Holzschlag lohnt sich kaum noch

LUZERN ⋅ Das Stadtforstamt bewirtschaftet Hunderte Hektaren Wald. Doch die Förster kämpfen mit den tiefen Holzpreisen und uneinsichtigen Waldbenützern.

23. September 2016, 05:00

«Der Holzpreis verfällt seit den 1980er-Jahren förmlich», sagt Raphael Müller, Oberförster des Stadtforstamtes. Die Waldbewirtschaftung lohne sich kaum noch, da die Waldbesitzer nicht nur Holz verkaufen, sondern den Wald auch pflegen und die Strassen unterhalten müssen: «1983 konnte man einen Kubikmeter Holz für durchschnittlich über 120 Franken verkaufen, heute erhält man noch ungefähr 75 Franken.» Eine Trendumkehr sei in nächster Zeit eher nicht zu erwarten, obwohl die Verwendung des nachhaltigen Rohstoffes Holz in ist.

Dieser Preissturz von fast 40 Prozent widerspiegelt sich auch in der Jahresrechnung des Forstbereichs der Korporation Luzern. «In den letzten Jahren machte der Holzverkauf nur noch 30 Prozent des Gesamtertrags aus dem Forstbereich aus. 1995 lag dieser Wert noch bei über 60 Prozent», so Müller.

Kostenschere öffnet sich weiter

Der Preiszerfall ist aber nur ein Aspekt. «Im gleichen Zeitraum sind die Personal- und Maschinenkosten stark angestiegen. Die Kostenschere öffnet sich immer mehr», sagt Raphael Müller. Ein weiterer Faktor bestärke die negative Tendenz im Holzmarkt: «Durch die Aufhebung des Euromindestkurses ist unser Erlös praktisch über Nacht um 10 bis 20 Prozent gesunken.» Hinzu komme der offene, im Gegensatz zur Landwirtschaft weitgehend ungeschützte internationale Holzmarkt: Holz werde oft ins Ausland exportiert und dort verarbeitet. Dieses kommt zum Teil als billige Balken oder Bretter wieder zurück – mit entsprechender Wertschöpfung im Ausland. Hier könne die Schweiz kaum mithalten.

Dem tiefen Holzpreis begegnet Müller, der mit seinem Team rund 1500 Hektaren Wald pflegt und bewirtschaftet, mit verschiedenen Massnahmen: «Wir versuchen unsere Kosten durch effiziente Arbeitsabläufe zu senken und daneben unsere Standbeine im Dienstleistungsbereich auszubauen. Der Forstbetrieb führt deshalb Wald- und Gartenholzerei bei Privaten durch, pflegt Naturschutzgebiete, macht Baggerarbeiten sowie Hang- und Bachverbauungen und erstellt individuelle Holzprodukte auf Kundenwunsch.» Durch diese Tätigkeiten sei es Ende Jahr noch immer möglich, schwarze Zahlen zu präsentieren.

Einst der finanzielle Hauptertrag

Für die Korporation ist der Forstbetrieb ein wesentlicher Bestandteil. «Früher verdankten wir unseren finanziellen Hauptertrag ganz klar dem Wald. Heute ist das nicht mehr der Fall, dennoch ist der Forstbetrieb für uns sehr wichtig», sagt Max P. Lang, Präsident der Korporation Luzern. «Der Forstbetrieb verursacht und erbringt gegen die Hälfte unseres Aufwandes beziehungsweise Ertrags.»

Damit stelle die Korporation verschiedene Leistungen zu Gunsten der Allgemeinheit zur Verfügung. «Der Wald als Erholungsraum ist auf gut unterhaltenen Waldstrassen und -wegen für alle frei zugänglich. Unser Forstteam unterhält auch Erholungseinrichtungen wie Sitzbänke, Feuerstellen und Rastplätze», sagt Lang. Zusätzlich profitiere der Naturschutz durch Waldrandaufwertungen, Altholzinseln und Förderung seltener Baum- und Tierarten von der Arbeit des Stadtforstamts.

Da sich die Wälder rund um die Stadt Luzern bei der Bevölkerung grosser Beliebtheit erfreuen, ist die Nutzung entsprechend hoch. «Stadtnahe Wälder sind für uns eine besondere Herausforderung. Spaziergänger, Hündeler und Sportler nutzen den Wald intensiv. Einige Benutzer meinen zudem, sie können machen, was sie wollen – beispielsweise einfach einen Baum fällen», sagt Lang.

Beschwerden wegen gesperrter Wege

Forstarbeiten in stadtnahen Wäldern seien auch aus anderer Perspektive herausfordernd, weiss Oberförster Raphael Müller. «Bei Holzschlägen gibt es immer wieder Beschwerden wegen abgesperrter Wege und des Baumfällens an sich. Aber wir können die Bäume im Bereich von Gebäuden und Strassen aus Sicherheitsgründen nun einmal nicht einfach wachsen lassen, bis sie umfallen.» Ausserdem seien die Sicherheitsanforderungen wegen der vielen Waldbesucher besonders aufwendig.

Yves Portmannyves.portmann@luzernerzeitung.ch


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