Diese Kirche wird auch für Konzerte geöffnet

HOHENRAIN ⋅ Während vier Jahren wurde die Johanneskirche restauriert. Auch ein über 100-jähriger Taufstein hat einen neuen Platz gefunden. Und: Im «neuen» Gotteshaus soll künftig mehr Leben einkehren.

02. Dezember 2016, 05:00

Die Restaurierungsarbeiten befinden sich auf der Zielgeraden. Doch bereits jetzt stellt Marie-Theres Habermacher, Rektorin des Heilpädagogischen Zentrums in Hohenrain, fest: «Die Veränderungen sind im Gegensatz zur alten Form augenfällig.» Während einer vierjährigen Planungs- und Umsetzungsphase wurde das Gotteshaus aussen und innen restauriert.

Pünktlich zum 2. Advent übergibt Bischof Felix Gmür am Sonntag im Rahmen eines feierlichen Weihefestes die 180 Besuchern Platz bietende Johanneskirche neu ihrer Bestimmung. Das Gotteshaus ist in eine in weiten Teilen noch aus mittelalterlichen Bauten bestehende Gebäudegruppe eingebettet. Dazu gehören neben der Kirche auch der Turm Roten, das Pächter- und Pfarrhaus oder das Heilpädagogische Zentrum (HPZ).

Verschmutzung als grosse Herausforderung

Innen wie aussen wies die Kirche starke Verschmutzungen auf. Diese waren vor allem darauf zurückzuführen, dass bei der letzten Restaurierung 1969/70 die Innenwände mit einem Kunststoffputz überzogen worden waren. Doch das sei damals der neuste Stand der Technik gewesen, sagt der zuständige Architekt Daniel Schumacher von den Tripol Architekten, Luzern. Heute weiss man aber: Der Kunststoffputz dichtet die Wandoberfläche ab und verhindert jegliche Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe. Deshalb bildet sich auf der Wandoberfläche Kondenswasser. Daran blieb der Kerzenruss hängen.

«Dieses Thema galt es in den Griff zu bekommen», betont der Architekt. Das Problem bedingte, dass der Sockelbereich der Wände bis zum Bruchsteinmauerwerk freigelegt und mit einem neuen Putzaufbau erstellt werden musste, der die Feuchtigkeit im Mauerwerk an die Oberfläche wandern und verdunsten lässt.

Im Innenraum wurden das Gewölbe und die Wände mit den gelb-grauen Stuckaturen aufgefrischt. Weil die Reinigung die Entfernung der Kirchenbänke erforderte, wurden sie zugleich wieder in Stand gestellt und gebeizt. An den Wänden hängen sechs neu entworfene LED-Leuchten. Sie zeigen eine stimmige Symbiose zwischen Moderne und barocker respektive Rokoko-Ausstattung. Neu steht ein Taufstein aus dem Jahr 1899 in der Johanneskirche. Ihn entdeckte man zufällig vor der Restaurierung im Keller des HPZ. Weiter wurde die Orgel gereinigt und einer Generalrevision unterzogen. Bei der neu gestalteten liturgischen Ausstattung mit Altar, Ambo und Osterkerzenstock nahm man barocke Elemente auf und spielte mit Licht und Schatten. Sie ist das eigentliche Herzstück der Arbeiten.

Glockenschläge aufeinander abgestimmt

Die ältesten Mauerpartien der Johanniterkirche gehen zurück auf die Zeit um 1200. Das Schiff und der Turm stammen von 1550. Von 1850 bis 1873 gab es verschiedene Renovationsetappen. 1879 wurde die Kirche für knapp 65 000 Franken an die Kirchgemeinde Hohenrain verkauft, die sie 1899 erweiterte und renovierte. Seit 1963 gehört die Johanneskirche dem Kanton. 1966 wurde in Hohenrain ein weiteres Gotteshaus eingeweiht. Dieses befindet sich im Besitz der Katholischen Kirchgemeinde. Interessant ist, dass die Glockenschläge beider Kirchen so aufeinander abgestimmt sind, dass sie jeweils kurz aufeinander ertönen.

Die Kosten für die Aussen- und Innenrestaurierung der Johanneskirche betragen 1,875 Millionen Franken. Daniel Schumacher spricht, vor allem mit Blick auf die Aussenwände, von einer «bautechnisch tief greifenden Restaurierung, deren Resultat sich jedoch sanft abzeichnet».

Für die in neuem Glanz daherkommende Kirche wünscht sich Marie-Theres Habermacher, dass das Gotteshaus künftig neben Heirat und Taufe für Konzerte oder Lesungen geöffnet wird. Ab dem 5. Dezember kann jedermann von Montag bis Freitag zwischen 7 Uhr und 7.45 Uhr die «Stille im Advent» mit vielen Lichtern geniessen.

Hinweis

Die Altar- und Orgelweihe in der Johanneskirche (HPZ Hohenrain) findet am Sonntag, 10.30 Uhr, statt.

Ernesto Piazza


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