Gemeinde will «Adler» wiederbeleben

SCHÜPFHEIM ⋅ Dank einer Dorf AG soll das Hotel und Restaurant Adler seine Türen wieder öffnen. Auch anderswo springen Luzerner Gemeinden für den Erhalt von Gastrobetrieben in die Bresche.
19. April 2017, 07:38

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Der Gemeinderat von Schüpfheim will den «Adler» im Dorfzentrum nicht seinem Schicksal überlassen. Das Hotel und Restaurant ist seit Mitte Februar geschlossen. Der Grund: Das bisherige Pächterpaar hat auf eine Vertragsverlängerung verzichtet (Ausgabe vom 10. Februar).

Nun haben der Gemeinderat sowie die Besitzerin des Hotels Adler, die Gabael AG, eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie der «Entlebucher Anzeiger» berichtet. Sie verschafft der Gemeinde Zeit, um mögliche Konzepte zu erarbeiten und Abklärungen für den Erwerb des Hotels zu machen. Der Gemeinderat wünscht sich, dass eine breit abgestützte Trägerschaft Besitzerin des Lokals wird. «Der Adler ist ein traditionsreiches Haus mitten im Dorf, das für die Einwohner eine zentrale Bedeutung hat», sagt Gemeindepräsidentin Christine Bouvard Marty. An den «Adler» angebaut ist der Gemeindesaal, der für 4,3 Millionen saniert und im Januar 2015 wiedereröffnet worden ist. «Aus diesem Grund hoffen wir für den ‹Adler› auf eine längerfristige und konzeptionell passende Lösung.»

Gemeinde lässt Höhe der Beteiligung noch offen

Die Gemeinde sieht sich mit ihren Plänen in der Rolle der Vermittlerin. «Es ist sicher keine Gemeindeaufgabe, zu wirten», sagt Christine Bouvard. Wie viel Geld Schüpfheim ins Lokal stecken will, lässt sie offen. «Angedacht ist, eine vertretbare finanzielle Beteiligung im Rahmen eines Ankeraktionärs beizusteuern.»

Zunächst prüft der Gemeinderat mit einer Arbeitsgruppe nun die Voraussetzungen für eine Überführung in eine Trägerschaft. Zu dieser Arbeitsgruppe gehören nebst der Gemeindepräsidentin und Mitbürgern der Gemeinde Schüpfheim unter anderen auch der Wolhuser Unternehmer Walter Imbach. «Uns ist es wichtig, dass wir auch eine Aussensicht haben», so Bouvard. Die Arbeitsgruppe will die «fundierte Objektprüfung» und die weitere Grundlagenarbeit zum Finanzierungskonzept bis im Frühsommer abschliessen, um über die weiteren Schritte zu entscheiden. Bis am 1. September möchte der Gemeinderat den Lead an eine Dorf AG übergeben. Diese soll aus Unternehmern und Einwohnern der Region bestehen. «Die Gemeinde will lediglich in einer Überbrückungsphase in die Bresche springen und die Aufgaben dann einem Verwaltungsrat übergeben», sagt Bouvard. Die Gabael AG verlangt für den Verkauf des Hotels, des Restaurants sowie der Bar 2,8 Millionen.

Buttisholz beteiligt sich am «Hirschen»

Schüpfheim ist nicht die einzige Gemeinde, in der sich die Exekutive für den Erhalt eines Restaurants einsetzt. Auch in Buttisholz beteiligt sich die Gemeinde am Kauf eines Gasthofs. Die Bürger haben Ende November zugestimmt, dass die Gemeinde für einen Drittel des Kaufpreises des «Hirschen» aufkommt. Den Restbetrag von 800'000 Franken steuerte die GAB Genossenschaft bei. «Der Kaufvertrag wurde per Ende März unterzeichnet», sagt Gemeindepräsident Franz Zemp. Sowohl die Gemeinde wie auch die GAB streben mit dem Restaurantkauf eine nachhaltige Entwicklung des Dorfzentrums an. Der «Hirschen» ist seit Ende 2014 geschlossen und soll den Betrieb spätestens 2018 wieder aufnehmen. «Die Gasthaus Hirschen AG ist nun auf der Suche nach einem geeigneten Wirt.» Sobald eine Lösung gefunden sei, stehe einer Eröffnung nichts mehr im Weg. «Es ist möglich, dass der ‹Hirschen› bereits früher den Betrieb wieder aufnimmt.»

In der Gemeinde Schenkon haben die Stimmbürger im Mai 2013 der Gewährung einer Bürgschaft von 100 000 Franken gegenüber der Bank zugestimmt. Damit konnte der Betrieb des Restaurants Zellfeld aufrechterhalten werden. Finanzvorsteher Ignaz Peter sagt: «Die Bürgschaft wurde als unterstützende Massnahme respektive als Sicherheit gewährt und musste bisher glücklicherweise nicht in Anspruch genommen werden.» Sie läuft über fünf Jahre und reduziert sich jedes Jahr um 20'000 Franken.

Ein weiteres Beispiel findet sich in Fischbach. Auch dort hat sich der Gemeinderat für den «Fisch» eingesetzt. Die Gemeinde wollte sich mit Hilfe einer Genossenschaftsgründung beteiligen. Schliesslich kam es dann aber doch dank einer privaten Ini­tiative zu einer Lösung.


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