Kommentar

«Kulturelle Leuchttürme» sind bedroht

ZENTRUMSLASTEN ⋅ Die Schwyzer Regierung will sich nicht länger dazu verpflichten, die Luzerner Kulturinstitutionen finanziell zu unterstützen. Damit begibt sie sich auf gefährliches Terrain.

16. Oktober 2016, 05:00

Der Kanton Schwyz muss sparen. Damit das gelingt, schlägt die Regierung vor, aus dem interkantonalen Kulturlastenausgleich auszusteigen. Zwar soll wie bisher ein Beitrag von 630 000 Franken an die grossen Kulturinstitutionen in Luzern gezahlt werden – aber freiwillig und über den Lotteriefonds, was den Kantonshaushalt entlastet. Trotzdem birgt der Vorschlag politischen Zündstoff.

Ein Austritt des Kantons Schwyz brächte die Gefahr mit sich, dass die Vereinbarung mit den Kantonen Luzern, Zürich, Uri, Zug und Aargau zu Fall gebracht wird. Das räumt die Regierung in Schwyz selber ein. Und das wiederum würde die Zusammenarbeit mit den Nachbarkantonen möglicherweise auch in anderen Bereichen erschweren. Der Kanton Schwyz ist zum Beispiel beim Betrieb von Fachschulen und Gesundheitsangeboten auf andere Kantone angewiesen.

Unverbindlichkeit ist ein Problem

Für Kulturinstitutionen wiederum wie das Luzerner Theater brächte ein Ausstieg Planungsunsicherheiten mit sich, wie Birgit Aufterbeck sagt. «Die öffentliche Hand muss für professionell arbeitende Institutionen ein verlässlicher Partner sein», mahnt die Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater. «Wir haben Mehrjahresvorläufe und schliessen langfristige Rahmenverträge ab, wie mit unserem Opernorchester.» Jedes Jahr auf schwankende Finanzzusagen vage zu hoffen, mache professionelles Wirtschaften unmöglich. Eine Alternative zum Kulturlastenausgleich sieht sie nicht. «Ticketpreise mit Kantonszuschlag zu versehen, ist definitiv nicht Politik des Luzerner Theaters. Wir freuen uns über den Zulauf aus den Nachbarkantonen.»

Der Luzerner Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss bedauert es, dass der Kanton Schwyz einen Austritt ins Auge fasst. «Das wäre ein schlechtes Signal, weil die solidarische Vereinbarung massgeblich geschwächt würde», sagt er auf Anfrage. Die Zahlungen der Nachbarkantone seien für die Stiftung Luzerner Theater, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) und das Luzerner Sinfonieorchester «ganz entscheidend». Würden sie ausbleiben, müsste man nach Alternativen suchen. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, ist völlig offen. Klar ist aber: «Unterschiedliche Tarife für Auswärtige einzuführen, ist nicht in unserem Interesse – das heutige System ist unkomplizierter und komfortabler für die Besucher.»

Zoom

| Grafik: Jana Noser / LZ

Ganz ausgeschlossen ist es aber nicht. Luzern kennt Einheimischentarife bereits in anderen Bereichen – etwa bei der Benützung von Sportanlagen wie dem Hallenbad Luzern. Der heutige Kulturlastenausgleich basiert auf den Besucherzahlen aus dem jeweiligen Kanton. Je mehr Schwyzer also zum Beispiel ins Luzerner Theater gehen, desto stärker beteiligt sich der Kanton Schwyz an den Subventionen, die ans Theater fliessen.

Der Kanton Luzern plant selber, ab 2018 jeweils 1,2 Millionen Franken jährlich bei den grossen Kulturhäusern einzusparen. Regierungsrat Wyss sieht Luzern deswegen aber nicht als schlechtes Vorbild für Nachbarkantone, die bei der Kultur sparen wollen. Vielmehr seien die Sparbemühungen ein Argument für den Kulturlastenausgleich: «Wenn wir weniger Subventionen sprechen, entlastet das auch die übrigen Kantone, weil ihre Beiträge auf unseren Subventionen beruhen.»

Wie politisch angespannt die Situation ist, zeigte sich kürzlich an der Reaktion der Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr auf einen Vorstoss der FDP Aargau. Nachdem die Partei einen Austritt aus dem Kulturlastenausgleich forderte, warnte Fehr eindringlich, dass der Vorschlag die «kulturellen Leuchttürme» bedrohe und einem Ende der interkantonalen Solidarität gleichkomme. Stimmt der Aargauer Kantonsrat dennoch zu, entgehen dem Kanton Luzern 690 000 Franken.

Lena Berger


Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: