Er ist Feuer und Flamme für das Theater

SURSEE ⋅ Eventtechniker Fynn Bolliger (27) hat schon unzählige, auch ehrenamtliche, Stunden am Stadttheater verbracht. Bei der neusten Produktion, der Operette «Boccaccio», soll es eine ganz spezielle Inszenierung geben.
12. Januar 2018, 04:39

Fynn Bolliger atmet auf. Mit viel Druck auf dem Gaspedal seien die baulichen Arbeiten fertig geworden, sagt der technische Leiter beim Stadttheater Sursee. Der morgigen Premiere der Operette «Boccaccio» von Franz von Suppé steht nichts mehr im Wege. Bis es jedoch so weit war, brauchte der 27-jährige Eventtechniker aus Sursee zeitweise ein robustes Nervenkostüm. Denn im Sommer war aus privaten Gründen erst der Bühnenplaner, später krankheitshalber auch der Bühnenmaler ausgefallen. «Die letzten Monate waren eine echte Her­ausforderung», betont der gelernte Elektriker.

So mussten Arbeiten auch extern vergeben werden. Erst diese Woche traf das dritte und letzte Bühnenbild in Sursee ein, benötigte aber vor Ort noch den finalen Schliff. Dazu kam, dass der Regisseur dem im mittelalterlichen Florenz spielenden Stück einen Hauch Moderne vermitteln wollte. Pyrotechniker Bolliger erklärt: «Auf der Bühne wird ebenfalls eine Fackel brennen, und aus einer Feuerschale des Bücherwagens zischen Flammen.» Regie führt einmal mehr Björn B. Bugiel. Er verfasste für die Aufführungen in Sursee sogar eine eigene Dialogversion.

Schon früh von der Technik begeistert

Seit 2014 arbeitet Bolliger in einem 35-Prozent-Pensum beim Stadttheater. Mehr noch: «Die Lokalitäten sind mein zweites Zuhause.» Sein Vater sang im Chor, seine Mutter spielte ebenfalls auf der Surseer Bühne. Bereits in jungen Jahren war er oft dort anzutreffen, schliesslich wohnt er nur einen Steinwurf entfernt von den Räumlichkeiten. Früher packte er für das Kulturhaus Sponsorenbriefe in Couverts. Nach dem Theaterumbau im Jahr 2000 verkaufte Fynn Bolliger Programme, wies Plätze an.

Die Technik faszinierte ihn früh. Es folgten erste Beleuchtungskurse fürs Theater. Immer mehr wurde der Lichtdesigner zu einer festen Grösse beim Stadttheater. Das ging so weit, dass er während der Lehrzeit sogar die Klasse wechseln durfte. Denn der Freitag als ursprünglicher Schultag war jeweils Gastspieltag. Mit dem jetzigen Betriebsleiter Jost Meyerhans habe er «viel getüftelt», sei oft nächtelang im Theater anzutreffen gewesen, um dann um 5 Uhr morgens schnell zu Hause zu duschen und an die Arbeit zu fahren. Später bildete sich Bolliger auch in der Tontechnik und zum Videoproduzenten weiter. Speziell fasziniert ist er «von den Möglichkeiten, welche die Digitalisierung bietet, wie man Licht und Bild zusammenbringt».

Anfang Jahr hat Fynn Bolliger sich selbstständig gemacht. Das zweite berufliche Standbein lebt er hauptsächlich im Ausland aus. Begonnen hatte dies 2013 mit einem einjährigen Aufenthalt in Kreta. Dort war er in einer Ferienresidenz primär für die Technik eines 800 Plätze fassenden Amphitheaters verantwortlich. In dieser Funktion reiste er schon nach Tunesien, auf die Malediven oder nach Portugal. Dort hat er beispielsweise «Tanz der Vampire» programmiert. Fynn Bolliger ist auch oft als Trainer oder Schulungsleiter unterwegs. Er sagt: «Ich habe viel Abwechslung, verliere dadurch auch die Freude an der Arbeit nicht.» Der Surseer ist dankbar dafür, dass er das Hobby zum Beruf machen konnte.

Sicherheit geniesst oberste Priorität

Die ursprüngliche Idee des Regisseurs Bugiel, dass bei «Bocca­ccio» das Bühnenbild brennt, «mussten wir zwar fallenlassen», sagt Bolliger. Die feuerpolizei­lichen Auflagen wären zu gross gewesen. Unter anderem hätten zwei Feuerwehrleute vor Ort auf Pikett stehen müssen. Dies wäre letztlich zu teuer gewesen.

Aber auch so präsentiert sich die abgespeckte Version noch aufwendig, denn alle Kostüme mussten imprägniert werden. Feuerlöscher und Feuerwache sind während der Vorführungen immer einsatzbereit. Das Ensemble, das Orchester, die Platzanweiser: Alle wurden an sechs Schulungstagen auf mögliche Ereignisse vorbereitet. «Sorgen müssen sich die Besucher wegen des Spektakels also keine machen», betont Bolliger. «Alles läuft kontrolliert ab.»

Der Beleuchtungsspezialist kann sich also vollumfänglich auf seinen Job konzentrieren. Besonders herausfordernd für das Licht seien beim Stück «Boccaccio» die vielen Positionswechsel. «Die Standardscheinwerfer hätten dazu nicht genügt», sagt er. Deshalb versucht er noch «mit privaten Utensilien das Optimum herauszuholen». Eine grosse Portion Perfektionismus schwingt in seinen Worten mit. Denn irgendwie ist es auch «sein Theater». Bei den vielen Auslandaufenthalten bietet es ihm stets eine will­kommene Rückzugsmöglichkeit. «Hier fühle ich mich daheim.»
 

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch


Hinweis: Weitere Infos zu «Boccaccio» und den Aufführungen unter: www.stadttheater-sursee.ch.


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