Hausaufgabenhilfe wird in Kriens teurer

BILDUNG ⋅ Zwei verschiedene Arten von Hausaufgabenhilfen gibt es heute in Kriens. Diese werden nun vereinheitlicht. Das hat zwar Mehrkosten für die Gemeinde zur Folge, dafür wird das Angebot flexibler.
15. März 2017, 04:29

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Italiener waren lange die grösste Einwanderergruppe in der Schweiz. Sie trugen nicht nur massgeblich zur Realisierung grosser Bauwerke bei. Sie hinterliessen auch an den Schulen Spuren – die teilweise bis heute sichtbar sind. Dazu gehört Doposcuola (Deutsch: Nach der Schule). Die Hausaufgabenhilfe für Primarschüler gibt es in Kriens seit 40 Jahren, ursprünglich war sie speziell auf Kinder italienischer Gastarbeiter ausgerichtet.

Im Jahr 1977 wurde das Angebot Doposcuola in Kriens vom Frauenverein geschaffen. Im Sommer 2018 soll es, mit Beginn des neuen Schuljahrs, von einem neuen Angebot abgelöst werden. Das bestätigt die Krienser Bildungsvorsteherin Judith Luthiger-Senn (SP) gegenüber unserer Zeitung. Am letzten Freitag hat ein erstes Gespräch mit den Verantwortlichen von Doposcuola stattgefunden. «Das Ziel ist es, das Angebot in unsere bestehenden Tagesstrukturen zu integrieren», sagt Luthiger. Dabei arbeite man eng mit Doposcuola zusammen – auch, um möglichst viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behalten zu können.

Zwei Angebote für Hausaufgabenhilfe

Grund für die Aufgabe von Doposcuola ist, dass es heute in Kriens zwei Arten von Hausaufgabenhilfen gibt. In den Schulhäusern Amlehn, Brunnmatt, Feldmühle, Grossfeld, Roggern und im Zentrum Senti werden die Kinder im Rahmen von Doposcuola unterstützt. Montags, dienstags und donnerstags werden sie direkt im Schulhaus betreut. Die andere Art von Hausaufgabenhilfe gibt es seit Sommer 2012 in den Kinderhorten der Gemeinde. In fünf Horten werden die Kinder betreut und erledigen mit Unterstützung von Sozialpädagogen ihre Hausaufgaben. Luthiger spricht von einer «Verbundaufgabe zwischen Schule und Betreuung».

Doposcuola soll per 2018 in die Tagesstrukturen integriert und damit professionalisiert werden. Denn ist die Hausaufgabenhilfe Teil der Tagesstrukturen, müssen Vorgaben des Kantons eingehalten werden. Diese verlangen, dass mindestens eine ausgebildete Lehrperson anwesend ist. Für die Gemeinde entstehen dadurch Mehrkosten. Wie hoch diese ausfallen werden, ist noch offen. Klar ist aber, dass sich der Kanton daran beteiligt. «Ganz wichtig ist uns, dass weiterhin alle Kinder Zugang zur Hausaufgabenhilfe haben und dass es ein niederschwelliges Angebot bleibt», sagt Judith Luthiger. Die Hausaufgabenhilfe soll nicht davon abhängig gemacht werden, ob ein Kind einen Hort besucht oder nicht. Sie kann auch als einzelnes Angebot besucht werden – ohne Mittagstisch oder Nachmittagsbetreuung. Für Kriens stellt dies eine Angebotserweiterung dar. Die Hausaufgabenhilfe in den Horten können heute nur Kinder besuchen, die einen Hortplatz haben.

Luthiger orientiert sich mit dem Projekt an der Gemeinde Emmen. Auch dort gab es Doposcuola. Das Angebot wurde im Sommer 2012 in die Emmer Tagesstrukturen integriert. Die Hausaufgabenbegleitung, wie sie in Emmen genannt wird, ist nun Teil der Tagesstrukturen. Sie kann beispielsweise zusätzlich zur Mittagsbetreuung oder als eigenständiges Angebot gebucht werden. Die Kinder werden während einer Stunde pro Tag beim Erledigen der Hausaufgaben begleitet.

Grosse Nachfrage in Emmen

Die Kosten sind vom Einkommen abhängig und betragen zwischen 2 und 14 Franken pro Stunde. Die Nachfrage ist gross, wie Zahlen der Volksschule zeigen. Erfasst wird in Emmen die Anzahl Angebote, die gebucht werden. Dazu gehören unter anderem Morgen- und Mittagsbetreuung und die Hausaufgabenbegleitung. Von 1000 Angeboten, die ausgewählt wurden, betreffen 30 Prozent die Hausaufgabenbegleitung. «Das zeigt, dass ein grosses Bedürfnis vorhanden ist», sagt Christoph Heutschi, Prorektor der Volksschule Emmen. Da die Tagesstrukturen ausgebaut werden, dürfte der Anteil der Hausaufgabenbegleitung prozentual etwas abnehmen, vermutet Heutschi.

Über die Integration von Doposcuola in die Tagesstrukturen entscheidet der Krienser Gemeinderat. «Für die Kinder wird sich dadurch gar nichts ändern», betont Judith Luthiger. Die Hausaufgabenhilfe soll auch weiterhin teilweise in Schulhäusern angeboten werden. Zu den Preisen kann sie noch keine Angaben machen. Diese sollen sich aber «in einem vernünftigen Rahmen» bewegen. Zudem betont Luthiger: «Es muss keine neue Infrastruktur gebaut werden.»

Irène Lütolf, die Leiterin von Doposcuola Kriens, wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Es sei mit der Gemeinde vereinbart worden, dass nur diese Auskunft gebe.


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