Barbetreiber Ignaz Walker ist auf freiem Fuss

ERSTFELD/KRIENS ⋅ Der Barbetreiber von Erstfeld, der seit vier Jahren in Sicherheitshaft ist und auf ein rechtskräftiges Urteil wartet, kommt vorläufig auf freien Fuss.

29. Januar 2015, 15:19

Das Obergericht kam in dem am Donnerstag publizierten Urteil zum Schluss, dass es keinen Grund mehr gebe, den Beschuldigten länger in Sicherheitshaft zu lassen, da kaum eine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestehe. Der Mann, der unter anderem des versuchten Mordes und der versuchten vorsätzlichen Tötung angeklagt ist, sei unverzüglich aus dem Gefängnis zu entlassen.

Linus Jaeggi, der Anwalt des Barbetreibers, sagte auf Anfrage, sein Mandant sei um 11 Uhr aus der Haft entlassen worden. Er bezeichnete das Urteil nach einer ersten Lektüre als sorgfältig.

Weiterzug offen

Das Urteil des Obergerichts ist noch nicht rechtskräftig. Ob die Staatsanwaltschaft, die gegen eine Haftentlassung war, beim Bundesgericht Beschwerde einreicht, ist offen. Das Urteil werde nun geprüft, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Imholz.

Der Barbetreiber war im Herbst 2013 vom Urner Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Das Bundesgericht hiess im Dezember 2014 eine Beschwerde gegen dieses Urteil in zwei Punkten gut, worauf die Verteidigung beim Obergericht ein Haftentlassungsgesuch stellte.

Die Rüge des Bundesgerichts trug dazu bei, dass das Obergericht die Gefahr, dass der Barbeitreiber nach einer Haftentlassung flüchtet, als nicht sehr wahrscheinlich einstufte. Der Beschuldigte habe nun Aussicht auf ein wesentlich günstigeres Urteil oder gar einen Freispruch.

Der Fluchtanreiz werde auch dadurch verringert, dass bei einer Verurteilung die Vollzugshaft um die bereits abgesessene Untersuchungs- und Sicherheitshaft reduziert würde. Ferner sei das Risiko, dass eine Flucht fehlschlage, gross, und ein Fluchtversuch würde die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten beeinträchtigen.

Ein weiterer Grund für eine Sicherheitshaft, die Verdunkelungsgefahr, besteht nach Einschätzung des Obergerichts nur noch in einem geringen Masse. Es begründete dies damit, dass die fraglichen Delikte mehrere Jahre zurücklägen und somit nur noch sehr beschränkt auf Beweismittel Einfluss genommen werden könnten.

Lange Dauer der Haft

Weitere Gründe für eine Verlängerung der Sicherheitshaft sah das Gericht keine. Es berücksichtigte in seinen Ausführungen auch die lange Zeit, die der Beschuldigte bereits in Sicherheitshaft verbracht hat, und dass es noch bis zu eineinhalb Jahren dauern könnte, bis ein abschliessendes Urteil vorliege. Die Sicherheitshaft könnte damit noch auf eine Dauer von gegen sechs Jahre anwachsen.

Das Gericht verfügte neben der Freilassung auch Auflagen, die gelten, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Der Beschuldigte darf die Schweiz nicht verlassen, er erhält keine Identitätskarte und keinen Pass, und er darf keine Kontakte zu Personen und Parteien pflegen, die an seinem Verfahren beteiligt sind.

Anwalt Jaeggi bezeichnete diese Auflagen als üblich. Sie würden die Bewegungsfreiheit seines Mandanten nicht einschränken, weil er nicht vorhabe, zu verreisen.

Zwei Fälle

Der Barbetreiber soll im Januar 2010 ausserhalb seines Lokals auf einen Gast geschossen haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe die Ermordung seiner Ehefrau in Auftrag gegeben. Diese wurde im November 2010 durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt.

Das Obergericht sprach den Barbetreiber in zweiter Instanz schuldig, das Bundesgericht hob das Urteil aber auf. Der Auftragsmörder wurde rechtskräftig zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Das Bundesgericht hiess in seinem Entscheid zwei Punkte der Beschwerde gut, die die erste Tat betreffen. So darf das Obergericht bei der Neubeurteilung des Falles eine DNS-Spur nicht verwenden, und es muss weitere Anstrengungen unternehmen, um einen Hauptbelastungszeugen ausfindig zu machen.

Der verurteilte Auftragsschütze hatte kürzlich in der SRF-Sendung «Rundschau» erklärt, der Barbetreiber sei unschuldig und Opfer eines Komplotts. Die versuchte Ermordung der Frau sei von ihr selbst und ihrem Freund inszeniert worden, um den Barbetreiber in Haft zu bringen. Die Inszenierung sei aber teilweise fehlgeschlagen.

sda


Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: