Gelungene Katzenmusik

ESCHOLZMATT ⋅ Hund, Katz, Esel und Co. üben sich als Stadtmusikanten, die Kinder im Theatersaal singen und klatschen mit. Das Theater Escholzmatt schafft eine bezaubernde Märchenwelt.

28. November 2016, 07:28

Grau und unfreundlich ist es draussen – exakt die richtige Zeit, in die farbige Märchenwelt abzutauchen. Der altehrwürdige Theatersaal im verwinkelten «Löwen» in Escholzmatt kommt diesem Vorhaben entgegen. Alle zwei Jahre spielt das Theater Escholzmatt in der Adventszeit ein Märchen, dieses Jahr sind es die «Bremer Stadtmusikanten» der Gebrüder Grimm. Es dürfte auch dieses Jahr wieder ein Renner werden. Viele Erwachsene und noch mehr Kinder füllen den Saal bereits an der Premiere am Samstagnachmittag. Die grösseren unter den Kleinen sitzen keck auf den vordersten Plätzen; kleinere ziehen es vor, etwas zurückversetzt auf den Knien von Papi oder Mami zu sitzen oder sie zumindest in nächster Nähe zu haben. So viel wissen sie vielleicht auch schon: Nicht nur Hund und Katze, Esel und Hahn sind auf der Bühne, auch böse Räuber machen den tiefen Wald unsicher.

Schon bald aber können auch die Kleineren allfällige Angst abstreifen und das Märchen unbeschwert geniessen: Zwar ist der Müller ein wüster Grobian mit seinem alt gewordenen Esel; Hund und Katz und Hahn haben ebenso undankbare Meister. Nein, diese kann man nicht ins Herz schliessen. Umso mehr aber haben es die Kinder mit den Tieren, die daheim ausreissen und sich nach Bremen aufmachen. Die kleinen Zuschauer lassen sich auch spontan von den Tieren Esel und Co. zum Mitsingen verleiten. Singen? Nein, vielmehr ist da Katzenmusik angesagt – schliesslich wollen die Tiere weltberühmte Stadtmusikanten werden. Aber da sind ja noch die Räuber. Diese geben sich zwar laut, grossmäulig und polterig. Aber einer ist ungeschickter und tollpatschiger als der andere, und sie entpuppen sich gar als regelrechte Angsthasen. Kein Grund, vor ihnen etwa Angst zu haben. Und auch die Kinder wissen, was ein Märchen ausmacht: Am Ende kommt alles gut.

«Ich war selber immer Märli-Fan, habe als Kind unzählige Stunden Märchenvideos angeschaut», sagt die junge Regisseurin Nora Banz von sich selber. Sie studiert Psychologie und hat das zweite Märchen auf die Bühne des Theaters Escholzmatt gebracht. «Wir wollen die Kinder bewusst involvieren und sie aktiv mitmachen lassen.»

Intensive Probenarbeit

Die einheimische Musikerin Esther Bucher hat die eingängigen, stimmigen Lieder komponiert und getextet. Diese sind den Tieren ganz eigentlich «auf den Leib» geschrieben. Die eingesetzten Halbmasken erlauben es den Spielern zudem, einerseits in die Rolle zu schlüpfen, andrerseits das Spiel mit gezielter Mimik zu verstärken. Eine gelungene Lösung. Sehr stimmig auch, wie die Darsteller die Bewegungen und den Gang der Tiere interpretieren: Da ist die intensive Probenarbeit dahinter spürbar.

Es ist eine kindergerechte Märchenwelt, die in Escholzmatt auf die Bühne kommt. Von A bis Z durchgezogen. So kommt etwa Franziska Häfliger, alias die Katze, selbst zum Schlussapplaus auf allen vieren daher. «Es macht ungemein viel Freude, eine Märchentierfigur zu spielen», sagt sie. «Die Kinder reagieren unmittelbar und ganz spontan. So herzig.» So auch die vierjährige Malin Häfliger: «Ja, es war sehr schön», strahlt sie. Und dann darf sie gar noch als Zugabe zum Abschied der Katze das Pfötchen drücken.

Hinweis

Zusatzaufführung am 11. Dezember um 17.30 Uhr. Reservationen/Infos: www.theater-escholzmatt.ch

Hannes Bucher


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