Jetzt sind wieder viele Jäger auf der Pirsch

HERBST ⋅ Die Jäger haben derzeit Hochsaison. Stark bejagt werden Rehe, Gämsen und Rotwild. Laut Statistik wurde in der Saison 2015/16 sogar ein Waschbär erlegt.

06. Oktober 2016, 05:00

Die Jagdsaison ist wieder voll im Gang. Am 1. Oktober hat die Treibjagd begonnen, die bis zum 15. Dezember dauert. 2450 Personen sind derzeit mit Jahres- oder Tagesjagdpässen im Kanton Luzern zur Jagd berechtigt. Davon sind 68 Frauen.

Eigentlich ist das Jagen praktisch das ganze Jahr möglich, wie der Jagdkalender zeigt. Ein neues Jagdjahr beginnt jeweils am 1. April. «Die Steuerung erfolgt über unterschiedliche zeitliche Jagbarkeit», sagt Peter Ulmann, Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei bei der Dienststelle für Landwirtschaft und Wald. So seien zum Beispiel die Kälber des Rotwilds im August und September noch nicht jagbar. Zudem bestehe die Verpflichtung, in der jeweiligen Jagdstrecke ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auszuweisen.

Rotwildbestand nimmt weiterhin zu

Laut Ulmann gibt es für die Bejagung zwei Wildtier-Kategorien: «Einerseits die sehr zahlenstarken Arten mit grosser Verbreitung und hohen Zuwachsraten, andererseits die natürlicherweise seltenen respektive nicht flächig verbreiteten Arten mit weniger hohen Zuwachsraten.» Bei Ers­teren laute die Frage «Wie viele Tiere müssen (minimal) erlegt werden?», bei der zweiten Kategorie laute die Frage «Wie viele dürfen (maximal) erlegt werden?». Rotwild etwa gehört zur ersten Kategorie.

Die Rotwildpopulation ist in den vergangenen Jahren im Kanton Luzern stark angestiegen. Im Frühjahr 2010 lag der Bestand beim Rotwild bei 136 Tieren. Im Frühling wurden bereits 288 Tiere gezählt. Weil die bis zu 120 Kilogramm schweren Rot­hirsche anderen Tieren den Platz streitig machen, wird der Bestand durch die Jagd stark reguliert. Das Abschussziel liegt im Jagdjahr 2016/17 beim Rotwild bei 120 Tieren. Im vorgängigen Jagdjahr wurden 94 Tiere Rotwild geschossen.

Bei den Gämsen sind im aktuellen Jagdjahr 294 Tiere zum Abschuss freigegeben, bei den Rehen sind es 4245 Tiere. Zum Vergleich: Im Jagdjahr 2015/16 wurden 227 Gämsen geschossen, hinzu kamen 18 Stück Fallwild. Diese kamen nicht durch die Jagd, sondern etwa durch Krankheiten oder bei einem Wildunfall im Strassenverkehr zu Tode. Bei den Rehen lag die Abschusszahl im Vorjahr bei 4006 Tieren. 724 Rehe endeten als Fallwild.

Die jagbaren Huftiere landen zum Beispiel als Hirsch-, Reh- oder Gämspfeffer auf dem Teller, bei anderen Tierarten wie dem Dachs, Marder oder Fuchs wird vor allem das Fell verwendet, bei letzterem auch die Fangzähne als Schmuck. Theoretisch könnten auch diese Tiere im Kochtopf landen, aber: «All diese genannten Arten sind ganz oder teilweise Fleischfresser oder Allesfresser. Bei diesen Tieren müsste – wollte man beispielsweise die Hinterbeine als Schinken verwenden – bei einem dafür ausgerüsteten tiermedizinischen Labor die Trichinenschau gemacht werden», sagt Ulmann. Trichinen sind winzige Fadenwürmer mit parasitischer Lebensweise. Sie führen beim Menschen zu Symptomen wie Schwindel, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall.

Im Wald nützlich, auf den Feldern verhasst

Jagbar sind im Kanton Luzern auch Wildschweine. «Der Wildschweinbestand wird auf zwei bis drei Dutzend Tiere geschätzt, wie bereits im Vorjahr», sagt Ulmann. Das sogenannte Schwarzwild, das sich vorwiegend in den nördlichen Regionen des Kantons ansiedelt, wird nicht bei allen gleich gern gesehen. Während Wildschweine im Wald von grossem Nutzen sind, weil sie den Waldboden auflockern, verursachen sie auf Feldern und Wiesen grosse Schäden. Auf der Suche nach Futter können sie ganze Kartoffelfelder umgraben oder Maisfelder zerstören. Durch die Jagd sollen der Bestand der Wildschweine im Kanton Luzern kontrolliert und die Schäden durch das Schwarzwild verringert werden.

Weiter zählen auch Feldhasen zu den jagbaren Tieren. «Sie dürfen lokal gejagt werden, aber auf immer noch tiefem Niveau», sagt Ulmann. Der Grund liegt in der stark rückläufigen Feldhasenpopulation im Kanton Luzern. Darum hat der Kanton seit April 2014 neue Schon- und Jagdzeiten bei den Feldhasen eingeführt. Dieser darf nur noch vom 1. November bis 15. Dezember gejagt werden. Im Jagdjahr 2015/16 wurden insgesamt 22 Feldhasen geschossen. Einen Feldhasen zu schiessen, ist unter Jägern im Kanton Luzern also eine Seltenheit. Auch eine besondere Rarität wird in der Jagdstatistik aufgeführt: Ein Jäger hat im letzten Jagdjahr einen Waschbären erlegt. «Der Waschbär ist jagbar, weil diese Tierart hier nicht einheimisch ist, sondern eingeschleppt wurde», erklärt Ulmann. «Nach Bundesrecht haben die Kantone dafür zu sorgen, dass eingeschleppte und in die freie Wildbahn gelangte Exoten wie eben der Waschbär reguliert werden und sich nicht ausbreiten.»

Susanne Balli


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