Im Glashaus steigt so manche Party

GESCHÄFTSIDEE ⋅ Luzerner Gärtnereien und Blumengeschäfte haben Mühe, nur noch vom Blumenverkauf zu leben. Nun wollen sie in einem anderen Geschäftszweig wachsen.

05. Oktober 2016, 05:00

Raphael Gutzwiller

Rosen zum Valentinstag, Orchideen zum Muttertag oder ein Blumenstrauss zum Geburtstag: Wer das braucht, geht heute oft nicht mehr zur Gärtnerei, sondern kauft dies bei den grossen Detaillisten. Darunter leiden die Gärtnereien in der Region. So etwa die Gärtnerei Heini im Luzerner Friedental. «Mit den Schnittblumen verdienen wir schon lange kein Geld mehr», sagt Geschäftsinhaber Lukas Heini.

Deshalb hat der Gärtner sich etwas Neues einfallen lassen. Seit einem Monat ist mit Martin Krasniqi (35) ein Eventmanager angestellt. Er ist seit Jahren in der Gastronomie tätig und arbeitete zuletzt als Restaurationsleiter im Restaurant Maihöfli. Bei der Gärtnerei ist er nun für die Planung von Veranstaltungen zuständig. Lukas Heini dazu: «Bereits seit Anfang Jahr organisieren wir durch die Nähe zum Friedhof Leidessen für Angehörige. Zuletzt sind da auch immer mehr Geburtstagsessen und Firmenessen dazugekommen.» Die Rückmeldungen seien jeweils sehr positiv gewesen – und die Nachfrage dadurch gestiegen. «Wir wurden immer wieder für grössere Geburtstagspartys angefragt», so Lukas Heini. «Und irgendwann sagten wir uns: Wir wollen das professionell anbieten können. Deshalb haben wir eine Person dafür angestellt.»

Im September hat sich bereits etwas getan in der Luzerner Gärtnerei: Neben Leidessen und Geburtstagspartys fand ein Konzert in der Gärtnerei statt. Bald sollen auch Hochzeiten bei Heini gefeiert werden. «Es ist eine besondere Atmosphäre umgeben von unseren Pflanzen», sagt Eventmanager Martin Krasniqi. Bis zu 120 Personen können in der Gärtnerei essen – beim Apéro passen noch mehr rein. «Ich denke, es wäre auch möglich, eine Veranstaltung für 200 Leute durchzuführen, wenn wir ein bisschen umstellen», so Krasniqi.

Das Kochen übernehmen Profis. Zuständig dafür ist unter anderem das Seehotel Kastanienbaum, das von Dominik Grossenbacher geführt wird. Er sagt: «Es ist ein Konzept, das überzeugt. Deshalb wollten wir dabei sein. Zudem haben wir bereits davor Catering betrieben und können diesen Teil nun ausbauen.»

Geld verdienen und werben

Mit den Veranstaltungen will die Gärtnerei Heini nicht nur Geld machen, sondern vor allem für ihre Pflanzen werben. «Wir sind und bleiben Gärtner. Deshalb können wir solche Veranstaltungen auch als Werbung für unsere Pflanzen und Dienstleistungen nutzen», so Heini.

Die heutige Situation sei schon schwierig für Gärtnereien. «Zwar läuft es bei uns momentan noch gut, aber wir müssen schauen, dass das so bleibt», sagt Lukas Heini. Für ein Standbein der Gärtnerei, die Grabpflege, sei die Nachfrage in den letzten Jahren zurückgegangen – weil es mehr Gemeinschaftsgräber gibt. Heute pflegt Heini 2000 Gräber, vor zehn Jahren waren es noch 3000.

Der Pflanzenverkauf an sich rentiert fast nicht mehr. «Einnahmen können wir etwa durch die Balkongestaltung oder die Gartenpflege machen. Bei den Pflanzen ist die Kundschaft immer weniger bereit, für eine höhere Qualität ein bisschen mehr zu bezahlen», so Heini.

Neu ist die Idee, auf Events zu setzen, im Raum Luzern jedoch nicht. Das Blumengeschäft Flowerevents in Meggen setzt schon seit der Gründung 1999 auf Veranstaltungen in den eigenen Räumen. Dazu zählen vor allem Geburtstagsfeste und Hochzeiten. In seinem Geschäft, dem flächenmässig grössten Blumengeschäft der Schweiz, hat Inhaber Karl Zuber Platz für 64 Gäste. Zur neuen Entwicklung sagt er: «Aktuell ist es schon ein Hype, solche Veranstaltungen in Gärtnereien durchzuführen. Die saisonale Stimmung macht es attraktiv.»

Mit Ausstellungen neue Kunden gewinnen

Doch es gibt auch weiterhin Blumengeschäfte oder Gärtnereien, die noch von ihrem Kerngeschäft leben. Dazu zählt etwa der «Luzerner Garten» an der Adligenswilerstrasse in Ebikon. Verkaufsleiter Christian Scheuermeyer sagt: «Wir setzen auf unsere Eigenproduktion von Pflanzen und unsere traditionellen Ausstellungen.» Dazu gehören die Orchideenschauen (zweimal jährlich), die Adventsausstellung und die Tulpenschau im Frühling. «Damit können wir Kunden gewinnen, die sonst nicht in unsere Gärtnerei kommen würden», so Scheuermeyer. «Etliche kommen für unsere Ausstellungen von weiter her.»

Zudem sei die Auswahl an Gewürzen, die in der Gärtnerei kultiviert werden, sehr gefragt – auch bei Restaurants oder Landschaftsgärtnern. «Unsere Ausstellungen, unsere Orchideen und Blumenzwiebeln sowie unsere Gewürze sind unsere starken Standbeine, die uns von den Mitbewerbern unterscheiden», sagt Scheuermeyer. Ebenfalls ein Besuchermagnet – vor allem für Kinder – sei die Gartenbahn, eine kleine Bahn, die bei den Ausstellungen in Betrieb ist.

Auch im «Luzerner Garten» hat man schon darüber diskutiert, selber Veranstaltungen zu organisieren, verrät Christian Scheuermeyer. «Bisher haben wir das aber nicht ernsthaft in Betracht gezogen, da dies nicht so einfach umgesetzt werden kann. Wenn, dann müsste man das sehr professionell aufziehen.» Zudem könnten Bewilligungen oder Lärm zu Problemen führen, so Scheuermeyer: «Für uns ergibt es Sinn, sich darauf zu konzentrieren, was andere nicht bieten können.»


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