«Eschenbach lebt nicht mehr»

LADENSTERBEN ⋅ Drogerie zu, Bäckerei zu, Metzgerei macht nur noch Lieferservice – Eschenbach verliert zunehmend an Identität. Zwei Grossprojekte sollen Gegensteuer geben.

23. Juli 2014, 08:30

Es regnet, Gemeindepräsident Guido Portmann spaziert durch Eschenbach, vom Ober- ins Unterdorf. Vorbei am Restaurant Rössli, das den Betrieb vor drei Jahren einstellte. Vorbei an der Bäckerei Stadelmann, die in diesem Frühjahr schloss. Weiter zur Drogerie Jufer, seit Ende 2013 leer stehend. Nicht weit entfernt befindet sich die Metzgerei Müller, die vor einem Jahr den Laden zumachte, um sich auf Party- und Lieferservice zu konzentrieren. Auf Immobilien-Webseiten ist derweil zu vernehmen, dass der Raum des Lebensmittelhändlers Spar per 1. Januar 2016 neu vermietet wird. «Das alles ist unbefriedigend», sagt Portmann.

Viele kritische Stimmen

Nicht nur der Gemeindepräsident, auch Bürger des 3600-Einwohner-Dorfes betrachten die Entwicklung mit Unbehagen. «Eschenbach lebt nicht mehr, mit dem sozialen Leben geht es bachab», stellt Rita Anderhub vom Bed & Breakfast Seetal fest. Sie treffe nur noch auf wenige Menschen, die hier einkaufen würden. «Es fehlt auch ein Treffpunkt, wo sich einzelne Personen und Familien mit ihren Kindern einfinden können. Im Dorfkern sind Autos ausgestellt, das wirkt nicht einladend.»

Ähnlich sieht es Werner Buholzer. Der 81-jährige ehemalige Besitzer einer Holzbaufirma bedauert zudem, dass «die jungen Leute nicht mehr bereit sind, lokale Unternehmen weiterzuführen. Ihnen ist der Aufwand zu gross.»

Peter Schmucki, Präsident des Gewerbevereins, stellt fest, dass «wir nicht den Zusammenhalt von früher haben. Aufträge wurden damals eher an einheimische Firmen vergeben.» Adrian Barmet vermisst vermehrt die Innovation. «Firmen, die schliessen müssen, wirtschaften oft schlecht. Sie sind betriebsblind und passen sich nicht den Bedürfnissen der Kunden an.» Barmet ist OK-Präsident des Eschenbacher Fests, das kürzlich Premiere feierte. Mit diesem Anlass will er Eschenbach etwas Identität zurückgeben. «Wenn man sich als aktive Region präsentieren möchte, muss man seinen Anteil ans Leben im Dorf beisteuern. Sonst wird es zur Geisterstadt, wo die Leute nur zum Schlafen hinkommen.»

Migros oder Coop in Eschenbach?

Gemeindepräsident Guido Portmann redet die negativen Eindrücke nicht schön und berichtet sogleich von zwei Grossprojekten, die Eschenbach all das, was es verloren hat, zurückgeben sollen. «Einerseits wollen wir einen Grossisten ins Oberdorf holen», sagt er. Zwischen Gemeindehaus und Polizeiposten sollen ein Einkaufszentrum und Mehrfamilienhäuser entstehen. «Coop oder Migros soll mit einer Filiale den Kern bilden. Auch jeder lokale Gewerbler kann im gleichen Gebäude Ladenfläche erwerben – egal, ob Metzgerei, Bäckerei, Drogerie, Telefonshop oder Papeterie.» Geplant sei zudem eine Tiefgarage, um das Gebiet autofrei zu halten. «Es soll auch Platz zum Flanieren geben.»

Drei Architektenteams haben in einem Studienwettbewerb Projekte ausgearbeitet. «Aktuell verhandeln Grundeigentümer und mögliche Investoren über die Verkaufsbedingungen. Wir sind auf gutem Weg», erklärt Portmann. Sein Wunsch wäre es, das Projekt in fünf Jahren realisiert zu haben. Am 25. August findet eine Veranstaltung statt, an welcher vorab Grundeigentümer, Nachbarschaft und Planer über die Ergebnisse des Studienwettbewerbs informiert werden.

Begegnungszone im Unterdorf

Vorhaben Nummer zwei betrifft das Unterdorf mit den Restaurants Löwen und Rössli. Auch hier seien Gespräche möglicher Investoren mit Eigentümern im Gange. Ein Projekt bestünde noch nicht – sehr wohl aber eine Idee. Portmann hierzu: «Hier, im Festgelände, wollen wir eine Begegnungszone erstellen.» Aus dem «Rössli» könne man viel machen, dahinter wäre im Erdgeschoss der Dorfmühle die Einrichtung eines Pubs denkbar. «Man könnte den Dorfbach öffnen, Wasserspiele einrichten und damit Qualität schaffen, welche die Leute dazu animiert, mit dem Velo oder zu Fuss nach Eschenbach zu kommen.» Ein Spaziergang durch das Dorf wäre dann wohl wieder weitaus erfreulicher.


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