Junge entdecken das Fischen

FREIZEIT ⋅ Fischen liegt bei Kindern und Jugendlichen im Trend. Zunehmend interessieren sich auch Mädchen und junge Frauen dafür.

10. Oktober 2016, 05:00

Wer am Rotsee entlangspaziert, dem fällt auf: Die Uferplätze sind gut belegt mit jungen Fischern. Peter Schürmann, Vorstandsmitglied des kantonalen Fischereiverbands, bestätigt die These: «Immer mehr Kinder interessieren sich für diese Freizeitbeschäftigung.» Er beobachte, dass seit ein paar Jahren vor allem Kinder zwischen sechs und acht Jahren fischen lernen wollten. Bei den Teenagern würde die Begeisterung an diesem Hobby vorübergehend abnehmen. Schürmann: «Nach dem 20. Lebensjahr steigt das Interesse wieder, deshalb haben wir im Kanton Luzern eine grosse Anzahl jüngerer Angler.»

Im Jahr 2011 wurden am Sempachersee beispielsweise 1202 Patente zum Fischen gelöst. Letztes Jahr waren es 1280. Das entspricht einem Anstieg von 6,5 Prozent. Am meisten Neu­fischer registrierte die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald im Jahr 2012 mit 1593 Patenten. Gemäss Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Fischerei der Dienststelle Lawa, würden die meisten Sportfischer ihr Patent auf den Sempachersee eintragen. Amrein kennt auch den Grund dafür: «Die Auswertungen der Fangstatistiken zeigen, dass dieser See im Kanton Luzern für ­Fischer am ertragsreichsten ist.»

Hallwilersee zieht Jahr für Jahr mehr Fischer an

Über den ganzen Kanton betrachtet, relativiert Amrein den Anstieg: «Die Zahlen pendeln sich seit einigen Jahren bei rund 2400 Sportfischern ein.» Die ­Anzahl der Patente schwanke. «Dass in einem Jahr 100 Patente mehr oder weniger gelöst werden als in einem anderen, ist normal», sagt er. Im Kanton Aargau kann man unter anderem für den zum Kanton gehörenden Teil des Hallwilersees sogenannte Hallwilersee-Karten lösen. Diese sind gleichzusetzen mit Patenten. Die Entwicklung dieser Zahlen ist beeindruckend: Zählte man im Jahr 2011 288 solcher Karten, waren es 2015 bereits 350. Heuer wurden schon 420 Patente vergeben.

Noch extremer ist der Zuwachs an jungen Fischern am Lungerersee im Kanton Obwalden, wo regelmässig Fische ausgesetzt werden. Zählte die Fischerparadies AG, welche für den Lungerersee zuständig ist, im Jahr 2011 rund 4000 Patente, waren es letztes Jahr mit 16 000 viermal so viel. Willy Walker, Verwaltungsrat bei der Fischerparadies AG, sagt dazu: «Es ist toll, dass die jungen Leute das Fischen als Hobby entdecken.» Walker beobachtet auch ein neues Phänomen: «Zunehmend interessieren sich auch Mädchen und junge Frauen fürs Fischen.» Ein Tagespatent für den Lungerersee kostet für Erwachsene 35 und für Jugendliche 30 Franken – inklusive 5 Franken Kaution. Walker gibt auch Kurse für Jungfischer. «Diese sind voll im Trend.»

Weniger Patente wurden für den Sarner-, Alpnacher- und Wichelsee ausgestellt, wie ein Blick auf die aktuellsten Zahlen zeigt. Der Verkauf von Tagespatenten für Jugendliche und Kinder blieb zwischen 2011 und 2015 fast unverändert bei unter 20. Der grösste Anstieg verzeichnet man bei den Tageskarten für Erwachsene: Dort stieg die Anzahl Patente im gleichen Zeitraum von 136 auf 324.

Vom Trend profitieren auch die Fischereigeschäfte, wie beispielsweise das Emmer Fischerei-Fachcenter. Geschäftsinhaber Marco Häfliger sagt: «Der Trend ist nicht neu, hält aber weiterhin an.» Welche Produkte die Jungen kaufen, ist davon abhängig, wo und wie sie fischen wollen», erklärt er. Häfliger begrüsst diesen fortsetzenden Trend: «Schön, dass die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass es auch noch anderes gibt als Gamen.» Das Bedürfnis, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, sei wieder mehr vorhanden, glaubt er. Auch das Geschäft Stampfli Waffen AG in der Stadt Luzern spürt den Boom, wenn auch etwas abgeschwächt, weil sie mit Waffen das Hauptgeschäft machen. Inhaber Martin Küng sagt jedoch: «In den letzten sechs Jahren hat man gemerkt, dass mit den Anglerprodukten kontinuierlich etwas mehr Umsatz generiert wird.»

Um das Anglerpatent zu erhalten, müssen die angehenden Fischer einen Kurs besuchen. Dieser findet einmal im Monat statt und wird unter anderem von Peter Schürmann geleitet. «Der Kurs ist meistens ausgebucht; das heisst, dass zwischen 25 und 30 Personen teilnehmen.» Derzeit seien rund ein Drittel der Teilnehmer Kinder, stellt Schürmann fest. «Die ganz jungen Kinder werden noch von den Eltern begleitet», fügt er an.

Stellt sich die Frage: Muss angesichts des kontinuierlichen Andrangs das Angebot ausgebaut werden? Schürmann: «Wir haben das Gefühl, Angebot und Nachfrage stimmen derzeit überein.» Im Tageskurs, der 75 Franken kostet, lernen die Teilnehmer zum Beispiel die Fischarten, die korrekte Behändigung des gefangen Fisches sowie das fach- und tierschutzgerechte Töten.

Yasmin Kunz

So viel kostet ein Patent

Im Kanton Luzern gibt es verschiedene Arten von Fischereipatenten. Diese kosten je nach Zeitspanne und Gewässerart zwischen 35 Franken und 420 Franken. Abhängig ist der Preis auch vom Wohnort der Fischer. 35 Franken kostet beispielsweise ein Tagespatent für die Kleine Emme oder die untere Reuss. 420 Franken hingegen zahlt ein auswärtiger Fischer für ein Jahreskombipatent. Dieses beinhaltet Flug-, Spinn-, und Grundangel sowie Hegenen- und Schleppfischerei.

Neben dem Patentfischen gibt es auch noch die Freiangler. Freiangeln ist am Sempachersee mit einer Rute und einer einfachen Angel von öffentlich zugänglichen Ufern, Brücken und Stegen aus ohne Bewilligung und Gebühren erlaubt. Anders sieht es am Hallwilersee im Kanton Aargau aus: Dort benötigen auch Freiangler ein Patent.


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