Horlaui: Zehn Personen werden ausgesiedelt

WEGGIS ⋅ Der Gemeinderat Weggis erlässt für fünf Wohnhäuser im Gebiet Horlaui ein dauerhaftes Betretungs- und Nutzungsverbot. Die Häuser müssen abgebrochen und zehn Anwohner umgesiedelt werden.

02. Juli 2014, 13:08
  • 06.11.2014: Die ersten Häuser in der Horlaui werden abgerissen.

Nach der Umsiedlung von zwölf Personen in einem Steinschlaggebiet in Weggis hat am 3. November der Abbruch von vier Häusern begonnen. Ein Augenschein im Gebiet Horlaui an der Seeuferstrasse zwischen Weggis und Vitznau am Vierwaldstättersee.

Grund für den Abbruch ist, dass die betroffenen Häuser im Gebiet Horlaui absehbar durch Blockschlag gefährdet sind. Dies haben umfangreiche geologisch-geotechnische Abklärungen an den Felsen ergeben, wie der Gemeinderat Weggis am Mittwoch mitteilt.

Wie lange dieser Fels noch hält, ist absehbar. Damit die Bewohner nicht unter dem herabstürzenden Fels begraben werden, müssen sie ausgesiedelt werden. Zoom

Wie lange dieser Fels noch hält, ist absehbar. Damit die Bewohner nicht unter dem herabstürzenden Fels begraben werden, müssen sie ausgesiedelt werden. | pd

Hohes individuelles Todesfallrisiko

Nun sei dringender Handlungsbedarf gegeben – zum Schutz von Leib und Leben. Eine laufende Überwachung der Felsbewegung sei nicht mehr ausreichend. Die kantonale Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, Abteilung Naturgefahren stuft den Ausbruch aus den überwachten Felsformationen als sehr wahrscheinlich ein. Bei den meisten zu erwartenden Auslöseszenarien könne trotz Überwachung keine Vorwarnung mehr gegeben werden. Daraus resultiere ein sehr hohes individuelles Todesfallrisiko für die Bewohnerinnen und Bewohner, ihr Leben sei unmittelbar gefährdet. Der Gemeinderat stellt sich nun der Verantwortung und erlässt, als Not- und Sofortmassnahme für die fünf Wohnhäuser ein dauerhaftes Betretungs- und Nutzungsverbot sowie die entsprechenden Abbruchverfügungen.

Birgt Todesgefahren: Der Fels oberhalb vom Gebiet Horlaui. Zoom

Birgt Todesgefahren: Der Fels oberhalb vom Gebiet Horlaui. | pd

Ausserordentliche Situation

Der Gemeinderat hat den betroffenen Grundeigentümerschaften bereits persönliche Gespräche geführt. Es sei eine ausserordentlich besondere Situation, wie es sie in der Gemeinde Weggis in dieser Art noch nie gegeben habe: Bewohnerinnen und Bewohner von fünf Häusern müssen ausgesiedelt werden. Sie müssen ihre Wohnungen verlassen, die Grundeigentümerschaften dürfen ihre Liegenschaften nicht mehr betreten, ihre Häuser müssen abgebrochen werden.

Die Umsetzung dieses Entscheides habe viele weitere Konsequenzen – einerseits für die Direktbetroffenen, andererseits auch für das weitere Vorgehen. So muss nach der Räumung der Häuser unverzüglich als weitere Sofortmassnahme mit gezielten Felsabträgen und -sicherungen begonnen werden. Dies sei notwendig, um das Blockschlagrisiko während der Rückbauarbeiten der fünf Häuser möglichst tief zu halten.

Das betroffene Gebiet Horlaui. Zoom

Das betroffene Gebiet Horlaui. | pd

Suche nach Ersatzwohnraum

Um den Betroffenen schnell bei der Wohnungssuche zu helfen, ist der Gemeinderat sehr dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung. Wer eine temporäre oder dauerhafte Beherbergungsmöglichkeit anbieten kann oder diesbezüglich Tipps geben kann, melde sich bitte bei Gemeindeammann Baptist Lottenbach, Telefon 041 392 15 15 oder E-Mail baptist.lottenbach@weggis.lu.ch.

Gebäudeversicherung erbringt Versicherungsleistung

Die Gebäudeversicherung Luzern hat den Hauseigentümern in der Horlaui bereits mitgeteilt, dass sie bereit ist, bei Vorliegen eines dauerhaften Nutzungsverbotes und Sicherstellung des Rückbaus der Gebäude ihre Versicherungsleistungen auch ohne Beschädigung an den Gebäuden zu erbringen. An den weiteren Massnahmen wie dem Abbau der Felspakete und dem Abbruch der Gebäude würden sich auch Bund und Kanton beteiligen.

pd/nop
 

 


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