«Ich war der verhasste Deutsche»

WEGGIS ⋅ Die erste Gläubigerversammlung der konkursiten Kingbow Holding hat gezeigt: Die Immobilien, die Kingbow-Besitzer Walter Knieriem zusammenkaufte, weisen über weite Strecken happige Mängel auf.

19. März 2017, 08:53

Thomas Heer

thomas.heer@zentralschweizamsonntag.ch

Während Jahrzehnten trat der Deutsche Walter Knieriem in der Zentralschweiz als Immobilieninvestor auf. Über sein Unternehmen, die Kingbow Holding AG, wurde im Juli 2012 aber der Konkurs eröffnet. Vor kurzem fand in Zug nun die erste Gläubigerversammlung statt. Das Kurzfazit lautet: Die bislang angemeldeten Forderungen belaufen sich auf rund 25,79 Millionen Franken. Wie hoch hingegen dereinst der Verkaufserlös der Häuser und der unbebauten Grundstücke ausfallen wird, kann noch niemand beantworten. Folglich bleibe auch offen, wie die Konkursdividende ausfallen werde. Dies stellt Pablo Duc fest. Er ist Partner der Transliq AG, welche den Kingbow-Konkurs abwickelt.

Eine Nachfrage bei Walter Knieriem, der mittlerweile in der Nähe von Frankfurt lebt, zeigt, dass der 77-Jährige nach wie vor davon ausgeht, dass die Kingbow-Immobilien einen Wert von rund 40 Millionen Franken aufweisen. Knieriem, nach eigenen Angaben Doktor der Philosophie, sieht sich in Bezug auf den Konkurs als Opfer, das von Anwälten und Geschäftspartnern hinterhältig über den Tisch gezogen wurde. Er sagt: «Ich war doch nur immer der Kanake, der verhasste Deutsche.»

Gemeinde Weggis musste Bauruine entfernen

Das Eingeständnis eigener Unzulänglichkeiten bei Knieriem? Fehlanzeige. Während Jahren hielt er Behördenmitglieder in der Zentralschweiz unnötig auf Trab und produzierte damit viel Leerlauf. Beispielhaft dafür steht die Gemeinde Weggis, wo Knieriem respektive seine Kingbow Holding mehrere Liegenschaften besitzt. So stand im Gebiet Bodenberg einst der Rohbau für ein Einfamilienhaus, der mittlerweile auf Drängen der Gemeinde abgerissen wurde. Gemäss Gemeindeammann Baptist Lottenbach war diese Massnahme nötig, weil die Bauruine eklatante Sicherheitsmängel aufwies. So kam es, dass das Grundstück 600000 Franken an Wert verlor, wie Pablo Duc an der Gläubigerversammlung ausführte. Die genannte Summe entspricht den finanziellen Auslagen, welche Weggis für den Abbruch des maroden Baus aufwenden musste.

Nach welchen Kriterien Walter Knieriem sein Immobilienportefeuille einst zusammenstellte, bleibt sein Geheimnis. Eines zog sich jedoch wie ein roter Faden durch die Ausführungen von Pablo Duc, als er an der Gläubigerversammlung die einzelnen Objekte des Kingbow-Imperiums beleuchtete: Viele Liegenschaften sind mit eklatanten Mängeln behaftet. So erwähnte der Konkursverwalter zum Beispiel im Zusammenhang mit einer unbebauten Parzelle in Emmen, dass diese als künftiger Wohnort nicht gut geeignet sei. Der Grund liege im hohen Verkehrsaufkommen in unmittelbarer Nähe dieser Immobilie. Oder für eine mittlerweile von Brombeerstauden überwucherte Parzelle in der Stadt Zug fehlt schlicht die Erschliessung. Der Konkursverwalter kam auch auf das Haus Barcarola in Seewen zu sprechen, ebenfalls eine Kingbow-Liegenschaft. Duc wies darauf hin, dass dieses Objekt in der Hochwasserzone liege und als Ganzes einen vernachlässigten Eindruck hinterlasse.

Hoher Renovationsbedarf beim Hotel Himmelrich

Ebenfalls zur Sprache kam das Hotel Himmelrich in Kriens. Dort, so Duc, bestehe zum einen ein hoher Sanierungsbedarf. Zum anderen befindet sich der gesamte Umschwung dieser Liegenschaft in der Landwirtschaftszone. Eine Schätzung des Werts, die Jahre zurückliegt und der gemäss Duc lediglich «indikative» Aussagekraft zukommt, liegt bei 2,52 Millionen Franken. Als wertvollstes Objekt im Kingbow-Portefeuille gilt das Hotel Flora in Vitznau, nicht zu verwechseln mit dem See- und Seminarhotel Flora/Alpina. Der indikative Schätzwert dieser Liegenschaft steht bei 9,27 Millionen Franken. In Vitznau findet sich noch eine weitere Kingbow-Immobilie, ein Haus mit zwei Wohnungen. Auf die grössere der beiden ist allerdings ein unentgeltliches Wohnrecht zu Gunsten einer langjährigen Kingbow-Mitarbeiterin eingetragen. Daraus resultierte gemäss Duc eine Wertverminderung für das Haus von rund 450 000 Franken. Alles in allem muss davon ausgegangen werden, dass die zahlreichen Kingbow-Liegenschaften bei einem Verkauf letztendlich nie und nimmer die von Walter Knieriem genannten 40 Millionen Franken einbringen werden.


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