Hostel plant umstrittenen Neubau

LUZERN ⋅ Die «Lion Lodge» will ihre beiden Häuser zwischen der Steinen- und der Zürichstrasse abreissen und dort ein höheres Gebäude realisieren. Doch der Ortsbildschutz könnte zum Stolperstein werden.

26. November 2016, 05:00

Roger Amberg

Es ist ein Quartier, auf das dessen Bewohner stolz sind. Die Steinenstrasse wirkt neben der stark befahrenen Zürichstrasse wie eine kleine farbige Oase – und steht in der Ortsbildschutzzone B der Stadt Luzern. Das bedeutet, dass Gebäude erhalten bleiben sollen und nicht ohne Grund abgerissen werden dürfen. Auch die «Lion Lodge» gehört zu diesem Ortsteil. Dennoch reichte der Betreiber des Hostel bei der Stadt Luzern ein Baugesuch ein. Neben der «Lion Lodge» ist im erwähnten Gebäude auch noch das Restaurant Masala einquartiert, das ebenfalls umgebaut werden soll.

Geplant ist ein kompletter Neubau, der um eine Etage höher sein wird als das bisherige Gebäude. Entstehen soll neu ein Dreisternehotel mit höherem Standard als bisher. Inhaber der Lion Lodge AG und Bauherr ist Ratan Ashrafuzaman, der die Dringlichkeit eines Neubaus betont: «Schon während des Umbaus zum Hostel ist uns aufgefallen, dass unser Haus grosse Mängel aufweist.» Es sei im ganzen Gebäude Hausschwamm entdeckt worden. «Spätere Untersuchungen ergaben, dass das Mauerwerk in einem dermassen schlechten Zustand ist, dass eine Sanierung keinen Sinn ergibt», sagt Ashrafuzaman weiter.

Er zielt mit dieser Aussage auf den Artikel 17 der Bau- und Zonenordnung ab. Dort steht, dass der Stadtrat Abbrüche von Gebäuden in der Ortsbildschutzzone B nur ausnahmsweise bewilligt, «wenn eine Sanierung aus statischen Gründen nicht möglich oder aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig wäre». Weiter besagt das Reglement: «Neubauten und Veränderungen an bestehenden Bauten und Anlagen sind so auszuführen, dass sie sich bezüglich Lage, Stockwerkzahl, Fassadenhöhe, Volumen, Proportionen, Symmetrien sowie Materialwahl und Farbgebung in das Ensemble, welches das Quartierbild prägt, einfügen.» Dies habe man im Projekt berücksichtigt, wie Ashrafuzaman erzählt. Angesichts der Bedeutung des Gebäudes habe man extra einen Architekturwettbewerb durchgeführt. Das Ziel sei, die bestehende Qualität zu erhalten und das neue Gebäude architektonisch wieder in die Häusergruppe einzufügen. Die genauen Kosten seien derzeit noch nicht abzuschätzen, berichtet Ashrafuzaman.

Bereits «Montana» blitzte mit Baugesuch ab

Ein Beispiel dafür, dass die Ortsbildschutzzone trotz Berücksichtigung in der Planung durchaus zu einem Problem werden kann, ist das Hotel Montana. Dieses wollte zu Beginn dieses Jahres ein auf der gegenüberliegenden Strassenseite stehendes Mehrfamilienhaus abreissen und ein neues Haus inklusive Einstellhalle für 40 Fahrzeuge für Hotelgäste errichten (wir berichteten). Aufgrund des Reglements zur Ortsbildschutzzone verhinderte das Bundesgericht allerdings einen Neubau. Ähnliches befürchtet Ashrafuzaman nicht, denn die Mängel im jetzigen Haus seien zu eklatant. Trotzdem dürfte das Vorhaben noch nicht gesichert sein. Zuerst muss das Gesuch von der Stadt Luzern bewilligt werden. Möglich ist zudem, dass die Nachbarschaft Einsprachen gegen den neuen Bau einreichen wird. «Damit müssen wir leider rechnen», sagt der Betreiber der «Lion Lodge».

«Ein riesiger Einschnitt ins Strassenbild»

In der Steinenstrasse ist man über den geplanten Bau gar nicht glücklich, wie ein Anwohner berichtet: «Das wäre ein riesiger Einschnitt ins Strassenbild. Im nächsten Jahr soll hier das Wandbild restauriert werden, und mit dem Neubau würde man von oben einen Viertel des Bildes gar nicht mehr sehen, das ist sehr konsternierend.» Die Grundstimmung im Quartier gegenüber dem Projekt sei deshalb eher negativ. Ob von den Nachbarn allenfalls eine Einsprache eingereicht wird, ist derzeit noch offen. «Es wird sicher noch Reaktionen geben, aber ich weiss noch nicht, in welcher Form», so der Anwohner weiter.

Ashrafuzaman versteht die Reaktion der Nachbarn: «Wir haben durchaus Verständnis für die Aufregung im Quartier. Auch uns gefallen die Altbauten und die Geschichte hier.» Doch es liege in der Natur der Dinge, dass nichts für die Ewigkeit Bestand habe. Weil das Gebäude sich in einem schlechten Zustand befinde, müsse «so schnell wie möglich» etwas geschehen. Ob das geplante Projekt schlussendlich realisiert werden kann, steht derzeit noch in den Sternen.


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