Es fehlt ein adäquater Inseli-Ersatz

CARPARKPLÄTZE ⋅ Das städtische Parkierungskonzept sorgt bei den hiesigen Carunternehmen für Kopfschütteln. Und auch die Schifffahrtsgesellschaft übt Kritik.
18. April 2017, 08:47

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Das Stadtluzerner Carparkierungskonzept sorgt nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei Reiseanbietern für Ärger. «Die Branche der Carunternehmen macht sich Sorgen über ihr Image», sagt etwa Brigitte Hegg­li, Inhaberin der gleichnamigen Krienser Reise- und Transportunternehmung und Vertreterin der Carbranche im Vorstand des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands (Astag). Wenn über Cars berichtet werde, dann oft als «stinkende, lärmende Objekte», die nur für Chaos und verstopfte Strassen sorgen. Dabei sei ein Reisebus eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel überhaupt, sagt Heggli und fügt an: «Es braucht ganz klar ein Grossprojekt, welches entlastet. Doch was die Stadt jetzt macht, ist eine reine Pflästerlipolitik ohne nachhaltige Wirkung.»

Wieso hat die Politik nicht den Mut, «etwas wirklich Grosses» in Angriff zu nehmen, wie etwa das Parkhaus Musegg?, fragt Brigitte Heggli. «Schade, das Parkhaus hätte nur Vorteile gehabt: Es ist stadtnah und doch an der Peripherie, und der Autobahnanschluss ist auch in unmittelbarer Nähe.» Auch für Stadtluzerner Reisegruppen wie Schulen, Vereine und Firmen wäre dies ein idealer Abfahrtsort, ist Heggli überzeugt.

Derselben Meinung ist auch Marco Gössi, Inhaber des gleichnamigen Carunternehmens mit Sitz in Horw und Präsident von Car Tourisme Suisse, Sektion Zentralschweiz: «Es ist absolut notwendig, dass die Planung um das Museggparkhaus wieder aufgenommen wird. Auch für Busse, die mit Touristen nach Luzern kommen, wäre dies die perfekte Lösung.»

Touristen seien für die Stadt wichtig, hängen doch Hunderte von Arbeitsplätzen vom Gruppentourismus ab, meint Brigitte Hegg­li weiter und betont: «Für einen Carparkplatz mit der nötigen Infrastruktur kann man auch entsprechende Gebühren verlangen, wie dies im Ausland oder in anderen Schweizer Städten bereits üblich ist.» Läge die Tagespauschale für Cars bei 100 Franken, dann würde dies pro Gast zwei, drei Franken ausmachen. «Mit solch moderatem Aufschlag kommt kein Tourist weniger.»

Dagegen begrüsst Heggli, dass der Ausbau an Carparkplätzen im Brüelmoos gescheitert ist: «Das war für niemanden eine Lösung, denn alle Busse müssten mehrmals durch die Stadt fahren.» Auch Gössi konnte dem inzwischen gescheiterten Ansinnen, im Brüelmoos die Zahl der Carparkplätze zu erhöhen, nichts Positives abgewinnen: «Den Standort Brüelmoos wie auch das Verkehrshaus muss man auch aus verkehrstechnischen Gründen hinterfragen. Wir könnten unseren Kunden nie zumuten, unsere Abfahrten ab diesen Standorten anzubieten. In Stosszeiten hätte man wohl gegen 45 Minuten, bis man zur Stadt raus ist.»

Angst vor Konkurrenz in Interlaken oder Genf

Skepsis äussert Gössi zudem zum Vorhaben, das Inseli carfrei zu gestalten: «Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie sich die Stadt Luzern verhält. Man möchte das Inseli für Cars schliessen, ohne dass man einen Realersatz bieten kann.»

Doch nicht nur die hiesigen Carfirmen ärgern sich über die Pläne beim Inseli. «Es gibt keine Notwendigkeit, ein funktionierendes Parkplatzregime auf dem Inseli aufzuheben, ohne dafür eine mindestens ebenso umsteigelose attraktive Lösung zur Hand zu haben», sagt etwa Werner Lüönd, Marketing- und Verkaufsleiter der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV). Deren Landeplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe des Inselis. «Wir verstehen auch nicht, dass ohne den Einbezug von uns über dieses wichtige Thema debattiert wird.» Dies sei auch der Grund, warum sich die SGV direkt beim Stadtpräsidenten gemeldet habe. Denn die möglichst direkte, einfache und kurze Erschliessung der touristisch bedeutenden Ziele in der Stadt sei ein entscheidender Erfolgsfaktor im hart umkämpften und ebenso wichtigen Gruppengeschäft, betont Lüönd. Dem pflichtet Heggli bei: «Kann nicht zentral ein- und ausgestiegen werden, besteht die Gefahr, dass die Gruppen Luzern nur noch vom Bus aus besichtigen werden und ihre Einkäufe in Interlaken oder Genf tätigen.»


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