Hier folgt das nächste Provisorium

FAHRENDE ⋅ Der Kanton Luzern stellt einen Standplatz östlich von Rothenburg Station bereit. Aber nur bis September 2018. Wie es danach weitergeht, ist völlig offen.
05. April 2017, 19:33

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Die Diskussion um die Fahrenden in Luzern dreht sich seit längerem im Kreis: Luzern hat zu wenig fixe Standplätze, die Behörden können nur befristete Lösungen anbieten. Wie zuletzt jenes Areal im Krienser Nidfeld, das die Fahrenden im März verlassen mussten (Ausgabe vom 20. März). Aber jetzt kommt Bewegung in die Sache. Für das Nidfeld hat der Kanton einen Ersatz gefunden: einen Standplatz im Gebiet Rothenburg Station, auf einer Parzelle, die ihm gehört.

Nur: Auch diese Lösung ist zeitlich beschränkt – und zwar bis September 2018. «Die Befristung war uns sehr wichtig», sagt der Rothenburger Gemeindepräsident Bernhard Büchler (CVP) auf Anfrage. Weshalb? Die Gemeinde Rothenburg hat für das Areal einen Bebauungsplan ausgear­beitet. Die Stimmbürger sollten noch dieses Jahr darüber befinden können. Klar ist, dass der Krienser Software-Entwickler Opacc im Gewerbegebiet einen neuen Firmensitz baut (Ausgabe vom 18. November 2016). Zudem plant der Kanton, seine Parzelle zu verkaufen oder im Baurecht abzugeben. Bis es so weit ist, wird es aber 2018. So lange liegt das Gebiet mehr oder weniger brach.

Bevölkerung wurde noch nicht informiert

Deshalb hat der Kanton auch genau dieses Areal ausgewählt. Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann erklärt: «Es war das einzige Gebiet, das wir kurzfristig bereitstellen konnten.» Dieses bietet künftig 20 Standplätze. Je nach Grösse der Familien dürften so zu Spitzenzeiten an die 100 Fahrende das Areal bewohnen. Bis zur Inbetriebnahme müssen noch Strom- und Wasserleitungen installiert werden. Eine Sicherheitsfirma sorgt dafür, dass sich die Fahrenden korrekt anmelden. Die Kosten von 60 000 Franken trägt der Kanton.

Vom Entscheid der Gemeinde und des Kantones wissen die Rothenburger Bürger noch nichts, so Gemeindepräsident Büchler: «Wir sind gespannt auf die Reaktionen.» Dass die Rothenburger den Entscheid nicht goutieren werden, glaubt er nicht: «Wir haben bei der Zusammenarbeit mit dem Kanton beim Asyl-Durchgangszentrum gute Erfahrungen gemacht. Daher gehe ich davon aus, dass es mit dem Standplatz nicht anders sein wird.» Zudem glaubt er: «Der Kanton wird durch Kontrollen die ordnungsgemässe Nutzung durchsetzen.»

Die Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende begrüsst die Initiative des Kantons Luzern. Geschäftsführer Simon Röthlisberger sagt: «Der Schritt geht in die richtige Richtung.» Zumal viele Jenische ihre Winterquartiere bereits verlassen hätten, die Saison langsam startet. Dennoch wäre Röthlisberger eine definitive Lösung lieber: «Ein befristeter Platz ist besser als keiner. Die zeitliche Beschränkung ist jedoch problematisch.» Es müssten weiterhin in aufwendigen Verfahren Standorte für eine unbefristete Lösung gesucht werden.

Ziel ist es laut Hans-Urs Baumann, bis Ende 2018 einen fixen Standplatz präsentieren zu können – und damit einen weiteren neben jenem im Gebiet Ibach in Luzern. Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr, die Frist in Rothenburg endet wie erwähnt im September 2018. Nur: Die Arbeitsgruppe, welche seit Mai 2016 ein geeignetes Gebiet sucht, hat rund 100 Areale geprüft – erfolglos. «Da die Anforderungen an einen Durchgangsplatz hoch sind, konnten keine dauerhaften Lösungen gefunden werden», teilt der Kanton mit. «2018 ist eine sportliche Vorgabe», so Baumann. Sollte die Vorgabe nicht eingehalten werden, hat der Kanton noch keine Übergangslösung erarbeitet. Dann dürfte die Debatte von vorne losgehen.


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