Kulturverband will transparenter werden

REGION ⋅ Gemeinden treten aus der Regionalkonferenz Kultur (RKK) aus. Neben Sparprogrammen auch aus mangelnder Transparenz, so die Begründung.

18. Mai 2015, 10:00

Robert Knobel

Die Gemeinden Buchrain, Adligenswil, Udligenswil und Greppen wollen die Regionalkonferenz Kultur Region Luzern (RKK) verlassen. Durch den Austritt aus der RKK versuchen sie ihre Budgets zu entlasten. Die RKK verfügt über einen Topf von jährlich 720 000 Franken, der von den 17 Mitgliedsgemeinden alimentiert wird. Mit dem Geld werden Kulturprojekte und Kulturinstitutionen in der Region Luzern gefördert.

Bei der RKK ist man über die Austrittsgelüste der Gemeinden alles andere als erfreut. «Sie werden so zu Trittbrettfahrern», ärgert sich der Ebikoner Gemeindepräsident Daniel Gasser (CVP), der gleichzeitig Präsident der Regionalkonferenz Kultur ist. RKK-Geschäftsführer Cédric Habermacher fügt hinzu: «Der Austritt einzelner kleiner Gemeinden ist zwar schmerzhaft, aber noch nicht existenziell für die RKK. Doch wenn weitere, auch grössere Gemeinden dem Beispiel folgen, geht es an die Substanz.» Und damit meint er nicht nur die RKK selber, sondern auch die von ihr geförderten Institutionen. «Das Kleintheater Luzern etwa könnte ohne die RKK-Gelder nicht überleben», sagt Habermacher.

Profiteure sollen mitzahlen

Sonja Eisl, Co-Leiterin des Kleintheaters, bestätigt dies. Das Kleintheater erhält von der RKK jährlich 160 000 Franken. Denselben Betrag erhält das Theater zusätzlich von der Stadt Luzern. Das Gesamtbudget des Kleintheaters beträgt 1,4 Millionen Franken. Daniel Gasser sagt: «Die ganze Region profitiert vom vielfältigen Kulturangebot, also soll auch die ganze Region mitzahlen.» Doch genau dies wird von den austrittswilligen Gemeinden in Frage gestellt. Der Nutzen für die eigene Gemeinde sei nicht genügend klar, heisst es etwa.

Klar definierte Kriterien

Dabei sind die Kriterien für die von der RKK unterstützten Kulturprojekte klar: Sie müssen eine regionale Ausstrahlung haben rein lokale Anlässe werden nicht unterstützt. Neben dem Kleintheater wurden in der Vergangenheit unter anderem folgende Projekte und Institutionen unterstützt: Südpol, Akku Emmen, Bellpark Kriens, Schüür Luzern, B-Sides-Festival, Theatergesellschaft Malters. Die abschliessende Liste der Empfänger sowie die genaue Höhe der Beiträge ist nicht öffentlich – dies ist denn auch ein Argument der ausstiegswilligen Gemeinden, dass man gar nicht genau wisse, wofür das Geld verwendet werde. Wobei lediglich die Bevölkerung darüber nicht informiert ist. Die Gemeinderäte, welche in ihren Sparpaketen die Streichung der RKK-Beiträge vorschlagen, haben sehr wohl Kenntnis über die detaillierte Verwendung der Gelder.

«Nicht gegen Transparenz»

Dennoch ist man inzwischen zum Schluss gekommen, dass es zusätzliche Transparenz braucht, wenn man die Existenz der RKK weiterhin legitimieren will. Das Thema «Veröffentlichung der Beiträge» wird an der nächsten Sitzung der Regionalkonferenz im Juni traktandiert. Entscheiden müssen dann die Gemeinderäte als Vertreter der Mitgliedsgemeinden. Aus Sicht der Geschäftsleitung ist aber klar: «Wir stemmen uns sicher nicht gegen mehr Transparenz», sagt Cédric Habermacher.

Doch wieso kommt man erst jetzt, da die RKK unter Druck gerät, auf die Idee, offener zu kommunizieren? Cédric Habermacher erklärt: «Technisch gesehen ist die RKK ein regionales Finanzausgleichsmodell, um Kulturlasten gerechter zu verteilen. Dies hat sich im Nachgang zur Finanzreform 08 vor allem auf Behördenebene abgespielt.» Es habe sozusagen gar keinen Grund gegeben, jedes einzelne Förderprojekt öffentlich zu kommunizieren. Doch mittlerweile ist die Situation ganz anders. «Die Gemeinden sind finanziell unter Druck. Sie suchen nach jeder noch so kleinen Sparmöglichkeit», sagt Daniel Gasser. Das bedeutet: Wenn ein Budgetposten verschont bleiben soll, muss das gut nachvollziehbar sein.

Solidarität unter Gemeinden

Man könne durchaus über die Strukturen der RKK diskutieren, findet Cédric Habermacher. «Wichtig ist aber, dass es weiterhin eine Solidarität unter den Gemeinden gibt auch im Kulturbereich.» Als Beispiel, wie es eher nicht laufen sollte, nennt Daniel Gasser die Hallenbäder von Kriens, Emmen und Luzern. Diese planen spezielle Einheimischen-Tarife. Auswärtige, die nicht aus diesen Gemeinden stammen, zahlen höhere Eintrittspreise.

Dass das Kleintheater dereinst Besucher aus Adligenswil mit höheren Eintrittspreisen bestraft, ist unwahrscheinlich. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass einzelnen Institutionen irgendwann die Luft ausgeht, warnt Cédric Habermacher. «Die Bevölkerung merkt das aber erst, wenn es schon zu spät ist.» Er verweist zudem auf eine Studie, welche die Hochschule Luzern im Auftrag der RKK Ende 2014 publizierte. Die Studie kam zum Schluss, dass die Kulturlasten innerhalb der RKK-Gemeinden gerecht verteilt seien. Die Gelder ermöglichten zudem ein vielfältiges Kulturleben in der Region, welches letztlich die Standortattraktivität aller Mitgliedsgemeinden erhöhe.

Studie: Die Studie der Hochschule Luzern finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

So wird das Geld verteilt

Die Regionalkonferenz Kultur Region Luzern (RKK) verteilt die Gelder folgendermassen:

Kulturhäuser: Feste Institutionen wie Schüür oder Bellpark reichen bei der RKK ein Gesuch ein. Der RKK-Ausschuss, der aus Gemeinderatsmitgliedern einiger Gemeinden besteht, kann Beiträge bis 10 000 Franken in Eigenregie vergeben. Was darüber hinausgeht, braucht die Zustimmung aller Mitgliedsgemeinden.

Kulturprojekte: Für einzelne Projekte gibt es nur Geld von der RKK, wenn auch die Standortgemeinde das Projekt unterstützt. Und der RKK-Beitrag ist maximal so hoch wie der Beitrag der Standortgemeinde.

Weitere Informationen: www.kulturregionluzern.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: