Gesucht: Manager und Politfuchs

LUZERN ⋅ Jetzt ist die Stelle für den neuen Stadtschreiber ausgeschrieben. Dieser wird Chef von 38 Mitarbeitern. Im Gespräch ist auch ein bekannter Name.

14. Oktober 2016, 20:33

Der heutige Stadtschreiber Toni Göpfert geht im Juli 2017 nach 27 Jahren in Pension. Dies wurde Mitte September bekannt gegeben (wir berichteten). Nun wird sein Nachfolger gesucht: Die Stelle ist seit gestern ausgeschrieben.

Der Aufgabenkatalog im Stelleninserat ist umfangreich. «Für uns ist das eine spezielle Situation, da man nicht auf frühere Stellenausschreibungen zurückgreifen kann. Schliesslich musste man letztmals vor 28 Jahren einen Stadtschreiber suchen», sagt Stadtpräsident Beat Züsli (SP). Deshalb sei das Inserat so umfangreich ausgefallen. Zudem sei der Aufgabenbereich natürlich sehr vielfältig.

Einerseits muss der Stadtschreiber die Stadtkanzlei mit 38 Mitarbeitern leiten. Andererseits ist er in jeder Stadtrats- und Parlamentssitzung in beratender Funktion dabei und bereitet die Geschäfte vor und nach. Daneben macht er amtliche Beglaubigungen und arbeitet in verschiedenen Arbeitsgruppen mit. Der Stadtrat wünscht sich eine Person mit zahlreichen Kompetenzen. «Nebst mehrjähriger Verwaltungs- und Führungserfahrung wünschen wir uns eine Persönlichkeit mit universitärer Ausbildung als Jurist/in oder gleichwertiger Ausbildung mit fundierten Kenntnissen im öffentlichen Recht und Managementerfahrung. Ausserdem verfügen Sie über eine hohe Beratungs- und Sozialkompetenz, Empathie, Projektmanagementerfahrung sowie Verständnis und Vernetzungsfähigkeiten für politische, wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge», heisst es im Inserat.

Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung

Ist der Stadtrat zuversichtlich, eine Person zu finden, die all dies abdecken kann? «Sicher ist diese Stelle eine Herausforderung», sagt Beat Züsli. «Der Stadtschreiber ist die Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung. Dieser Spagat fällt bestimmt nicht jedem leicht.» Dies ist für Züsli denn auch eine der wichtigsten Kompetenzen, die ein Kandidat mitbringen muss. «Die Kandidaten sollten sowohl in der Politik als auch in der Verwaltung ein Standbein haben.» Zwar sei es nicht zwingend, dass die Person bereits in der öffentlichen Verwaltung ­tätig war. «Auch jemand, der aus der Privatwirtschaft kommt, ist denkbar. Allerdings muss der Bezug zur politischen Ebene gegeben sein», so Züsli. Eine Parteizugehörigkeit sei hingegen keine Bedingung. Ebenso wenig besteht für den Stadtschreiber eine Wohnsitzpflicht. «Viel zentraler ist es, dass die Person einen persönlichen Bezug zur Stadtregion Luzern hat und Kenntnis von den politischen Strukturen.»

Auffällig ist, dass das Stelleninserat wenig Spielraum lässt für eine individuelle Gestaltung der Stelle. Möchte der Stadtrat als Stadtschreiber keine innovative Persönlichkeit, welche die Prozesse zwischen Direktionen und Verwaltung effizienter strukturiert? «Dass jemand seine eigenen Ideen einbringt, ist absolut wünschenswert», sagt Beat ­Züsli. «Schliesslich befinden wir uns gerade im Reorganisationsprozess der Direktionen, bei dem noch viele Fragen offen sind.» Der neue Stadtschreiber könne in diesem Bereich auch mitreden.

Übrigens: Auch wenn in diesem Artikel immer vom «Stadtschreiber» die Rede ist, können sich natürlich auch Frauen auf die Stelle bewerben. Und der Stadtpräsident geht noch einen Schritt weiter: «Es wär schön, eine Frau für die Stelle zu gewinnen, nachdem 27 Jahre lang ein Mann den Job gemacht hat.» Letztlich entscheide aber natürlich die fachliche Qualifikation.

Brugger: «Orientiere mich beruflich neu»

Eine Frau aus der Region mit Führungskompetenzen, Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung und einem politischen Hintergrund – so mancher wird bei diesem Anforderungsprofil an Pia Maria Brugger Kalfidis denken. Die ehemalige Gemeindeschreiberin und Geschäftsführerin von Ebikon verfügt über praktisch alle Kompetenzen, die vom Stadtrat gefordert werden. Zumindest wenn man ihren Lebenslauf mit der Stellenausschreibung vergleicht: Vor ihrer Tätigkeit in Ebikon war sie Geschäftsführerin des Zweckverbands öffentlicher Agglomerationsverkehr Luzern (ÖVL) und davor Stabsmitarbeiterin des Stadtrates in der Schuldirektion der Stadt Luzern. Als CVP-Mitglied und ehemalige Kantonsrätin kennt sie sich auch auf dem politischen Parkett aus.

Ob die 54-Jährige sich auf die Stelle bewerben wird, will sie nicht preisgeben. «Ich orientiere mich beruflich neu und prüfe dabei verschiedene Optionen», sagt sie auf Anfrage. Das Inserat werde sie natürlich anschauen, «zu einer möglichen Bewerbung möchte ich mich aber nicht öffentlich äussern», so Brugger.

Wie auch immer sie sich entscheidet: Bis zum 6. November hat sie Zeit, es sich zu überlegen. Dann läuft die Bewerbungsfrist aus. Gemäss Beat Züsli will sich der Stadtrat im Februar oder März 2017 für einen Kandidaten oder eine Kandidatin für den Job entscheiden.

Beatrice Vogel


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