Diesen Parteien drohen Sitzverluste

KRIENS ⋅ Mehrere Jungparteien dürften am 1. Mai aus dem Krienser Einwohnerrat ausscheiden. Grund dafür ist aber nicht nur dessen Verkleinerung.

19. März 2016, 05:00

Christian Glaus

Am 1. Mai wählen die Krienser für die 36 Einwohnerräte 30 Nachfolger. Das Parlament wird verkleinert, nachdem die Bevölkerung am 8. März 2015 dazu knapp Ja gesagt hat. Seither sind die Parteien, allen voran die Jungpolitiker, am Rechnen. Wer fliegt wohl aus dem Rat, wer kann bleiben?

Wäre der Einwohnerrat bereits vor vier Jahren verkleinert worden, hätten vor allem die Jungparteien verloren. Dies zeigen Berechnungen, die Olivier Dolder von Interface Politikstudien in Luzern für unsere Zeitung gemacht hat. Juso und Junge Grüne hätten den Einzug in den Einwohnerrat verpasst. Auch Mara Dalla Bona, die als Jungpolitikerin auf der FDP-Liste antrat, wäre nicht gewählt worden.

Überraschung bei der CVP

Bei der CVP hätte es eine Überraschung gegeben. Mutter- und Jungpartei kämen gemeinsam auf 7 Sitze (–2). Daniel Piazza, der für die JCVP kandidierte, hätte die Wahl aber geschafft. Die Mutterpartei hätte zwei Sitze verloren. Gewählt worden wäre zudem Pascal Meyer. Der heute 26-Jährige ist zwar Jungpolitiker, trat aber für die GLP an, da diese keine Jungsektion hat. Heute sitzt für ihn der 40-jährige Leo Sigg im Rat. Fazit: Von den fünf Jungpolitikern hätten bei einem 30-köpfigen Einwohnerrat nur zwei die Wahl geschafft.

Aufgrund der Sitzverteilung wären die Linken etwas stärker als heute. Doch das Ergebnis der letzten Wahlen lässt sich nicht auf die anstehenden Wahlen vom 1. Mai übertragen. Profitierten 2012 die Grünen von einer grünen Welle, wählt die Bevölkerung heute wieder bürgerlicher. Dies zeigte sich letztes Jahr bei den eidgenössischen und den kantonalen Wahlen. Was die Jungparteien betrifft, wagt Olivier Dolder eine Prognose: «Die Voraussetzungen sind gut, dass die Junge CVP ihren Sitz halten kann. 2012 war sie nicht weit von einem zweiten Sitz entfernt, sie hat also eine gewisse Reserve.» Ein Nachteil sei aber, dass Zugpferd Daniel Piazza nicht mehr antritt. «Er hat 2012 sehr viele Stimmen erhalten», sagt Dolder.

Juso dürften ihren Sitz verlieren

Die Juso hätten ihren Sitz gemäss Dolders Berechnungen nur knapp verloren. Dass sie nach den Wahlen immer noch im Einwohnerrat vertreten sind, scheint aber unrealistisch. Erstens, weil die Partei ihre Liste nicht füllen konnte und zweitens, weil der bisherige Juso-Einwohnerrat Yasikaran Manoharan nun für die SP antritt.

Gleiches trifft auf die Grünen zu. Auch deren Liste ist halb leer. Raoul Niederberger, der für Fabian Takacs (nach Luzern gezogen) nachgerutscht ist, tritt nun für die Grünen an. «Juso und Junge Grüne sind nun schwächer aufgestellt als vor vier Jahren», so der Politologe. Yasikaran Manoharan begründet seine Kandidatur für die Mutterpartei mit seinem Alter. «Ich werde im November 28. Das Ziel der Juso ist es, rasch Jüngere im Alter von 18 bis 25 Jahren nachzuziehen.» Bei den Juso komme es daher auch nicht in Frage, dass ein über 30-Jähriger für die Jungpartei kandidiere, so Manoharan weiter. Er zielt damit direkt auf Davide Piras. Der 34-Jährige ist das Zugpferd auf der Liste der Jungen CVP. Als weiteren Grund für seine SP-Kandidatur sagt Manoharan, dass er Lust habe, weiterzumachen. «Die Chance, wiedergewählt zu werden, ist auf der SP-Liste höher.»

Dennoch will er als Juso-Wahlkampfleiter nicht ausschliessen, dass die Jungpartei ihren Sitz verteidigen kann. «Um den Sitz halten zu können, brauchen wir aber bis zu 30 Prozent mehr Stimmen.» Dass auf der Juso-Liste für die kommenden Wahlen nur sieben Namen stehen (vor vier Jahren 13), begründet Manoharan unter anderem mit der Verkleinerung des Einwohnerrats. «Dadurch wurde ein Signal ausgesendet, dass man an Jungpolitikern nicht interessiert ist.» Es seien weniger Leute an der lokalen Politik interessiert als vor vier Jahren.

Grüne Kriens vor Auflösung?

Ähnlich erleben dies die Jungen Grünen. Die Partei ist von argen Nachwuchssorgen geplagt, wie deren Präsident Raoul Niederberger sagt. «Nach den Wahlen werden wir schauen, ob es überhaupt Sinn macht, die Jungen Grünen als eigene Ortsgruppe weiterzuführen.» Man habe schlicht zu wenig aktive Mitglieder. Niederberger begründet dies einerseits damit, dass junge Leute noch weniger sesshaft sind. «Andererseits ist es viel weniger attraktiv, zu kandidieren. Die Chance auf einen Sitz im Einwohnerrat ist extrem klein.» Dies sei auch der Grund, weshalb er und Gian Waldvogel, ein weiterer grüner Jungpolitiker, auf der Liste der Mutterpartei aufgeführt sind. «Das war eine taktische Entscheidung, um den vierten Grünen Sitz zu verteidigen.»

JCVP: «Jetzt erst recht»

Der Volksentscheid, den Einwohnerrat zu verkleinern, sei auch für die Junge CVP ein Schock gewesen, sagt deren Präsident Michael Krummenacher. «Wir haben uns dann aber gesagt ‹jetzt erst recht› und sind nun mit 15 Kandidaten hervorragend aufgestellt.» Dass die JCVP im Gegensatz zu den anderen Jungparteien keine Mühe hatte, ihre Liste zu füllen, erklärt Krummenacher mit der langen Geschichte der Partei: «Seit 33 Jahren politisieren wir sehr aktiv im Einwohnerrat. Wir verfügen auch über einen engagierten Vorstand, der es schafft, Jugendliche für die Politik zu motivieren.»

Einen kleinen Erfolg kann die Junge SVP verzeichnen, die erstmals mit einer eigenen Liste antritt. Da diese nur fünf Kandidaten enthält, ist der Einzug in den Einwohnerrat aber kaum realistisch.

Dass die Jungparteien vor allem wegen der Verkleinerung des Einwohnerrats Mühe haben, ihre Listen zu füllen, glaubt Politologe Olivier Dolder nicht. «Die Aussage, dass die Verkleinerung des Einwohnerrats ihnen das Genick gebrochen habe, stimmt nicht.» Es könne auch immer etwas Pech mitspielen. Beispielsweise wenn motivierte Bisherige wegziehen, so wie etwa Fabian Takacs. Oder Yanik Kloter, der sich zu Gunsten seiner Hockeykarriere aus dem Einwohnerrat zurückgezogen hat. «Fakt ist aber auch: Die Jungparteien haben es verpasst, sich im Hinblick auf die Wahlen aufzustellen», so Dolders Fazit.


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