Die letzten Tage des Silberlädelis

STADT LUZERN ⋅ In der Luzerner Altstadt schliesst ein weiteres Traditionsgeschäft. Der Konkurrenzkampf in der Schmuckbranche sei zuletzt härter geworden, sagen die Betreiber.
16. März 2017, 05:00

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Die roten Werbebanner mit der Aufschrift «Total-Liquidation» fallen einem von weitem ins Auge. Auffällig viele Kunden tummeln sich im Ladenlokal an der Gerbergasse 7 in der Luzerner Altstadt, um ein letztes Schnäppchen zu ergattern. Der endgültige Ausverkauf im Silberlädeli ist in vollem Gang. Vor knapp zwei Wochen wurde der Preis aller Schmuckstücke auf die Hälfte reduziert.

Den darauffolgenden Kundenansturm hätte sich Mitinhaberin Irene Stutz nicht träumen lassen: «Wir wurden total überrannt. Verglichen mit einem normalen Tag verkauften wir etwa das Zehnfache», sagt sie und schüttelt immer noch ungläubig den Kopf über den Erfolg.

Ausverkauf dauert noch bis 31. Mai

Der Ausverkauf dauert noch bis zum 31. Mai; dann schliesst das Silberlädeli nach 40 Jahren definitiv seine Türen. Der Grund dafür scheint auf den ersten Blick simpel: Die Inhaber, das Ehepaar Irene (65) und Peter Stutz (69), gehen Ende Jahr in Pension. Ihnen gehört auch der Laden Goldschmied Stutz schräg gegenüber. Dieser bleibt jedoch bestehen: Mit Schwiegersohn Philipp Stutz haben sie einen Nachfolger gefunden.

Dass dieser gleichzeitig das Silberlädeli weiterführe, sei keine Option gewesen. Irene Stutz: «Das wäre extrem aufwendig, und das wollte er auch nicht.» Dass das Ehepaar Stutz keinen Nachfolger für das Silberlädeli suchte, zeigt auch den wirtschaftlichen Aspekt der Schliessung: Ein reines Silberschmuck-Fachgeschäft rentiere heutzutage einfach nicht mehr, sagt Irene Stutz: «Jede Boutique und etliche andere Geschäfte verkaufen mittlerweile ebenfalls Schmuck – häufig natürlich Massenware.»

«Schmuck hat nicht mehr den gleichen Stellenwert»

Entsprechend habe sich das Kaufverhalten der Leute geändert: «Schmuck hat heute nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher.» Ob es sich um Gold, Silber oder Modeschmuck handle, sei vor allem jungen Leuten nicht wichtig: «Hauptsache, es schmückt.»

Das Ladenlokal wird das Ehepaar Stutz weiterhin zur Miete behalten. Was damit geschieht, sei noch nicht ganz klar. Zuerst wird es wohl als Zwischennutzung für den Goldschmied-Laden dienen, der leicht umgebaut wird. Dazu soll auch das Silberlädeli-Lokal teilweise umgebaut werden. Ganz vor Wehmut gefeit ist Irene Stutz kurz vor der Schliessung dann doch nicht. «Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge, wie man so schön sagt.» Das lachende könne sich nun nämlich auf eine längere Reise freuen, die wegen der Arbeit bisher nicht möglich gewesen sei.


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