Kastanien trotzen aggressivem Pilz

HERBST ⋅ Auf knapp 20 Hektaren wachsen in der Zentralschweiz Edelkastanien, rund 8 Hektaren befinden sich im Kanton Luzern. Dabei soll es nicht bleiben – obwohl die Bäume zwei natürliche Feinde haben.

04. Oktober 2016, 05:00

Mit dem Herbst kommt wieder die Lust auf heisse Marroni auf. In den nächsten Tagen beginnt die Kastanienernte, die bis Ende Oktober dauert. Und am 23. Oktober steigt in Greppen die traditionelle «Chestene-Chilbi» (siehe Hinweis). Dank der Bestrebungen der Interessengemeinschaft (IG) Pro Kastanie gibt es in der Zentralschweiz mittlerweile knapp 20 Hektaren Edelkastanienhaine auf 16 Flächen, 8 davon befinden sich im Kanton Luzern: in Weggis, Luzern/Adligenswil, Horw, Vitznau und in Meierskappel.

Neue Alleen geplant

«Wir sind dabei, die bisher eingerichteten Kastanienhaine weiterzuentwickeln und Folgeprojekte umzusetzen», sagt Josef Waldis, Präsident der IG Pro Kastanie. So sind laut Waldis zwei bis drei Kastanienalleen geplant, insbesondere entlang von Wegen abseits der Hauptverkehrsachsen. Zudem sollen weitere Kastanienhaine gepflanzt werden. «Spruchreif sind diese Projekte allerdings noch nicht», sagt Waldis. Man befinde sich in Gesprächen mit Grundeigentümern. Darum könne er noch keine Details verraten.

Mit der Förderung des Kastanienanbaus allein ist es aber nicht getan. Zwei Schädlinge stellen für die einheimischen Kastanienbäume eine Bedrohung dar: die Pilzerkrankung Kastanienrindenkrebs und die Edelkastanien-Gallwespe. Ende der 80er- und in den 90er-Jahren setzte der Kastanienrindenkrebs den Kastanienbäumen zu. Der Pilz ist sehr aggressiv und nach wie vor aktiv. Er muss regelmässig bekämpft werden. Dies geschieht durch Zurückschneiden der befallenen Äste und Kronenteile. «Manchmal muss ein ganzer Baum gefällt werden», sagt Waldis. Im März habe man im grössten Weggiser Kastanienhain Chesteneweid den Pilzbefall kontrolliert und betroffene Bäume zurückgeschnitten. «Der Kastanienrindenkrebs ist immer latent vorhanden.»

Der Rindenkrebs kann neben dem Rückschnitt nur mit einem Gegenpilz bekämpft werden. Dieser ist allerdings auf ein dauerndes Vorkommen des Rindenkrebses angewiesen. Da es in der Zentralschweiz vergleichsweise wenig Kastanienbäume und keine zusammenhängende Anbaugebiete gibt, kann der Gegenpilz nicht überleben. Darum sei eine Früherkennung wichtig.

Das grösste Schweizer Anbaugebiet von Edelkastanien befindet sich im Tessin mit rund 250 bewirtschafteten Kastanienhainen. Doch trotz der Förderung einheimischer Kastanien muss nach wie vor der grösste Teil, der in den Marronipfannen landet, importiert werden. Im Tessin machte in den letzten Jahren die chinesische Edelkastanien-Gallwespe grosse Probleme. Sie legt ihre Eier in den Knospen ab. Während des Austriebs im Folgejahr werden die Larven aktiv. «Befallene Triebe entwickeln sogenannte Gallen. Blätter, Blüten und Früchte bilden sich nicht richtig aus, sondern verkrüppeln», erklärt Waldis.

Die Gallwespe wurde im Tessin erstmals 2009 festgestellt. Das Ausmass des Schädlings ist gewaltig. Im Mittel- und Südtessin wurden im Herbst 2006 fast 60 Tonnen Kastanien geerntet, im letzen Jahr waren es noch knapp 2 Tonnen.

Tessiner Kastanien erholen sich von der Gallwespe

Wie die NZZ vor kurzem berichtete, besteht im Tessin die Hoffnung, dass die Marroniernte heuer wieder besser ausfällt. Dies dank einer chinesischen Schlupfwespen-Art, die ein wirkungsvoller Feind der Kastanien-Gallwespe ist. Zwar hat das Bundesamt für Umwelt die Ansiedlung der Gegenwespe aus China in der Schweiz nicht bewilligt. Da sie hier auch nicht heimisch ist, birgt ihre Ansiedlung ebenfalls ökologische Risiken. Allerdings wurde die Schlupfwespe in Italien und Frankreich im Kampf gegen die Gallwespe angesiedelt und hat so den Weg ins Tessin gefunden.

In der Zentralschweiz wurde die Gallwespe laut Waldis auch schon gefunden. «Wir stellten die Gallwespe 2010 in Walchwil fest. 2014 war sie erstmals auf der Horwer Halbinsel.» Bei einzelnen Bäumen in Nottwil und Meggen habe es im Sommer 2014 ebenfalls einen Befall der Gallwespe gegeben. «Letztes und dieses Jahr hatten wir glücklicherweise keine Meldung mehr», sagt er.

Am Sonntag, 23. Oktober, findet in Greppen von 10 bis 17 Uhr die 19. Chestene-Chilbi statt. Sie wird organisiert von der IG Pro Kastanie. An über 60 Marktständen und Festbeizli gibt es Kastanienprodukte und regionale Spezialitäten.

Mehr Infos unter: www.kastanien.net


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