«Früher war es hier lebendiger»

SEMPACH ⋅ Historische Fotos erzählen vom Leben im Städtchen zwischen 1930 und 1965. Für besonderes Interesse sorgt der mächtige Muni auf der ehemaligen Viehwaage.

17. Oktober 2016, 07:35

Zwei Männer, ein Muni und eine Waage. Sie stehen im Zentrum des Bildes aus dem Jahr 1942 im Sempacher Städtli. Auf diese Weise wurde damals das Schlachtvieh gewogen, bevor es zum Metzger kam. Das Foto ist eines von insgesamt 49, die seit August und noch bis zur Finissage von morgen Dienstag in den Schaufenstern von 21 Geschäften zu sehen sind. Dabei handelt es sich um Zeitdokumente aus dem Alltag Sempachs zwischen 1930 und 1965. «Die Ausstellung stiess in der Bevölkerung auf grosse Begeisterung», berichtet Hubert Lieb, Präsident des Sempacher Museumsvereins. So etwa bei Marie-Theres Helfenstein (86), die seit ihrer Geburt in Sempach lebt. Wie erinnert sie sich an 1942? «Das war während des Krieges. Es hatte viel mehr Lebensmittelgeschäfte. Die Rationierungsmarken waren allgegenwärtig.»

Ausstellung mit einem Hintergedanken

Heute sind die Lebensmittelgeschäfte bis auf eines den Spezialwarenläden gewichen. Dort, wo einst die Viehwaage stand, befinden sich nun Parkplätze, unmittelbar daneben ist die Terrasse des Restaurants Una Storia della vita. Diese Veränderung gefalle ihr, sagt Helfenstein, nicht aber die generelle Entwicklung im Städtchen. «Früher ist es hier lebendiger gewesen, es hatte mehr Leute.»

Eine Erkenntnis, zu der auch Hubert Lieb kam. Und die letztlich mitentscheidend war für diese Ausstellung ausserhalb des Rathausmuseums. «Wir möchten die Leute wieder mehr ins Städtchen ziehen», betont er. Die Detaillisten ins Boot zu holen, war nicht schwierig. «Wenigstens schauen sich die Leute so wieder die Schaufenster an. Das ist eine schöne Kampagne für das Standortmarketing von Sempach», findet Cyrill Faden. Er ist der Inhaber der Apotheke-Drogerie Faden. Dass hier das Bild vom Muni von 1942 ausgestellt ist, ist kein Zufall. Fotograf Kaspar Faden war der Grossvater von Cyrill. «Als wir seine Wohnung räumten, fanden wir einen ganzen Schrank voll Fotos und Filmrollen», erzählt er. Einige wird er morgen an der Finissage vor dem Publikum abspielen.

Museumspräsident Lieb kündet bereits die Fortsetzung dieser Art Ausstellung für nächstes Frühjahr an. Im Stadtarchiv, wo die Originale der Fotos aufbewahrt werden, liegt noch mehr zur Veröffentlichung bereit. «Nächstes Thema könnte die Schule von damals sein.»

Zuvor hofft man aber, mit der aktuellen Ausstellung noch für Furore zu sorgen. Im August war Jan Gerchow, der Direktor des historischen Museums in Frankfurt, zu Gast in Sempach. «Wir bewerben uns für den europäischen Museumsaward», berichtet Hubert Lieb. Ende November werden die Nominationen bekannt gegeben.

Hinweis

Finissage im Rathaus: morgen Dienstag, 18. Oktober, 19.30 Uhr.

Stephan Santschi


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