Stadtwärts

Kalauer im Parlament

Robert Knobel über witzige Zwischentöne im Luzerner Stadtparlament.
18. April 2017, 08:54

«Nach einer hitzigen Debatte wurde das Geschäft mit 23 zu 20 Stimmen versenkt.» So oder ähnlich tönt es meist in unserer Zeitung, wenn wir über das Luzerner Stadtparlament be­richten. Viel zu selten ins Blatt schaffen es aus Platzgründen all die witzigen Zwischentöne, die es trotz «hitziger» Debatte meist auch noch gibt. Jammerschade, dass unsere Leser nur wenig mitbekommen vom launisch- intellektuellen Sermon eines Mario Stübi (SP) oder von den wortgewaltigen Predigten eines Michael Zeier-Rast (CVP). Und wenn erst der legendäre Ex-Gemeindeammann Joseph Schärli (SVP) die Wände erzittern lässt, dann weiss man beruhigt, dass Littau in guten Händen ist.

Die neuen Mehrheiten im Stadtparlament sind es natürlich ebenfalls wert, aufs Korn genommen zu werden. Der «Geheimdeal», den die SP mit der GLP vor den Stadtratswahlen abgeschlossen hat, entwickelte sich geradezu zum Gassenhauer, den die Bürgerlichen süffisant bei jeder erdenklichen Gelegenheit hervorkramten. Kein Wunder, dass SP-Fraktionschef Nico van der Heiden «extra meine linke Seite herausgepützelt» hat, als er sich Anfang April zur Neugestaltung des linken Seeufers äusserte. Etwas ausgeglichener ist da Parteikollege und -präsident Claudio Soldati: «Mein Herz ist nicht nur SP-rot, sondern auch rot-schwarz wie der FC Kickers.» Was soll dieses Gesülze, mag sich SVP-Fraktionschef Marcel Lingg angesichts solcher Voten immer wieder mal denken. Allergisch ist er insbesondere gegen Begriffe wie «Kreativwirtschaft». In Zeiten, wo sich selbst Coiffeure als Kreativköpfe bezeichnen, sah sich Lingg schon mal genötigt, klarzustellen, dass sein Coiffeur jedenfalls nicht kreativ sei!

Damit nicht der Eindruck entsteht, im Grossen Stadtrat würde nur gekalauert, hier noch ein Spruch, der auf seine Art «historisch» ist: «Die Firmensteuern der LUKB sind für die Stadt sehr relevant.» Das war der erste Satz, den Neo-Stadträtin Franziska Bitzi (CVP) in ihrer neuen Funktion in der Parlamentssitzung vom 6. April sprach. Hoffen wir, dass wenigstens das ganz ohne Ironie gemeint war.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch


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