Ebikoner geben Widerstand gegen Fahrleitungen auf

TROLLEYBUS ⋅ Die Verlängerung der Linie 1 zur Mall of Switzerland ist auf Kurs. Die bürgerlichen Parteien wollen das Projekt nicht blockieren. Für sie bleibt aber ein fader Beigeschmack.
11. November 2016, 05:00

Ab 2019 fahren sie auch durch Ebikon – die Trolleybusse der Linie 1. Diese soll dann von Kriens bis zur Mall of Switzerland führen. Der Ausbau kostet rund 13 Millionen Franken. Nötig sind auch Fahrleitungen und rund 250 Masten. Bauherr ist der Kanton Luzern, die Mall of Switzerland beteiligt sich mit 1,5 Millionen Franken an den Kosten.

Der Gemeinderat Ebikon befürwortet die Pläne. Diese stossen in Ebikon dennoch auf Widerstand. Zuletzt verfassten CVP, FDP und SVP einen offenen Brief, in dem sie forderten, dass die Projektverantwortlichen nochmals alternative Technologien zum Trolleybus prüfen (Ausgabe vom 11. Oktober). Diese Parteien stellen auch die Mehrheit im Gemeinderat. Sie schlugen vor, das Projekt der Elektrifizierung durch Oberleitungen zu sistieren. Eine Alternative wäre das Tosa-System, das ab 2018 in Genf eingeführt wird. Dieses sieht vor, dass Busse mit Batterien betrieben werden, die an den Haltestellen aufgeladen werden.

Inzwischen hat der Wind jedoch gedreht. Wie unsere Zeitung weiss, fand Ende Oktober ein Treffen mit Vertretern der Parteien, der Gemeinde, der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) und des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) statt. Es bestand die Möglichkeit, «Bedenken und Erwartungen in die Diskussion einzubringen», sagt Othmar Som, Präsident CVP Ebikon. Die Chance, dass auf den Bau der Fahrleitungen verzichtet wird, schätzt er jedoch als gering ein. Die CVP werde aber nicht mehr intervenieren. Man wolle «das Gesamtprojekt nicht gefährden», so Som. Schliesslich sei unbestritten, dass der ÖV in Ebikon schnell ausgebaut werden müsse.

«Unternehmen können wir nichts mehr, es ist beschlossene Sache», sagt auch Stefan Bühler, Präsident der SVP. Ähnlich tönt es bei der FDP. «Wir haben es zwar noch nicht im Vorstand besprochen. Ich gehe aber davon aus, dass wir keinen Widerstand mehr gegen die Trolleybusverlängerung leisten werden», sagt Präsident René Friedrich. Das Projekt sei bereits zu weit fortgeschritten. «Es bleibt aber ein fader Nachgeschmack. Die Parteien und die Bevölkerung wurden beim Projekt zu wenig mit einbezogen.» Das sehen auch Othmar Som und Stefan Bühler so. Es gebe aber ein «Trostpflaster», so Som. In wenigen Jahren werde das Tosa-System auf einer anderen Linie getestet. «Hier bin ich überzeugt, dass dies ohne unseren Druck noch nicht so weit wäre.»

Nur kompatibles System kommt in Frage

Vom VVL sei das Gespräch als «sehr wertvoll» empfunden worden, sagt Sprecher Christoph Zurflüh auf Anfrage. «Wir konnten auf viele Unklarheiten eingehen.» Das Anliegen der Parteien, die alternativen Technologien nochmals zu prüfen, sei aber hinfällig. «Die Prüfung hat bereits im Vorfeld zum Auflageprojekt stattgefunden», so Zurflüh. Zahlreiche Gründe sprächen gegen die drei zusätzlich geprüften Systeme. Sie seien nicht betriebserprobt, nicht serienreif bestellbar und nicht kompatibel mit dem bestehenden Trolleybussystem. Den Vorwurf, dass Parteien und Bevölkerung zu wenig mitreden konnten, lässt er nicht gelten: «Ein Projekt dieser Grössenordnung hat eine lange Vorlaufzeit. Währenddessen konnten die Parteien, Politiker und Interessenverbände immer wieder Stellung nehmen.»

Eine Möglichkeit für ein alternatives System sieht der VVL bei der Linie 3, die vom Würzenbach nach Littau führen wird, denn zwischen Kreuzstutz und Littau existieren keine Fahrleitungen. Dort wird allerdings nur untersucht, ob mit dem beste­henden System abschnittweise fahrleitungslos gefahren werden kann. «Geplant ist keine Einführung eines nicht kompatiblen neuen Systems», sagt Zurflüh. «Bei der Linie 3 untersuchen wir, was Batterien in Trolleybussen dereinst leisten können. Resultate erwarten wir Ende 2017.» Die Linie 3 soll bis 2022 realisiert werden.

Stefan Dähler


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