Feldbreite: Künftige Bewohner sollen Ideen liefern

EMMEN ⋅ Die «Feldhäuser», die im Quartier Feldbreite hätten entstehen sollen, sind endgültig Geschichte. Nun müssen die Architekten ein neues Konzept entwerfen – und erhalten dabei ungewöhnliche Hilfe.
24. März 2017, 04:28

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Sie hätten das Aushängeschild des neuen Quartiers Feldbreite in Emmen sein sollen. Doch die bunten «Feldhäuser», entwickelt vom holländischen Architektenteam MVRDV, können in ihrer ursprünglich geplanten Form nicht gebaut werden. Was ist passiert? Das Projekt beinhaltete unter anderem 37 zwei- bis vierstöckige Reiheneinfamilienhäuser. Als die Gemeinde Emmen im Juni 2015 die Bewilligung für den Bau erteilte, reichte die Fachstelle Hindernisfrei Bauen Luzern (HBLU) Beschwerde ein. Der Grund: Die oberen Etagen der Einfamilienhäuser sollten gemäss Planung nur über Treppen und nicht über Lifte erschlossen werden.

Die Beschwerde gelangte vor Kantonsgericht. Dieses entschied im August 2016, dass die HBLU einspracheberechtigt ist, mit der Konsequenz, dass die Reihenhäuser besuchergeeignet und behindertengerecht anpassbar sein müssen. Nach dem Gerichtsurteil kam es zu Verhandlungen zwischen der Bauherrschaft und der HBLU unter der Leitung der Gemeinde Emmen. Das Resultat: Die «Feldhäuser» können so nicht gebaut werden, da die oben genannten Bedingungen nur schwer erfüllt werden könnten. In den Gesprächen wurden Rahmenbedingungen festgelegt, gemäss denen das Projekt überarbeitet werden soll. Über deren Inhalt wird keine Auskunft gegeben, heisst es vom Gemeinderat.

Nur zweistöckige Häuser wären möglich

Tatsächlich wäre es schwierig geworden, die Einfamilienhäuser im Nachhinein behindertengerecht anzupassen. Ein Treppenlift über vier Etagen wäre nicht nur teuer einzubauen – es würde auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, damit vom Erdgeschoss auf die Dachterrasse zu gelangen. Realistisch betrachtet könnte also ein Hausbesitzer, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, nur noch die zwei untersten Etagen bewohnen.

«Wir wissen nun, dass die drei- bis vierstöckigen Häuser nicht bewilligungsfähig sind», sagt Johannes Eisenhut, Vertreter der Bauherrschaft Senn Resources AG. Höchstens die zweistöckigen Häuser wären ohne Lift bewilligungsfähig. Aus wirtschaftlichen und städtebaulichen Gründen ergebe aber eine Reduktion des Projekts nur auf zweistöckige Einfamilienhäuser keinen Sinn, so Eisenhut. «Das Projekt lebte von der Vielfalt der verschieden hohen Häuschen, der Skyline. Eine gleichförmige Reihenhaussiedlung war es nie und sollte es auch nicht werden.» Zudem erlaube das Baufeld viergeschossige Bauten. «Wenn dann nur zweigeschossig überbaut wird, können wir die auf der Feldbreite angestrebte städtebauliche Verdichtung nicht erfüllen, und das Projekt wird unwirtschaftlich.»

Projekt wird nicht mehr «Feldhäuser» heissen

Für die Bauherrschaft ist klar, dass es nun ein neues Konzept braucht. Denn die nötigen Veränderungen am ursprünglichen Projekt wären so gross, dass es deutlich an Qualität verlieren würde. «Wenn sich eine gute Idee nicht realisieren lässt, muss man eine neue, noch bessere Idee suchen», findet Johannes Eisenhut. Man wolle eine qualitativ hochwertige Überbauung, da es sich um Wohneigentum handelt. «Wir müssen uns vom alten Entwurf lösen und ein neues Konzept entwickeln. Dieses wird sehr wahrscheinlich nicht mehr ‹Feldhäuser› heissen, sondern einer neuen städtebaulichen Leitidee folgen.»

Im April ist die erste Sitzung mit den holländischen Architekten geplant. Und diesmal sollen auch Interessenten, die dereinst in der neuen Überbauung leben möchten, mitreden können. «Viele Interessenten haben uns mitgeteilt, dass sie unabhängig von der Häuschen-Typologie daran interessiert bleiben, in einer MVRDV-Siedlung zu wohnen. Wir werden im Planungsprozess eine digitale Plattform einrichten, um Inputs zu sammeln», sagt Eisenhut.

Allzu lange dürfen sich die Planer aber nicht mit der Konzepterarbeitung aufhalten: Der aktuelle Zeitplan sieht vor, bereits in einem Jahr die Bauein­gabe zu machen. Geht alles glatt, kann der Baustart im Herbst 2018 erfolgen.


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