Hippie-Bus bringt Sommerlaune an den Häppere-Umzug

DAGMERSELLEN ⋅ Buntes Treiben im Hürntal: 10 500 Besucher kamen an den Häppere-Umzug und zollten dabei einem besonderen Lebensmittel ihren Respekt.

07. Februar 2016, 05:00

Christian Hodel

1400 Teilnehmer, 45 Nummern und rund 10 500 Fasnächtler am Strassenrand. Und doch sind die eigentlichen Stars am traditionellen Fasnachtsumzug in Dagmersellen die Kartoffeln. Hier nennt man die Härdöpfu schlicht und einfach Häppere. Die älteste Guuggenmusig im Dorf heisst Häppereschweller und die Zunft – wie könnte es anders sein – Häppere-Zunft. Seit deren Gründung, auf die Fasnacht 1980, wird im Häppere-Dorf jeweils ein Umzug organisiert, wie Zunftobmann Franz Jost sagt. Und dieser lebt neben den heissen Kartoffeln, die jeweils verteilt werden, vor allem von einer Attraktion: den Wagengruppen.

23 Wagen mit dabei

«Über die Hälfte der Umzugsnummern sind geschmückte und dekorierte Wagen», sagt Jost. Dies habe in Dagmersellen Tradition. «Die Teilnehmer investieren jeweils viel Zeit und Aufwand für einen prächtigen Umzug.» So zogen gestern neben bunt gemischten Fasnachtsgruppen auch 23 kleinere und grössere Gefährte durch die Baslerstrasse im Dorf. Die Fasnachtsfrönde Buchs etwa brachten mit ihrem Hippie-Bus Ferienstimmung ins Wiggertal. Der strahlend blaue Himmel und die frühlingshaften Temperaturen taten den Rest für einen rüüdigen Häppere-Samschtig. Aber auch zahlreiche Guuggenmusigen fuhren mit Wagen auf. So spielten etwa die Flohguugger Nebikon auf einem riesigen Märchenschloss zu den Fasnächtlern am Strassenrand.

  • Fasnachtsumzug Dagmersellen
  • Fasnachtsumzug Dagmersellen

Am Samstagnachmittag fand der Fasnachtsumzug in Dagmersellen statt.


Um die Wette geschränzt

Extra vom Aargau nach Dagmersellen gereist ist Sara Müller mit ihrem sechsjährigen Sohn Nico. «Wir kommen jedes Jahr an die Dagmerseller Fasnacht, weil wir hier Verwandte haben», sagt sie. Während sich die Mutter vor allem für die farbigen Kostüme begeistert, interessiert sich ihr Sohn für die Töne. «Bei uns sind die Guuggenmusigen viel weniger laut», sagt Nico.

Eröffnet wurde der Umzug traditionell von der lokalen Guuggenmusig Häppereschweller und der Häppere-Zunft. Der Zunftmeisterwagen mit dem Zunftmeister Peter Lötscher wiederum beendete das fasnächtliche Treiben auf der Strasse.

Apropos Zunftmeister: Dieser benennt sich in Dagmersellen immer nach einer Kartoffelsorte. Dieses Jahr trägt er den Namen Burgundy I. – in Anlehnung an die Highland Burgundy Red, auch Red-Cardinal-Kartoffel genannt. Die Sorte kommt ursprünglich aus den schottischen Highlands. «Der Name passt zu unserem Motto», sagt Zunftobmann Franz Jost. Unter dem Slogan «Shot(t) sei Dank» ziehen die 48 Dagmerseller Zünftler und 37 Guug­ger der Häppereschweller durch die rüüdigen Tage. Warum sich in Dagmersellen an der Fasnacht jeweils alles um Härdöpfu dreht, weiss selbst der Obmann nicht so genau. Eine Legende besage, dass man früher bei Hungersnöten im Dorf übermässig viele Häppere angepflanzt habe, so Franz Jost.


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