Fall Horn kommt vor Gericht

TÖTUNGSDELIKT ⋅ 2009 wurde der brasilianische Bauernpraktikant Vilmar Horn in Hohenrain auf offener Strasse niedergestochen. Nun wird sich das Kriminalgericht mit den mutmasslichen Tätern befassen.

09. Oktober 2016, 05:00

Auf den ersten Blick scheint dieser Fall nicht allzu komplex. Eine kurze und erfolgreiche Aufarbeitung seitens der Behörden schien anfangs vorgezeichnet, denn folgende Fakten liegen auf dem Tisch: In den frühen Morgenstunden des 8. August 2009 verliessen die zwei Brasilianer Vilmar Horn und sein Kollege Rafael mit ihren Velos das Gelände des Seetaler Barfestivals.

Sie machten sich auf ins Dorfzentrum von Hohenrain. Den ganzen Weg dorthin mochten sie aber nicht in die Pedalen steigen. Also wechselten sie aufs parallel zur Hauptstrasse verlaufende Trottoir und stiessen ihre Zweiräder. Im Dorfkern von Hohenrain kamen die beiden Südamerikaner aber nie an, denn aus der Dunkelheit traten junge Männer hervor und versperrten den beiden Heimkehrern den Weg.

Einer der Verdächtigen verschwand im Ausland

Was dann passierte, schilderte Rafael noch gleichentags gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» mit folgenden Worten: «Es kamen drei junge Männer auf uns zu. Als wir sie kreuzten, zückte einer den Pfefferspray. Ich duckte mich weg und sprang zur Seite. Vilmar blieb stehen. Als ich zu ihm zurückkehrte, drang Blut aus seinem Oberkörper, auf der Höhe des Herzens.»

Der 24-jährige Vilmar Horn sackte zu Boden und verstarb noch am Ort des Verbrechens. Weil einer aus der Tätergruppe Pfefferspray einsetzte, konnte Rafael nicht mit Bestimmtheit sagen, wer von den dreien mit einem spitzen Gegenstand auf Vilmar eingestochen hatte. Kurze Zeit nach der Tat kam es im Zusammenhang dieses Verbrechens zu Festnahmen. In dieser Phase jedoch wurde aus dem auf den ersten Blick relativ einfach zu lösenden Fall eine vertrackte Angelegenheit, denn die teils in U-Haft gesetzten Verdächtigen schoben die Tat auf einen Mann ab, der unmittelbar nach dem Delikt das Weite suchte und im Ausland abtauchte.

Für die Ermittler begann nun die Knochenarbeit. Nach langwierigen und schwierigen Abklärungen gelang es den Strafverfolgern, den von seinen in der Schweiz verbliebenen Kumpanen zum Sündenbock abgestempelten Mann aufzuspüren und zu befragen.

Dem Verbrechen ging eine wüste Schlägerei voraus

Offenbar haben die Behörden nun genügend Fakten zusammengetragen, um die Tötung von Vilmar Horn durch die Justiz beurteilen zu lassen. Die Anklage liegt nun beim Luzerner Kriminalgericht. Dies bestätigt Christian Renggli, stellvertretender Generalsekretär des Luzerner Kantonsgerichts, gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag».

Wie aber konnte es dazu kommen, dass der Brasilianer Vilmar Horn im beschaulichen Hohenrain Opfer eines Verbrechens wurde? Der Brasilianer kam via Agroimpuls in die Schweiz. Mit diesem Programm des Schweizer Bauernverbandes werden Praktikanten aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt an einheimische Bauern vermittelt. Vilmar Horn arbeitete als Praktikant bei einem Landwirt aus Hochdorf.

Wie viele junge Männer und Frauen mischten sich auch die zwei Brasilianer gerne unters Partyvolk, wie zum Beispiel am Seetaler Barfestival. Der Anlass endete für die beiden aber nicht im beschaulichen Rahmen, sondern in einer wüsten Schlägerei. Fakt ist: In den Kampf verwickelt war zumindest auch ein Teil jener jungen Männer, von denen Vilmar Horn später auf offener Strasse angegriffen und schliesslich getötet wurde.

Thomas Heerthomas.heer@luzernerzeitung.ch


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