Junge wollen sich in Montreux beweisen

ZELL ⋅ Die Hinterländer Jugend Brass Band bereitet sich auf die Schweizer Meisterschaft vor. Obwohl viele Kinder des Ensembles zum ersten Mal beim Wettbewerb in Montreux teilnehmen, wollen sie mehr als nur mitspielen.

24. November 2016, 05:00

Die Vorfreude auf ihren ersten grossen Auftritt können Jana Limacher und Ilya Kurmann nicht verbergen. Die beiden 13-jährigen Schülerinnen aus Zell treten mit der Hinterländer Jugend Brass Band am kommenden Samstag in der legendären Miles Davis Hall in Montreux auf.

Die zwei Cornettistinnen nehmen am schweizerischen Brass-Band-Wettbewerb, also der Schweizer Meisterschaft, teil. Sie werden mit rund 30 Musikerkollegen alles daran setzen, der Jury zu beweisen, dass sie die Besten ihrer Klasse (4. Klasse) sind. «Wir haben viel geprobt. Wir werden am Wettbewerb unser Bestes geben», sagt Ilya Kurmann, was ihren Dirigenten Luca Frischknecht sichtlich freut. «Genau darum geht es. Wir fahren mit der Band dieses Jahr zum dritten Mal nach Montreux. Für die beiden Mädchen wird es eine schöne Erfahrung, der Rest wird sich zeigen», sagt er.

Junge Luzerner Musiker sind beflügelt

Jana hat konkretere Vorstellungen, was das Abschneiden ihres Ensembles betrifft. «Ich kann es fast nicht erwarten, in Montreux vorzuspielen. Mein Ziel ist, zu gewinnen.» Sie wirft diese Aussage sehr selbstbewusst in die RundeAABB22– und dies nicht ohne Grund. Denn die Hinterländer Jugend Brass Band hat im letzten Jahr gewonnen, was die junge Musikerin offenbar beflügelt. «Luca sagt uns immer genau, was wir machen müssen und auf welche Weise wir zu Hause proben sollen. Er ist streng, aber er kann etwas», beschreibt sie den musikalischen Leiter der Nachwuchs-Band und unterstreicht damit indirekt, dass für die Hinterländer etwas zu holen ist in der Westschweiz.

Der Kanton Luzern ist in Montreux jedes Jahr stark vertreten und oftmals erfolgreich. Dieses Jahr wollen 14 Luzerner Ensembles in fünf Stärkeklassen zeigen, in welchem Kanton die besten Brass Bands zu Hause sind. Aus der Zentralschweiz ist ausserdem die Musikgesellschaft Risch Rotkreuz mit einer Band in der Höchstklasse und einer in der 4. Klasse am Start. Insgesamt präsentieren sich in Montreux 66 Bands aus allen Landesteilen. Das ist laut Ariane Brun, der Präsidentin des Schweizerischen Brass-Band-Verbandes, ein neuer Rekord. Sie freut sich überdies, dass auch in der 4. Klasse immer mehr Bands antreten. «Dieses Jahr haben sich sechs Bands angemeldet. Letztes Jahr waren es nur vier. Darauf können wir aufbauen», so Brun.

Zwei starke Brass-Band- Regionen vertreten

Viele Bands, rund 20 an der Zahl, sind aus dem Welschland. Oft machen die Westschweizer und die Luzerner die Gewinner unter sich aus. In der Höchstklasse spielt die Brass Band Bürgermusik Luzern seit Jahren ganz oben mit. Seit 2010 belegten sie dreimal einen Platz unter den ersten drei – jeweils hinter Bands aus dem Wallis oder Fribourg. Bemerkenswert aus kantonaler Sicht war der Wettbewerb im Jahr 2012. Zwar musste sich die Bürgermusik mit dem 2. Platz zu­frieden geben, in sämtlichen an­deren Klassen siegten aber Bands aus dem Kanton Luzern.

Im Jahr 2013 holte die Brass Band Bürgermusik Luzern den lang ersehnten Schweizer-Meister-Titel, was sie zur Teilnahe an der Europameisterschaft im Frühjahr 2014 berechtigte. Mit dem Selbstbewusstsein, die Besten der Schweiz zu sein, holten sie auch den EM-Titel. Dies zeigt, wie hoch das Niveau in Montreux und in der Schweiz generell ist.

«Die Proben sind relativ hart»

Zurück zu den jungen Musikern aus dem Hinterland. Wie erwähnt, sind einige von den rund 30 Mädchen und Buben zum ersten Mal in Montreux dabei und spielen erst seit dieser Saison bei der Band. Das bedeutet auch, dass sie jetzt anspruchsvollere Kompositionen spielen müssen. «Bis im Sommer spielten die Jüngeren der Band sehr einfache und kurze Melodien. Etwa eine vereinfachte Version eines James-Bond-Soundtracks oder ‹Ds Hippigschpängschtli› von Peter Reber», erzählt Frischknecht. «Wir haben hart gearbeitet. Die Proben sind relativ taff, aber es hat sich gelohnt. Was die Kinder in den drei Monaten seit Beginn der Proben gelernt haben, ist immens.» Anstatt Stücke von zwei Minuten zu spielen, dauert das Aufgabenstück in Montreux 13 Minuten. Daran müssten sie sich erst gewöhnen.

Das Aufgabenstück der 4. Klasse heisst «Evolution». «Eine tolle Nummer und für eine Jugend Brass Band sehr anspruchsvoll», sagt auch Ariane Brun. Die 4. Klasse sowie die 2. und die 1. Klasse spielen am Samstag. Die Bands der Höchstklasse und der 3. Klasse messen sich am Sonntag.

Roger Rüegger


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