Im Nidfeld ist Ende Monat definitiv Schluss

FAHRENDE ⋅ Standplätze für Fahrende sind im Kanton Luzern noch immer Mangelware – dies, obwohl ein im Jahr 2003 gesprochenes Bundesgerichtsurteil die Kantone verpflichtet, für genügend Plätze zu sorgen.
20. März 2017, 07:14

Nach einem Notstand und einer daraus resultierenden Protestaktion von Jenischen im letzten Frühling spitzt sich die Lage nun erneut zu. Denn auf Ende Monat läuft eine Nutzungsvereinbarung für das Nidfeld-Areal in Kriens aus.

Die brachliegende Fläche war im April 2016 von der Eigentümerin Coop im Sinne einer Übergangslösung als Standplatz kurzfristig zur Verfügung gestellt worden. Im Herbst willigte Coop ein, die Vereinbarung mit dem Kanton bis Ende März 2017 zu verlängern. Doch nun ist im Nidfeld definitiv Schluss, wie Kantonsplaner Mike Siegrist auf Anfrage bestätigt. Bekanntlich plant Coop auf dem Gelände eine Grossüberbauung.

Platz wird von Roma-Grossfamilie genutzt

Ein Augenschein im Nidfeld zeigt: Der Platz wird derzeit intensiv genutzt; eine Roma-Grossfamilie lebt gerade hier. Über das baldige Ende des Standorts ist man nicht informiert, wie ein Sprecher sagt. Gleichzeitig tönt er an, dass man wohl ohnehin bald weiterziehen werde. Mike Siegrist: «Trotz intensiver Nutzung verläuft der Betrieb momentan reibungslos. Alle Fahrenden auf dem Nidfeld sind zudem jeweils bei der Gemeinde angemeldet und bezahlen somit auch die vereinbarten Gebühren.» Es ist damit zu rechnen, dass in diesen Wochen wieder vermehrt jenische Familien ihr Bedürfnis nach einem Standplatz anmelden. Diese grösste Gruppe unter den Schweizer Fahrenden lebt in der kalten Jahreszeit häufig an einem fixen Ort. Wenn es dann wärmer wird, beginnt die Wanderschaft.

Wo werden sie nun in der Region eine Bleibe finden? Fix zur Verfügung steht derzeit einzig der schon länger genutzte Platz im Ibach. Seine Kapazität reicht allerdings bei weitem nicht aus. Das ist auch dem Kanton bewusst: «Wir sind intensiv daran, eine Anschlusslösung auszuarbeiten», sagt Mike Siegrist. Noch sei diese allerdings nicht spruchreif.

Möglicherweise handelt es sich bei der Lösung um einen Teil des Biobauernhofes Waldhus in Neuenkirch, bewirtschaftet von Sepp und Susanne Grüter. Familie Grüter signalisierte im letzten Jahr, dass sie bereit sei, auf dem Grundstück einen Durchgangsplatz zur Verfügung zu stellen. Dieses Angebot besteht weiterhin, wie Sepp Grüter auf Anfrage versichert. Vom Kanton werde es wohl noch immer geprüft. Definitiv habe er weder eine Absage noch eine Zusage erhalten. Die Grüters stehen allerdings auch mit Fahrenden direkt in Kontakt. Sepp Grüter: «Voraussichtlich kommen im April zirka zehn jenische Familien zu uns.»

 

Christian Peter Meier

christian.meier@luzernerzeitung.ch


Login

 
Leserkommentare

Anzeige: