frühen Nachmittag eine positive Bilanz ohne nennenswerte Zwischenfälle. «Lauter zufriedene Leute, was wollen wir noch mehr?» Ziel des Organisationskomitees sei nach wie vor, dass die Alpabfahrt nicht zu einer Chilbi beziehungsweise zu einem Warenmarkt verkomme. «Bei den Markständen achten wir darauf, dass ausschliesslich regionale Produkte verkauft werden, dazu gehört selbstverständlich auch das traditionelle Handwerk», betont Hafner. Für ihn ist eine Alpabfahrt dann gut, wenn Vieh und Älpler gesund von ihren Alpen heimkehren. Das Budget der Alpabfahrt beläuft sich inzwischen auf 10 000 Franken. Seit Jahren wird zur Deckung der Kosten eine Alpabfahrt-Plakette für fünf Franken verkauft. Jedes Jahr wird eine andere Alp auf der Plakette vorgestellt. Die im Jahr 2010 gestartete Serie zeigt heuer die Alp Mittler Farnere in Schüpfheim und ist der Familie Felder gewidmet.

Am Markstand der Alp Schlacht, Sörenberg, verkaufte Stefan Epp Alpkäse von der gleichnamigen Alp. Als früherer Besitzer der Alp wusste er viel zu erzählen: So würden auf der Alp Schlacht rund 38 Kühe und gleich viel Jungvieh gesömmert. Käse ist nicht gleich Käse: Stefan Epp verriet, dass man erkenne, welcher Käse von welcher Alp stamme. Der geschmackliche Unterschied ergebe sich in erster Linie durch die Kräuter, welche die Kühe mit dem Gras assen. Während des Sommers würden auf der Alp Schlacht rund 90 000 Liter Milch zu 9 Tonnen Käse verarbeitet. Die Alp Schlacht ist die älteste Alp im Kanton Luzern und wird von Reto Vogel bewirtschaftet.

In der Jodlerstube des Jodlerklubs Schüpfheim herrschte bereits am frühen Vormittag Hochbetrieb. Insider wissen es: Jodlerfreunde aus der ganzen Schweiz treffen sich dort. Was vor 13 Jahren bescheiden mit einem Barwagen begann, ist heute ein grosses Festzelt, das rund 300 Personen Platz bietet.

Von Anfang an dabei ist Bernadette Roos-Stadelmann. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Familie, Freunden und Mitgliedern des Jodlerklubs Schüpfheim, deren Dirigentin sie ist. Bevor kurz nach Mittag der Beichle-Jutz von den teilnehmenden sechs Jodlerklubs ertönte, wurde es politisch. «Unsere Hymne werden wir bestimmt nicht ändern», verkündete der Speaker. Der Beichle-Jutz von Franz Stadelmann wird oft auch als Entlebucher-Hymne bezeichnet.

www. Weitere Impressionen finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bilder

Monika van de Giessenredaktion@zentralschweizamsonntag.ch


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