Eschenbach kämpft gegen Verkehr

LUZERN ⋅ Der Verkehr soll das Dorfzentrum künftig weniger belasten. Doch obwohl an verschiedenen Fronten gearbeitet wird, brauchen griffige Lösungen Zeit.

07. Oktober 2016, 05:00

16 000 Fahrzeuge durchqueren täglich Eschenbach. Speziell zu den Stosszeiten braucht der mobile Verkehrsteilnehmer viel Geduld. Dann ist die durch das Zentrum führende Seetal-Hauptachse überlastet. Ursache für den Rückstau ist hauptsächlich der Abzweiger Rothenburgstrasse. Im Oberdorf – und somit auch im Dorfzentrum – könnte bald weiterer Verkehr dazukommen. Geplant ist dort eine Überbauung für 30 Millionen Franken. Diese soll neben 50 Wohnungen einen Grossverteiler, ein Ärztezentrum und Dienstleistungsangebote beinhalten. Zu- und Wegfahrt zum Parkhaus erfolgen über die Seetalstrasse.

Eschenbach hat also breit gefächerte Verkehrsprobleme (siehe Grafik) zu lösen. Deshalb erstaunt nicht, wenn Gemeindeammann Markus Kronenberg sagt: «Unser Ziel muss sein, dass der Durchgangsverkehr unser Dorf in Zukunft weniger belastet.»

A-14-Teilstück bringt zusätzlichen Verkehr

Am Morgen beginnt das «Stop and Go»-Prozedere von Ballwil kommend bereits einige hundert Meter vor dem Kerngebiet. Am Abend sieht sich der Automobilist – diesmal von Waldibrücke oder Inwil her fahrend – mit derselben Situation konfrontiert. Seit der Inbetriebnahme des Autobahnanschlusses in Buchrain haben sich die Probleme zusätzlich verschärft. Viele Verkehrsteilnehmer – zum Beispiel mit Ziel Rothenburg oder Sempach – versuchen die allabendlichen Staus auf dem A-14-Teilstück von Buchrain bis zum Abzweiger Rotsee so zu umgehen.

Und mit dem Nein zur Talstrasse dürfte sich die Situation für Eschenbach in absehbarer Zeit kaum ändern. Daher verhehlt Kronenberg nicht: «Der Gemeinderat ist nach wie vor für eine Umfahrung des Zentrums.» Dabei könnte er sich sehr gut eine Untertunnelung vorstellen.

Der gordische Knoten sei für Eschenbach noch nicht gelöst, sagt Kronenberg. Daher begrüsse der Gemeinderat die Arbeitsgruppe des Kantons, welche prüfe, wie man den Verkehr auf der bisherigen Infrastruktur besser durchs Seetal bringe. Dafür stünden dem Kanton noch rund 2 Millionen Franken zur Verfügung, so der Gemeindeammann.

Um den Verkehr beim Abzweiger Rothenburgstrasse flüssiger laufen zu lassen, ist ein Knoten für ebenfalls 2 Millionen Franken geplant. Der Endtermin des im kantonalen Bauprogramms 2015–2018 im Topf A aufgeführten Projekts ist für 2018 definiert. Aktuell arbeitet der Kanton an diversen Varianten. Dabei sucht er mit der Denkmalpflege nach einer realisierbaren Lösung. Knackpunkte sind nämlich primär die unter Denkmalschutz stehende Klosteranlage, das schützenswerte «Försterhaus» und das erhaltenswerte Restaurant Löwen. Diese Gebäude befinden sich direkt beim geplanten Knoten. Kronenberg erklärt: «Unser Ziel ist es, die Bevölkerung bis Ende 2016 über den aktuellen Stand zu orientieren.»

«Erschliessungsprojekt ist kompatibel»

Das Projekt Seetalstrasse beinhaltend den Abzweiger Gerligen­strasse, die Zu- und Wegfahrt zum neuen Parkhaus Oberdorf und die Verbreiterung der Seetalstrasse im Bereich der geplanten Überbauung. Dabei handelt es sich um ein «Projekt Dritter» auf einer Kantonsstrasse. Dafür sind rund 700 000 Franken veranschlagt. Diese Kosten teilen sich Gemeinde, Bauherrschaft Oberdorf und Kanton. Die gegen das Projekt eingereichten Einsprachen sind mittlerweile erledigt. Es ging dabei unter anderem um die Gestaltung des Projekts. Als Nächstes folgen die Verhandlungen für den Landerwerb von rund 200 Quadratmeter, davon entfallen etwa 90 Quadratmeter auf Fremde.

Bei einer Lösung der Zu- und Wegfahrt über die Seetalstrasse seien die Planer überzeugt, dass sie keinen grossen Einfluss auf den im Dorf bestehenden Verkehr hätten, erklärt Kronenberg. Und Beat Burkard, Geschäftsführer der Team Burkard AG, sagt als Vertreter der Oberdorf-Investoren: «Unser Erschliessungsprojekt mit Zu- und Wegfahrt ist mit allen Variantenüberlegungen des Kantons beim Knoten Rothenburgstrasse kompatibel.»

Im Zusammenhang mit der Verbreiterung der Seetalstrasse sind neu ein Mittelfunktionsstreifen, eine Bushaltestelle für den Trans-Seetal-Express von Hochdorf nach Rotkreuz, eine Anpassung des Trottoirs und ein Radstreifen vorgesehen. Beim Oberdorf soll im Herbst 2017 begonnen werden. Die Fertigstellung der Überbauung ist für Ende 2019/Anfang 2020 geplant. Parallel dazu will man die Strassenprojekte realisieren.

Ernesto Piazza


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