Jahrelange Posse zwischen Konditormeister und Stadt

LUZERN ⋅ Bereits seit 13 Jahren verhandeln Eigentümer und Stadt über ein Stück Trottoir. Dabei variiert der gebotene Quadratmeterpreis zwischen 800 und 4200 Franken.

07. März 2016, 05:00

Sandra Monika Ziegler

Das umstrittene Stück Trottoir befindet sich in der Luzerner Altstadt am Löwengraben 9 und gehört zum Grundstück Nummer 107. Die Stadt Luzern will das 5,5 Quadratmeter grosse Stück, das Konditormeister Max Dudle gehört, für die Löwengraben-Sanierung kaufen. Aus der ursprünglichen Strasse Grendel–Löwengraben soll eine Flaniermeile entstehen. Geplant ist, die Trottoirabsätze links und rechts zu entfernen. Gegen den Verkauf des Trottoirabschnitts hat Max Dudle nichts, denn auch er ist für die geplante Sanierung.

Kaufangebot änderte mehrmals

Erste Gespräche zwischen Tiefbauamt, Rechtsdienst der Baudirektion und Dudle fanden bereits im Jahr 2002 statt. Und sie dauern immer noch an. Härtester Knackpunkt der Verhandlungen ist der Preis, den die Stadt für das 5,5 Quadratmeter umfassende Stück Trottoir zahlen will. Im Jahr 2003 machte sie das Angebot von 800 bis 2500 Franken pro Quadratmeter. Doch Dudle wies den offerierten Betrag zurück, dies weil er zu tief angesetzt war. Einige Verhandlungen später lag der Quadratmeterpreis zwischen 1800 und 4500 Franken, wie Dudle durch den Briefverkehr mit der Stadt belegt.

Doch wie kommt es zu einer solch grossen Preisspanne? Dudle lacht amüsiert: «Das ist ganz einfach. Der Beamte A weiss nicht, was der Beamte B macht. Die kommunizieren nicht miteinander.» Denn würden bereits erstellte Protokolle und Unterlagen konsultiert werden, dann wäre es klar. Doch jeder, der sich mit der «Causa Dudle» beschäftige, fange wieder bei null an, so Dudle. Deshalb gebe es jedes Mal einen neuen Preis. Als weiteres Beispiel nennt er einen Vorschlag aus dem Jahr 2005. Das Angebot lag bei 18 000 Franken für das ganze Stück Trottoir. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 3273 Franken. Dies akzeptierte die Stadt in ihrem Schreiben und versprach, «in den nächsten Tagen die Mutationspläne in Auftrag zu geben».

Stadt rechnete mit 4200 Franken

Es gab aber auch schon Verhandlungen, da waren sich die Stadt und der Konditormeister einig. Doch die damals ausgehandelten Vereinbarungen für einen Quadratmeterpreis von 1800 Franken wurden nicht im Grundbuch eingetragen. Rückblickend erweist sich dies als Vorteil für Max Dudle. Denn so hatte er die Chance, in Erfahrung zu bringen, dass die Stadt Luzern am Löwengraben mit 4200 Franken pro Quadratmeter rechnet. Ein Preis, der weit über dem damaligen Angebot liegt. Für Dudle ist klar: «Es wird offensichtlich nicht mit den gleichen Ellen gemessen. Das ärgert mich, da fühle ich mich über den Tisch gezogen.»

Dudle hat genug

Und wieder vergingen Jahre, und es war keine Einigung in Sicht. Das bisher letzte Angebot der Stadt Luzern liegt aktuell bei 10 000 Franken für das ganze Stück Trottoir, also ein Quadratmeterpreis von 1818 Franken. Dudle: «Jetzt habe ich genug. Für das Stück Trottoir im Löwengraben will ich die einst gebotenen 4200 Franken pro Quadratmeter.» Mit diesem Preis würde er 10 300 Franken mehr bekommen als beim aktuellen Angebot. Das sei eigentlich noch günstig, versichert Dudle schmunzelnd. Denn in der Weggisgasse rechne die Stadt mit rund 10 000 Franken pro Quadratmeter. Pikant daran: Dudles Haus hat zwei Ausgänge – einen in den Löwengraben und den anderen in die Weggisgasse.

Auch Enteignung war schon Thema

In einem weiteren Akt der Posse hat die Stadt sogar Enteignung aufs Tapet gebracht. Das kümmert Eigentümer Max Dudle wenig. Es sei einfach nur ärgerlich, so der rüstige Rentner. Auf die Drohung der Enteignung teilte Dudle der Stadt schriftlich mit, dass das sehr kontraproduktiv in Bezug auf das Sanierungsprojekt sei. Denn bis ein Enteignungsverfahren alle Instanzen passiert habe, können gut bis zwei Jahre vergehen. Das würde das Projekt Löwengraben nur unnötig weiter verzögern. Dudle hält fest: «Die Enteignung verletzt den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, da bin ich klar dagegen. Wütend machen einem auch die wechselnden Preise. Die Angebote der Stadt reichen jetzt mittlerweile von 800 bis 4500 Franken pro Quadratmeter.»

Ball liegt bei der Stadt

Dreizehn Jahre und einige Briefwechsel später hat sich bezüglich Landverkauf immer noch nichts geändert. Einziger Unterschied: Der «Strassenperimeter Dudle» ist mit zwei Eisenprofilen hoheitsrechtlich markiert. Hoffnung, dass etwas geht, hegte Dudle an der letzten Versammlung vom Quartierverein Altstadt. Denn da war auch Luzerns Baudirektorin Manuela Jost als Gast angesagt. Diese Chance nutzte Dudle und sprach sie am Anlass direkt an. Sie versprach, sich der Sache persönlich anzunehmen, wie Dudle erzählt. Doch seither habe er nichts mehr gehört. Manuela Jost erinnert sich: «Ich habe mich mit Herrn Dudle unterhalten und ihm gesagt, dass ich sein Anliegen gerne entgegennehme und die verantwortliche Stelle in der Verwaltung informieren beziehungsweise an sein Anliegen erinnern werde, was ich auch gemacht habe.»


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