Grämlis-Hof wird aufgeteilt

HORW ⋅ Der Pächter des gemeindeeigenen Landwirtschaftsbetriebs hat gekündigt. Nun will die Gemeinde das Land neu verpachten – künftig soll aber nicht mehr nur ein Bauer darauf wirtschaften.
21. Februar 2017, 11:20

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Die Gemeinde Horw besitzt auf der Halbinsel den Bauernhof Grämlis, zu dem rund 17 Hekt­aren Land, zwei Wohnhäuser sowie drei Betriebsgebäude gehö­ren. Seit 46 Jahren betreibt diesen die Familie Heer. Altershalber hat Josef Heer den Pachtvertrag nun per März 2018 gekündigt. Das Land soll aber weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, so der Plan der Gemeinde. Dies auch deshalb, weil der Bauernhof für die Bevölkerung eine wichtige Rolle spielt. «Der Grämlis-Hof ist ein Herzstück der Halbinsel», sagt Robert Odermatt (SVP), zuständiger Gemeinderat für Immobilien. Der Bauernhof ist täglich für Stallvisiten geöffnet, und Schulklassen können dort Führungen machen. Ausserdem gibt es einen beliebten Streichelzoo.

Um die künftige Nutzung zu klären, hat der Gemeinderat eine Betriebsanalyse durch das kantonale Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Landwirtschaft erstellen lassen. Die Analyse kommt zum Schluss, dass der Betrieb wegen seiner Grösse ohne zusätz­liches Einkommen nicht kostendeckend bewirtschaftet werden kann. «Nötig für eine gute Existenzgrundlage wäre ein Neben­einkommen von 15000 bis 25000 Franken», erklärt Odermatt.

Stallvisite muss möglich bleiben

Aus diesem Grund hat der Gemeinderat beschlossen, den Betrieb nicht im bisherigen Stil weiterzuverpachten. Vielmehr soll das Land parzellenweise an andere Bauern auf der Halbinsel verpachtet werden. Odermatt: «Die anderen Betriebe sind ähnlich gross wie der Grämlis-Hof. Können einige von ihnen zusätzliche Landflächen bewirtschaften, kann das ihr langfristiges Überleben sichern. So können einige Familienbetriebe auf der Halbinsel gestärkt werden.» Vorgesehen ist, dass drei bis fünf Bauern berücksichtigt werden. Ohne dass die Gemeinde ihr Vorhaben angekündigt hatte, haben bereits sieben Horwer Landwirte Interesse an solchen Teilflächen bekundet. Der Gemeinderat will nun Gespräche mit allen Interessenten führen. Für die Vergabe ist ihm wichtig, dass auf einem Betrieb Stallvisiten und Schul­besuche möglich sind – sei es im Grämlis- oder auf einem anderen Hof. Es kommen nur Pächter in Frage, die bereits einen Betrieb auf der Horwer Halbinsel führen. Der heutige Pächter sagt auf Anfrage, er könne den Entscheid nachvollziehen, das Land aufzuteilen. Für eine junge Familie sei es schwierig, das Einkommen ohne Nebenerwerb oder intensive Direktvermarktung zu sichern.

Der Gemeinderat rechnet damit, dass der gesamte Pachtzins wie bisher ungefähr 32000 Franken im Jahr betragen wird – respektive: Er soll leicht steigen, bedingt durch die Sanierung der beiden nicht denkmalgeschützten Wohnhäuser. Diese sind nämlich in sanierungsbedürftigem Zustand. Das Bauernhaus Grämlis (Baujahr 1713) soll im äusseren Erscheinungsbild erhalten werden. Das Stöckli könnte durch einen Neubau ersetzt werden. Bei Letzterem kommt auch eine gemeindeeigene Nutzung in Frage. Offen ist, ob die heutige Pächterfamilie, die im Grämlis wohnen bleiben möchte, wie bisher im Bauernhaus oder neu im Stöckli unterkommt.

Da der Gemeinderat davon ausgeht, dass kaum einer der neuen Pächter an den Wohnhäusern interessiert ist, bestehen folgende Möglichkeiten: Entweder die Gemeinde saniert sie auf eigene Kosten und vermietet die Wohnungen, oder sie gibt eines der beiden Häuser im Baurecht ab. Für die Sanierung sind 1,3 Millionen Franken im Finanz- und Aufgabenplan vorgesehen. In den nächsten Monaten werden nun Detailabklärungen durchgeführt. Bezüglich Nutzung und Sanierung der Gebäude wird der Gemeinderat dem Einwohnerrat vor­aussichtlich im September einen Planungsbericht unterbreiten.


1 Leserkommentar

Anzeige: