Rechtsberatung gibts hier kostenlos

KRIENS ⋅ Sechs Juristinnen und Juristen stehen der Bevölkerung für erste Hilfestellungen unentgeltlich zur Verfügung. Das Angebot wird rege benutzt.
15. April 2017, 05:00

Astrid Longariello

astrid.longariello@luzernerzeitung.ch

Über 60 Personen nutzen jährlich das Angebot der unentgeltlichen Rechtsberatung in Kriens. Ein konkreter Fall betrifft eine Frau, die nicht weiss, wie sie mit der erhaltenen Verfügung der IV umgehen soll. Die Betroffene blickt auf eine lange Krankheitsgeschichte, mehrere Entlassungen und Klinikaufenthalte infolge Depressionen und Alkoholmissbrauchs zurück. Ihr Arzt findet, eine erneute Arbeitssuche und wieder 100 Prozent zu arbeiten, sei ihr nicht zuzumuten; dies würde über kurz oder lang zu einer weiteren Erkrankung führen.

So wurde eine Unterstützung der Invalidenversicherung angefordert. «Ich möchte ja keine Rente, nur Hilfe bei der Wiedereingliederung ins Berufsleben, da ich mich nicht in der Lage fühle, auf einen Schlag von Null auf 100 Prozent zu arbeiten», sagt die verzweifelte Frau.

20 Minuten Zeit für eine Beratung

Die IV entschied anders. Es sei keine gesundheitliche Beeinträchtigung vorhanden, die gegen das Ausüben einer Arbeit sprechen würde, hiess es in der Verfügung. Die Gesuchsstellerin hat nun die Möglichkeit, sich mit diesem Entscheid abzufinden oder ihn vor dem Sozialversicherungsgericht anzufechten, was mit Kosten verbunden wäre. In ihrer Not wendet sie sich an die un­entgeltliche Rechtsberatung in Kriens und trifft dort auf den in Kriens wohnhaften und in Luzern tätigen Rechtsanwalt Peter ­Kriesi. Dieser ist Fachanwalt für Bau- und Immobilienrecht. Gerade mal 20 Minuten hat er Zeit, um sich ein Bild über die Lage der Ratsuchenden zu machen.

Da dem Fall eine jahrelange Geschichte zugrunde liegt, bedeutet es für den Rechtsanwalt eine grosse Herausforderung, sich einen Überblick zu verschaffen: «Es ist oft schwierig, in einer beschränkten Zeit einen Einblick in verwobene Sachverhalte zu erhalten und eine schnelle rechtliche Einordnung vorzunehmen.»

Entscheid muss sehr schnell angefochten werden

Im konkreten Fall verweist Kriesi die Betroffene an den Luzerner Anwaltsverband und betont, dass eine Anfechtung sehr schnell geschehen müsse, da eine Frist von 30 Tagen einzuhalten sei. Er informiert sie zudem über die Möglichkeit einer unentgeltlichen Rechtspflege. Dabei übernimmt bei Personen, die unter dem Existenzminimum leben, der Staat die Anwalts- oder Gerichtskosten.

Leider sind die 20 Minuten schnell um, und Peter Kriesi muss die Frau entlassen, da draussen schon der nächste Fall auf seinen Rat hofft. Seiner Meinung nach sind 20 Minuten pro Person ausreichend, da es jeweils um eine erste Einordnung des Problems und eine erste Hilfestellung gehe: «Eine längere Dauer würde die Kapazitäten sprengen.»

«Immer voll ausgebucht»

Seit 2010 steht den Krienserinnen und Kriensern die unentgeltliche Rechtsauskunft zur Verfügung. Sie entstand auf Initiative des Anwalts Simeon Beeler und umfasst insgesamt sechs Juristinnen und Juristen. Alle arbeiten unentgeltlich. Simeon Beeler ist Krienser und leistete als Mitglied des Luzerner Anwaltsverbandes schon für diesen unentgeltliche Beratungen. Er findet es wichtig, dass die Krienser diese Möglichkeit in ihrer eigenen Gemeinde besitzen: «Es ist eine ‹pro bono›- Arbeit, die ich gerne verrichte. Man könnte ja auch spenden, doch ich versuche, mit meinen Beratungen den Menschen auf diese Art zu helfen.»

Sein Berufskollege Peter Kriesi sieht es ähnlich und findet den Dienst für die Krienser Bevölkerung gerechtfertigt, da Kriens eine grosse Gemeinde mit entsprechendem Bedarf sei: «Ich persönlich wohne seit Jahren in Kriens und kann mich so in der Gemeinde engagieren.»

Dass der Bedarf offensichtlich vorhanden ist, und vom Angebot reger Gebrauch gemacht wird, bestätigt Christina Knupp vom Präsidialdepartement der Gemeinde Kriens: «Wir sind immer voll ausgebucht. Einen übergrossen Andrang oder gar Warteschlangen gibt es aber nicht.» Auch der Luzerner Anwaltsverband bietet unentgeltliche Rechts­beratungen an (siehe Kasten), die laut Anwaltsverband ebenfalls gut genutzt werden. Rat holen kann man sich auch beim Kanton Luzern. Für Personen ab 60 Jahren besteht ausserdem die Möglichkeit, sich über Pro Senectute Luzern juristisch beraten zu lassen.


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