Haxen und schweinisch gute Darbietungen

Kommissar Bürgi schlägt beim Gnagi-Essen wieder zu. Und ein Stadtrat lässt die Sau raus.
08. Februar 2012, 07:04

Wenn über 450 Männer eng aneinander gedrängt Schweinsfüsse spachteln und sich von einer Bühne herab dumme Sprüche anhören: Kann das lustig sein? Es kann. Der Schreibende hats an seiner «Männer-Gnagi-Essen»-Premiere am Montagabend im Panoramasaal des Grand Casino Luzern hautnah erlebt.
Das Gnagi-Essen, einst aus kirchlicher Wohlfahrt entstanden, hat sich zu einem vorfasnächtlichen Highlight Luzerns entwickelt. Es fand heuer zum 91. Mal statt. Und wieder folgten alle dem Ruf der Gnagi-Zunft: Politiker, Behörden, Unternehmer, Fasnachtsgewaltige, Gesellschafts-Löwen – also die Speckschwarte, pardon: die Crème de la Crème der Luzerner Society.

Ohne «Knieschoner»

Gleich vorweg: Die Gnagis (Schweinshaxen) mit Sauerkraut und Kartoffeln haben gemundet. Allerdings – zu meiner Schande sei es gestanden –, vertilgt habe ich nur das Fleisch, ohne das fette Drumherum, scherzhaft «Knieschoner» genannt. Richtige Gnagi-Brüder essen auch diese. Und dann die Darbietungen: einfach schweinisch gut. Ruedi Bürgi, 83-jährig und auf Lebenszeit gewählter Gnagi-Vater, als Politiker einst Vorkämpfer blumiger Operetten am Luzerner Theater, kann sein Lieblingsthema nicht lassen. Das «Theater an der Reuss» sei «der letzte Geuss», erklärt er in seiner launigen Rede.

Auch Gnagi-Landschryber Urs Liechti, im bürgerlichen Leben Postbeamter, schöpft aus dem Vollen. Die Griechenland-Misere ist in seinem Verse-Reigen ebenso ein Thema wie Strauss-Kahns männliches Stehvermögen (dieses sei heute «schwächer als der Schweizer Franken»). Liechti endet mit fast schon philophischem Sarkasmus:

«De Dragomir ond de Miroslav send weder emou in e Schlegerei verwecklet/Ond weder werd wi wöud ofenand ine pecklet/E interkulturelli Animatorin esch vor Ort mehreri Schtond/Ond chond zum Schloss: ‹Schport werkt integrativ ond esch erscht no gsond.›»

Gnagi-Schatzmeister Hans Pfister nimmt vor allem die Lokalpolitik aufs Korn. Das Strichproblem im Tribschenquartier mutiert bei ihm zum durchaus positiven «abgasfreien Stossverkehr».

  • Das Gnagi schien allen Anwesenden zu schmecken. (© ZVG)
  • Stadtrat und Finanzdirektor Stefan Roth. (© ZVG)
  • «Wetterfrosch» Thomas Bucheli. (© ZVG)

Wenn über 400 Männer eng aneinander gedrängt Schweinsfüsse spachteln und sich von einer Bühne herab dumme Sprüche anhören: Kann das lustig sein? Es kann. Am Monatagend war wieder Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bilder: ZVG)

Was ist in Stefan Roth gefahren?

Doch dann, der Höhepunkt. Was ist nur in Stadtrat und Finanzdirektor Stefan Roth gefahren, einen der Gnagi-Ehrengäste? Mit dunkler Sonnenbrille stellt er sich auf die Bühne und erzählt Witze, die nicht ganz jugendfrei sind. Nun ja, darum heisst es und ist es wohl ein Männer-Essen. Gut getroffen, Stefan Roth. Die Meute jault vor Vergnügen. Erst recht, als Roth seine «Money Girls» aufmarschieren lässt, drei leibhaftige Girls in kurzen Röcken. «Meine finanzpolitischen Kommissarinnen», stellt sie Roth vor.

Roth ist kaum zu bremsen. Deftiger Vorwahlkampf mit Blick auf die kommenden Stadtratswahlen? Mindestens 450 Stimmen dürfte Roth nach dem Gnagi-Abend als Stadtpräsi-Kandidat auf sicher haben. Das Geheimnis, wofür Noch-Stapi Studer kürzlich «aus seiner Portokasse das Schlosshotel Gütsch kaufen wollte», lüftet Roth auch noch: «Es wird der Alterssitz von Gnagivater Bürgi.»

Auch Regierungsrat Marcel Schwerzmann – von Gnagi-Moderator Silvio Panizza spöttisch als «auch ein Finanzdirektor ohne Budget» angekündigt – hat seinen Auftritt. Ebenso wie der Beromünster (und neuerdings auch Luzerner) Nachtwächter Ludwig Suter, «Schlafwandler» Seppi Schärli II. und alt Grossrat Anton E. Steffen.

«Tatort» lautet das Motto des Abends. Kommissar Flückiger alias Stefan Gubser konnte allerdings wegen anderweitiger Verpflichtungen nicht aus dem fernen Zürich nach Luzern kommen – was im Vorfeld für Irritationen sorgte.

Thomas Bucheli am «Tatort»

Gekommen ist dafür der nicht minder berühmte Thomas Bucheli. Der Wetterfrosch erweist sich als echter Luzerner – mit viel fasnächtlichem Witz. Seine trockenen Sprüche à la «Ruedi Bürgi/Am Gnagi würgi» reissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Hugo Bischof


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