Kein Instrumentalunterricht an Gymis: Forderung sorgt für Misstöne

BILDUNG ⋅ Instrumentalunterricht soll nur noch an den Musikschulen der Gemeinden angeboten werden. Bei den Instrumentallehrern der Kantonsschulen kommt diese Idee ganz schlecht an.

03. Oktober 2016, 05:00

Sowohl die Luzerner Gymnasien wie auch die Musikschulen der Gemeinden bieten derzeit Instrumentalunterricht an. Damit könnte allerdings bald Schluss sein: GLP-Kantonsrat Markus Baumann (Luzern) fordert in einem Postulat die Prüfung einer Auslagerung. So sollen Instrumentallehrer künftig nur noch von den Musikschulen der Gemeinden angestellt werden. Baumann sieht darin mehrere Vorteile: «Die neuen Organisationen bringen in der Verwaltung mehr Effizienz, den Musiklehrpersonen ermöglichen sie höhere Pensen und den Schülern ein breiteres Instrumente- und Orchesterangebot.» Das Zusammenlegen von kleinen Organisationseinheiten mit hohen Sockelkosten mache betriebswirtschaftlich praktisch immer Sinn, ist Baumann überzeugt. Zu den Folgen für die Schüler sagt er: «Je mehr Schüler an einer Musikschule sind, desto grösser ist die Chance, dass stufengerechte Ensembles gebildet werden können.» Auch die Lehrer würden profitieren. Heute hätten an den Kantis viele Lehrer Kleinstpensen, und sie seien starken Pensenschwankungen ausgesetzt.

Baumann betont, dass es sich nicht um eine Sparmassnahme auf Kosten der Lehrer handle. «Denn es soll nicht bei den Löhnen, sondern beim unnötigen Verwaltungsaufwand gespart werden.» Instrumentallehrer an den Gymnasien sind heute allerdings in einer höheren Lohn­klasse eingereiht. Baumann sagt: «Meiner Ansicht nach würden die Löhne nach dem Grundsatz ‹Gleicher Lohn für gleiche Arbeit› angeglichen, allenfalls mit einer Besitzstandswahrung.»

Lehrer bezweifeln den Spareffekt

Der Vorschlag einer Auslagerung stösst den Instrumentallehrern an den Kantis sauer auf. Marc Hunziker, Fachvorstand der kantonalen Instrumentallehrpersonen, sagt: «Ich bezweifle, dass es durch die Auslagerung zu Einsparungen kommt.» Würden die Instrumentallehrer zu Bedingungen der Musikschulen der Gemeinden angestellt, wäre dies laut Hunziker eine klare Verschlechterung der Bedingungen. «Ein Lohnunterschied ist gerechtfertigt. Denn es macht einen Unterschied, ob jemand ein Instrument als Maturafach belegt oder als Hobby.» Käme es zu einer Auslagerung, rechnet der Fachvorstand auch mit Entlassungen. «Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass dann sämtliche Lehrer von den Gemeinden übernommen werden.» Negative Auswirkungen erwartet Hunziker auch für die Gemeinden. Er rechnet damit, dass der Kanton mehr Kosten auf die Gemeinden abwälzen würde. Und er sieht auch für die Kantonsschulen Nachteile. «Für die Kultur der Gymnasien wäre die Auslagerung der Musikschule ein immenser Verlust.»

Idee vor zwölf Jahren verworfen

Franz Grimm, Präsident des Verbands für die Musikschulen des Kantons Luzern, steht der Idee von Baumann hingegen positiv gegenüber. Er sieht eine grössere Palette von Auswahlmöglichkeiten für die Schüler, grössere Pensensicherheit für die Lehrer und weniger Administration. «Durch die Auslagerung fällt die störende Ungleichheit von Schulgeldern, Arbeitsbedingungen sowie der Konkurrenzkampf von Musikschule und Kantonsschule weg.»

Bereits 2004 wurde die Idee einer Auslagerung aufgrund eines Postulats von Thomas Willi (CVP) diskutiert. Grimm sagt: «Der ablehnende Entscheid wurde damals mit den tieferen Standards an den Musikschulen der Gemeinden begründet.» Dies sei heute nicht mehr der Fall, wo die Musikschulen ins Bildungsgesetz aufgenommen und anerkennt worden sind. Seither übernimmt der Kanton einen Teil der Kosten, und er macht qualitative Vorgaben – eine davon ist, dass Musikschulen eine gewisse Grösse aufweisen müssen. Die Anzahl der Musikschulen ist in der Folge von 67 auf 40 geschrumpft.

Laut Grimm arbeiten heute schon viele Instrumentallehrer an einem Gymnasium und an Musikschulen der Gemeinden. Bei der Kanti Seetal seien dies rund 40 Prozent. Dennoch geht er davon aus, dass eine mögliche Auslagerung bei den betroffenen Lehrern für «wenig Begeisterung» sorgen würde. Er sagt aber: «Wir sind überzeugt, dass die Aussicht auf grössere Pensensicherheit bei weniger Arbeitgebern, die Einbettung in grössere Fachschaften und das Zusammenlegen der Saläre für die Pensionskasse bald als Chance wahrgenommen würde.»

Beiträge sollen halbiert werden

Aktuell beschäftigen die Musikschulen laut Grimm die geplanten Sparmassnahmen der Regierung. So sollen die Kantonsbeiträge an die Musikschulen von durchschnittlich 350 Franken pro Schüler halbiert werden. Der Kanton will so ab 2018 jährlich 1,8 Millionen Franken sparen. «Damit werden die Kosten auf die Gemeinden und die Eltern verlagert.» Der Verband droht mit dem Referendum, sollte der Kantonsrat diese Massnahme beschliessen. Instrumentallehrer und Volksschullehrer der Gemeinden und der Kantonsschulen kämpfen hier Seite an Seite.

Eine Sparmassnahme konnten die Instrumentallehrer an den Kantis diesen Frühling kippen. So hat das Kantonsgericht eine Beschwerde gutgeheissen. Die Regierung wollte die Unterrichtsverpflichtung erhöhen und die Löhne herabsetzen.

Roseline Troxlerroseline.troxler@luzernerzeitung.ch


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