Im Lastwagen durch Sibirien

REISEN ⋅ Lukas Achermann aus Schachen ist seit seiner Kindheit von Russland fasziniert. Jetzt erfüllt er sich seinen Traum und bietet Touren durch Sibirien an, das er selber ausgiebig erkundet hat.

26. November 2016, 05:00

Gabriela Jordan

Was würden Sie sich wünschen, wenn Ihnen eine Fee einen Wunsch erfüllen könnte? Als sich Lukas Achermann (45) aus Schachen diese Frage stellte, kannte er die Antwort darauf schon länger: Er wünschte sich, ein Reiseleiter in Sibirien zu sein. Heute, elf Jahre später, führt er ein Reisebüro und bietet zwei- oder dreiwöchige Touren im fernen Osten Russlands an. Das Spezielle an seinem Angebot: Er will seine künftigen Kunden in einem Lastwagen, den er selber umgebaut hat, durch das Land kurven. So erstaunlich das zunächst klingt, auf den zweiten Blick ist es das nicht: Achermann arbeitete jahrelang als Fernfahrer und ist heute noch als stellvertretender Werkstattleiter in Schachen tätig. Als er zum ersten Mal nach Russland ging, reiste er auf die gleiche Weise.

Kopfreisen führten ihn schon als Junge nach Sibirien

Doch warum entschied er sich ausgerechnet für Sibirien, eine Gegend, die für Mitteleuropäer der Inbegriff einer frostigen, weiten Einöde ist? «Irgendwie hat mein Herz schon immer für Russland geschlagen», versucht Achermann seine Faszination zu erklären. Diese sei schon früh in seiner Kindheit erwacht, als er viele Bücher über Russland und andere weit entfernte Regionen gelesen habe. «Ein wenig», gesteht er, «hat mich damals auch das vermeintlich Böse an Russland fasziniert.» Denn die «Bösen» hätten meistens mehr Charakter. Das in seiner Kindheit geltende Feindbild von Russland habe ihn auch deshalb neugierig gemacht, weil er geahnt habe, dass die Dinge nicht so schwarz-weiss seien, wie es im Kalten Krieg den Anschein hatte. Ehe er seiner Neugier nachging und zum ersten Mal nach Russland reiste, dauerte es aber noch bis zu seinem 34. Lebensjahr. «Ich war damals nicht glücklich in meinem Job und sagte mir, jetzt musst du etwas ändern.» Kurzerhand kündigte er seinen Job, baute in seinen Lastwagen eine Schlafstelle und eine Küche ein und fuhr los.

Schöne Landschaft und warmherzige Leute

Seine sechsmonatige Reise führte ihn über Ex-Jugoslawien in die Türkei und durch die Länder Iran, Turkmenistan und Usbekistan. Danach zog es ihn über Kasachstan, Kirgisien und das Altaigebirge in der Mongolei, bis er schliesslich den Baikalsee in Sibirien erreichte. «Als ich dort ankam, bekam ich plötzlich eine Hühnerhaut», erinnert er sich. Die Weite, die schöne Landschaft und die warmherzigen Leute hätten es ihm angetan. «Es gibt viele kleine Dörfer, und irgendwann trifft man immer auf andere Menschen, die einem im Falle einer Panne auch gerne helfen.»

Zurück in die Gegenwart: Achermann hofft nun, dass er eines Tages nur noch von seinem Reisebüro Pajechali-Reisen leben kann, das er in diesem Jahr eröffnet hat. «Pajechali» ist russisch und bedeutet «Auf gehts!». Um mehrere Routen auszutesten und verschiedene Reiseprogramme zusammenzustellen, fuhr er diesen Sommer wieder nach Sibirien, diesmal bereits zum siebten Mal. Mit dabei: seine Frau und ihre zwei Kinder (18- und 20-jährig). «Den Kindern hat es wahnsinnig gut gefallen, aber meine Frau reist nicht sehr gerne.» In seinem Traum unterstütze sie ihn aber trotzdem, selbst wenn er – sollte er Erfolg haben – weniger oft zu Hause sein werde. Ein paar Anfragen zu seinem Angebot hat er schon erhalten, doch gebucht hat es bisher noch niemand. «Lieber grandios scheitern, als gar nichts probieren», findet er. Eine solche Reise buche man zudem nicht spontan. Lukas Achermann ist deshalb zuversichtlich: «S’chond scho no», sagt er und eilt dann zu seinem Russischkurs.

Hinweis
Mehr über Lukas Achermann gibt es heute um 20.10 Uhr in der Sendung «Jetzt oder nie – Lebe deinen Traum» auf SRF 1 zu sehen.

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Lukas Achermann bietet Reisen durch Sibirien an – in einem von ihm umgebauten Lastwagen. Am 26. November ist er in der SRF-Sendung «Jetzt oder nie – Lebe deinen Traum» zu sehen.


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