Hundewiese erhitzt die Gemüter

CHURCHILL-QUAI ⋅ Die Forderung nach einer zusätzlichen Freilaufzone für Hunde erhält immer grössere Unterstützung – selbst von prominenter Seite. Bei den Gegnern herrscht nach wie vor Unbehagen. Nun sucht die Stadtverwaltung nach Lösungen.

04. Oktober 2016, 05:00

Seit Juli besteht die Interessengemeinschaft Hundewiese Luzern. Hundehalter und Hundefreunde setzen sich dafür ein, auf der Wiese am Churchill-Quai eine offizielle Hundefreilaufzone zu erhalten (Ausgabe vom 6. September). Ihr Engagement schlägt bereits hohe Wellen. So besitzt die Interessengemeinschaft mittlerweile 556 Mitglieder. Dieser Erfolg überrascht und freut die drei Gründer Kurt Imhof, Fabian N. Martin und Michael Stehle. «Das zeigt, dass wir auf ein echtes Bedürfnis der Hundehalter gestossen sind», heisst es von Seiten der Initianten.

Die Kontakte zwischen der Stadt Luzern und der IG Hundewiese Luzern sind mittlerweile geknüpft. So sind im Spätherbst Gespräche mit Hundehaltern, aber auch mit Vertretern, die gegen weitere Hundefreilaufzonen sind, geplant. «Es ist abgemacht, dass die IG Hundewiese zu diesen Gesprächen eingeladen wird», so Kurt Imhof.

Schutz von Betagten, Behinderten und Kindern

Die Argumente der Gegner, die allesamt anonym bleiben wollen, gehen von Schutz vor Hunden für Betagte, Behinderte und Kinder bis zur Aussage, dass eine Freilaufzone auf der Allmend absolut genüge. Demgegenüber äussert sich Fabian N. Martin: «Wir wohnen auf der rechten Seeseite, und der tägliche Weg zur Allmend wäre, vor allem im Feierabendverkehr, sehr zeitintensiv und unökologisch. Zudem leben wir an einem wunderschönen See, in dem unsere Hunde gerne schwimmen möchten. Dies ist auf der Allmend nicht möglich.» Dass Menschen Angst vor Hunden haben, können die drei nachvollziehen. «Unser Ziel ist nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander.» Es verstehe sich von selbst, dass auf ältere Menschen, Behinderte oder Kinder Rücksicht genommen werde.

Der ehemalige Stadtpräsident Urs W. Studer gehört zu den Befürwortern einer Hundefreilaufzone. «Wir hatten immer Hunde zu Hause, schon als ich Kind war. Dabei liess sich unschwer feststellen, dass der Gang eines gesunden, nicht hochbetagten Hundes um einiges schneller ist als der Gang eines Menschen. Mit anderen Worten: Ein gesunder Hund braucht regelmässig unangeleinten Auslauf, auch wenn er in der Stadt Luzern gehalten wird», so Studer. Eine Stadt von der Grösse Luzerns brauche auf jedem Uferbereich gut erreichbare Freilaufareale für Hunde. Er hoffe, die Politik Luzerns würde diesbezüglich ein Einsehen haben, so Studer. «Es wäre ein Entscheid, getragen von Toleranz und Vernunft.»

Paula Fischer hält sich öfters auf der sogenannten «Hundewiese» auf. «Ich beobachte gerne die spielenden Hunde. Die spassige Atmosphäre beruhigt und bringt mich manchmal zum Schmunzeln», erzählt sie. Doch leider habe sie beobachtet, dass es auch Leute gäbe, die auf provokative Art und Weise Hundehalter und ihre Vierbeiner beobachten, blossstellen, sie fotografisch dokumentieren und nötigenfalls lauthals schreien würden. «Wenn ein junger Hund auf dieses laute Geschrei aufmerksam wird, ist es logisch, dass er sich in Richtung Geschrei begibt, ja, dies als Einladung nimmt, die schreiende Person zu begrüssen», stellt Fischer fest. Sie frage sich, weshalb jemand, der Angst vor Hunden habe, ausgerechnet an einen Ort, an dem man damit rechnen müsse, dass Hunde frei herumtollen, spazieren gehen würde.

«Ich würde auf die Barrikaden steigen»

Auch Orlando Medici und seine Frau Magdalena Ramseier Medici setzen sich vehement für eine Hundefreilaufzone auf dem Churchill-Quai ein. «Sollte diese Freilaufzone nicht durchkommen, würde ich auf die Barrikaden steigen», meint Orlando Medici bestimmt. Für die beiden ist klar, dass jeder Kynologe und Tierarzt bestätigen würde, dass solche Gelegenheiten, wie sie sich bei der Hundewiese bieten würden, für die gesunde Entwicklung des «besten Freundes des Menschen» von enormer Wichtigkeit seien. Dieser Meinung schliessen sich die drei Initianten der Interessengemeinschaft Hundewiese Luzern an. «Wir hoffen, mit der Stadt Luzern und den anderen Anspruchsgruppen eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist und einen Gewinn an Freiheit und Rechtssicherheit bedeutet», so die Gründer der IG.

Cornel Suter, Leiter Stadtgärtnerei Luzern, ist sich der Problematik Hundefreilaufzonen bewusst. «Wir sind am Erarbeiten von Lösungen», sagt er auf Anfrage. Deshalb sei eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Umweltschutzes, Rechtsdienstes, Kommunikation und Stadtgärtnerei eingesetzt, die sich zurzeit mit der Hundehaltung im öffentlichen Raum beschäftige, gegründet worden. «Sogenannte Hotspots in der Stadt Luzern wurden definiert und die rechtlichen Grundlagen geklärt. Mögliche weitere Freilaufzonen werden geprüft und eine Verbesserung der Kommunikation auch mit Beschilderungen vor Ort diskutiert. Zudem steht die Arbeitsgruppe im engen Erfahrungsaustausch mit den Städten Bern, Zürich, Winterthur, Basel und Lausanne», so Suter. Er weist darauf hin, dass das Problem wohl erkannt sei, doch eine Lösung brauche Zeit, und die notwendigen Kontakte in die «Hundeszene» müssten zuerst aufgebaut und das gegenseitige Verständnis gefördert werden. Dass bereits 556 Leute Mitglied der Interessengemeinschaft Hundewiese Luzern sind, findet Suter beträchtlich, und vor allem sei es interessant, dass sehr viele Mitglieder nicht aus der Stadt Luzern stammen würden.


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